Umfrage
Europäer und US-Amerikaner sind entfremdet

Auch rund zweieinhalb Jahre nach Ende des Irak-Krieges steht es nicht gut um das transatlantische Verhältnis. Europäer und US-Amerikaner leben sich auseinander.

HB BRÜSSEL. Eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage im Auftrag des German Marshall Fund of the United States zeigt, dass wie im Vorjahr 59 Prozent der befragten Europäer die weltpolitische Führungsrolle der USA missbilligen. Die US-Amerikaner wünschen sich hingegen mehrheitlich, dass die Europäische Union in der Weltpolitik eine starke Führungsrolle einnimmt. Knapp die Hälfte ist gar dafür, dass die EU eine Supermacht wie die USA wird. Nur noch 54 Prozent der befragten US-Bürger wünscht sich eine engere Partnerschaft mit den Europäern. Im vergangenen Jahr war der Anteil der Befürworter noch um 6 Prozentpunkte höher gewesen.

In Deutschland gibt es große Unterschiede in der Haltung zum transatlantischen Verhältnis zwischen Anhängern der Linken und des Mitte-rechts-Lagers. Nur 29 Prozent der befragten Anhänger der Linken sprachen sich dafür aus, dass das Verhältnis enger oder zumindest gleich bleiben sollte. In der Befragten-Gruppe, die sich eher weiter rechts oder in der Mitte einordnet, wünschte sich hingegen rund jeder Zweite ein engeres Verhältnis zu den USA.

„Wir haben herausgefunden, dass trotz großer Anstrengungen zur Aufbesserung der Beziehungen noch immer eine Kluft besteht, wie wir uns gegenseitig und die Welt sehen“, resümierte der Präsident des German Marshall Fund of the United States, Craig Kennedy, die Ergebnisse der transatlantischen Studie.

Die von dem Institut „TNS Opinion and Social“ erhobene Repräsentativ-Befragung umfasst Daten aus den USA und der Türkei sowie den EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen, Portugal, Slowakei und Spanien.

Der Umfrage zufolge sind 72 Prozent der befragten Europäer nicht mit der Außenpolitik von US-Präsident George W. Bush einverstanden; in den USA sind nur 49 Prozent unzufrieden mit dessen Politik.

Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder hatten bei einem Treffen im Februar in Mainz rund zwei Jahre nach Ende des Irak-Krieges einen Schlussstrich unter die Auseinandersetzungen um eine gewaltsames Vorgehen gegen das Land gezogen. Der Streit hatte die deutsch-amerikanischen Beziehungen seit dem Frühjahr 2002 belastet. Zu den Wortführern der Gegner des Waffengangs gehörte Frankreich, während Großbritannien trotz großer Vorbehalte in der Bevölkerung an der Seite der USA in den Krieg gezogen war.

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