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Umfrage: 40 Prozent der Briten für Austritt aus der EU

Zum Entsetzen vieler Europäer kündigt Premier Cameron ein Referendum über die britische EU-Mitgliedschaft an. Er selbst will angeblich drinbleiben - doch viele seiner Landsleute sehen das ganz anders.

Viele Briten wollen gar nicht mehr in der EU bleiben. Quelle: dapd
Viele Briten wollen gar nicht mehr in der EU bleiben. Quelle: dapd

BerlinBei einem Volksentscheid würden zurzeit rund 40 Prozent der Briten für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union stimmen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 2000 Bürgern hervor. Premierminister David Cameron hatte am Mittwoch angekündigt, in den kommenden Jahren eine Volksabstimmung über den Verbleib seines Landes in der EU abzuhalten.

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Bei der Umfrage gaben Anfang der Woche 37 Prozent der Befragten an, sie würden bei einem Referendum für einen Verbleib des Landes in der EU votieren. 18 Prozent erklärten, sie hätten keine Meinung dazu, sechs Prozent, sie würden an einer solchen Abstimmung gar nicht erst teilnehmen.

Was die Briten an der EU stört

  • Nationale Identität

    Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

  • Londoner City

    Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

  • Soziales und Arbeitsmarkt

    Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

  • EU-Bürokratie

    Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

  • Medien

    Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Die Zahlen unterliegen allerdings starken Schwankungen: Nur wenige Tage zuvor hatten sich in einer YouGov-Umfrage 34 Prozent der befragten Briten für einen Austritt und 40 Prozent für einen Verbleib ihres Landes in der EU ausgesprochen.

Camerons Ankündigung sorgte europaweit für Empörung und Bestürzung. Frankreichs Präsident François Hollande schloss aus, dass sich die EU von den Plänen der britischen Regierung erpressen lassen wird. „Europa muss so genommen werden, wie es ist“, sagte Hollande am Mittwochabend in Grenoble. Es sei nicht möglich, darüber zu verhandeln, um dann ein Referendum zu veranstalten. Die EU könne weiterentwickelt werden. Durch eine Volksabstimmung lasse sie sich aber nicht kleinmachen, sagte Hollande nach Angaben des französischen Nachrichtensenders BFM TV.

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Auch die Außenminister Deutschlands und Spaniens, Guido Westerwelle und José Manuel Margallo, verfolgten die Ankündigungen aus London mit Sorge. Beide betonten am Mittwochabend in Madrid, eine „Rosinenpickerei“ mit weiteren Sonderrechten für Großbritannien werde nicht funktionieren.

Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) warnte Deutschland und andere EU-Staaten vor Zugeständnissen an London. „Eine Gefahr für die Existenz der EU gäbe es nur, wenn Frau Merkel, Herr Hollande und all die anderen auf Cameron zugingen“, sagte Fischer dem ZDF-„heute-journal“.

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Camerons Pläne grenzten an Absurdität. „Was er fordert, ist nichts geringeres als die Rückabwicklung der Europäischen Union, damit Großbritannien drinbleibt“, kritisierte Fischer. Die Briten sollten in der Gemeinschaft bleiben, „aber nicht um den Preis der Zerstörung der Europäischen Union“.

  • 24.01.2013, 21:36 Uhrnaklaro

    Schreibt hier eigentlich ein E-Basher vom anderen ab? Die Stammtischler unter ihnen lässt die Verordnung zum Krümmungsgrad von Gurken und ähnlicher Mist geradezu verzückt auszuflippen, die Oberlehrer orakelhafte, aus trüben Quellen genährte Pseudoanalysen, Tatsachenverdrehungen und Ergebnisverhunzungen in teutonische Verzweiflung versinken. Ach, und dann das gemeinsame Gejammere über das DEUTSCHE Geld der Steuerzahler und Steuerhinterzieher, das, was uns – natürlich vollkommen ohne Gegenleistung, klar! - aus den Taschen gezogen wird – Erbsenzählerei ist das, denn dass unser deutscher, durch Europa und den Euro gewonnener, enormer Wohlstand GERADE DADURCH ermöglicht wurde, das KAPIEREN sie einfach nicht – nein, D liegt bereits in Trümmern und alle anderen lachen uns aus und fressen sich voll (und wenn nicht heute, dann doch spätestens übermorgen...)! Na ja, eher wohl WOLLEN dies die Basher nicht zur Kenntnis nehmen, denn ihr muffiges Weltbild bräche ihnen überm Kopf zusammen! Und was das RAUS der Briten anbelangt: Das englische Volk (clever wie Churchill) ist nicht so blöd, DAFÜR zu stimmen; das deutsche Volk (dumm wie Bohnenstroh) könnte seinen Wohlstand nicht schnell genug verspielen! Tja, wer den Wald vor lauter Bäumen nicht SEHEN WILL, der schüttet das Kind leicht mit dem Bade aus, und dann wird das Jammern mal WIRKLICH auf hohem Niveau sein! P.S.: Ich höre schon die Kommentare! Leute - lasst es sein! Sie werden nicht anders ausfallen als die, die hier sowieso schon massenweise zum Besten gegeben wurden. Ich werde sie mir NICHT AUCH NOCH antun!

  • 24.01.2013, 14:33 Uhrmerxdunix

    Cameron, wie auch alle anderen in der Öffentlichkeit stehenden, unterliegen, wie aus den Foren hier deutlich wird, einem entscheidenden Tabu: Es ist unmöglich, eine sachliche Kritik am Gutmenschentum zu führen. Mit ihm legitimieren sich aber viele EU-Funktionäre und Politiker der Mitgliedstaaten einschließlich Merkel. Wer vermag schon jemanden entgegenzutreten, der es dem Anschein nach gut meint. Dieses Tabu schleppen die Europäer schon seit langem mit sich herum. Wenn man aber das Gutmenschentum schon nicht kritisieren kann, dann sollte man wenigstens auf die historischen Fakten verweisen dürfen, wozu Gutmenschentum geführt hat, um so für Wachsamkeit im Unterschied von gut gemeint und gut gemacht zu sorgen. Der Sozialismus sowieso, aber auch die einigermaßen demokratische Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, alle haben sich zuerst durch Gutmenschentum legitimiert und dann mehr und mehr in die Versklavung und schließlich in eine Katastrophe geführt. Immer wurden zuerst Demokratie und Freiheit einem Ziel geopfert, in der Regel dem Wohlstand. Der Frieden ist nebenbei mit untergegangen.
    So etwas findet zurzeit in der EU statt und das haben auch schon viele erkannt, ohne sich dafür ob des Tabus das nötige Gehör im kritischen Umgang damit verschaffen zu können. Wenn „gut gemacht“ aber der Gegenbeweis für „gut gemeint“ ist, dann wird deutlich: Allen Politikern, die uns ihre Wohlstandspläne verkaufen wollen, müssen wir misstrauen. Allein diejenigen, die Demokratie und wirkliche Freiheit bewahren, sollten wir uns erhalten und welche das sind, dafür sprechen die Fakten, denn Wohlstand und Frieden stellen sich gemeinsam von selbst ein, wenn Demokratie und Freiheit herrschen. Wenn aber Demokratie und Freiheit geopfert werden, wie es in der EU-Politik eindeutig der Fall ist, müssen wir konsequent gegensteuern, selbst wenn dabei ganze Institutionen wie die EU wegfallen, denn sonst gerät alles andere in Gefahr. Besser keine Politik, als eine nur gut gemeinte.

  • 24.01.2013, 13:15 UhrVictoria

    ich muß auch gleich mal austreten ...

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