Umfrage des GMF
Mehrheit sieht offene Märkte als Job-Gefahr

Die Globalisierung lässt sowohl Europäer als auch Amerikaner um ihre Jobs fürchten. In Deutschland vertreten knapp 60 Prozent der Bevölkerung die Meinung, dass eine weitere Öffnung der Märkte hierzulande zum Abbau von Arbeitsplätzen führen wird.

HB BERLIN. Nach einer aktuellen Umfrage des German Marshall Fund of the United States (GMF) sehen zwar zwei Drittel der Europäer und Amerikaner die zunehmenden internationalen Handelsbeziehungen als Chance, ihren Wohlstand zu mehren. Folgerichtig plädieren sie mehrheitlich dafür, bestehende Handelsschranken abzubauen. Und dennoch erwarten Amerikaner und Europäer gleichermaßen, dass eine weitere Liberalisierung des Welthandels in ihrem Land eher Arbeitsplätze vernichten als neue Jobs schaffen wird.

Nach Meinung des Marschall Fund zeigen diese Ergebnisse den Konflikt zwischen Verbrauchern und Arbeitnehmern. Der Verbraucher unterstützt grundsätzlich den freien Handel, weil er ein größeres Angebot und tendenziell niedrigere Preise bedeutet. Der Arbeitnehmer dagegen fürchtet um seinen Job.

Befragt wurden rund 6 000 Amerikaner und Europäer in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Polen. Dabei erwiesen sich vor allem die Briten als optimistisch. So glauben 49 Prozent der befragten Briten, dass ihnen eine weitere Öffnung der Märkte mehr Arbeitsplätze bringt. 39 Prozent erwarten Nachteile. In Deutschland und den USA dagegen ist das Verhältnis genau umgekehrt. Hier erwarten nur 36 Prozent (Deutschland) und 34 Prozent (USA) positive Auswirkungen am Arbeitsmarkt. Die Pessimisten sind mit 59 und 57 Prozent deutlich in der Überzahl. In Frankreich fürchten gar 74 Prozent den Abbau von Arbeitsplätzen.

Als die großen Gewinner von freiem Handel sehen 82 Prozent der Befragten international tätige Konzerne und schnell wachsende Schwellenländer wie China und Indien. Vor allem die Briten glauben ebenfalls daran, dass auch ärmere Entwicklungsländer von der Öffnung der Märkte profitieren (75 Prozent). In Deutschland glaubt das die Hälfte der Befragten. Wiederum fallen die Franzosen mit einer deutlich skeptischeren Haltung auf: Mehr als 60 Prozent vermuten negative Auswirkungen auf die ärmeren Entwicklungsländer.

Insgesamt ist aber Mehrheitsmeinung, dass der Handel den ärmeren Entwicklungsländern mehr nutzt als die Aufstockung von Entwicklungshilfe. Das gilt auch für den Krisenkontinent Afrika. Entsprechend lehnen die Befragten mehrheitlich weitere finanzielle Hilfen ab. Lediglich in Polen plädieren mehr Menschen für eine Aufstockung der Hilfen.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%