Umfrage in acht EU-Staaten
Griechen halten sich selbst für die Redlichsten

Die langwierige Krise frustet Europas Bürger. Immer weniger Menschen können sich für die Union erwärmen. Deutschland wird von den Nachbarn zwar als sehr vertrauenswürdig angesehen, gilt aber aber zugleich als arrogant.
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BrüsselIn Europa macht sich Trübsinn breit. Angesichts der langwierigen Wirtschafts- und Schuldenkrise verliert die Europäische Union dramatisch an Zustimmung. Laut einer Umfrage in acht EU-Staaten ist die Unterstützung für den Staatenbund dramatisch gefallen.

In Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Italien, Polen sowie Griechenland und Tschechien zählen sich aktuell nur noch 45 Prozent der Bürger zu den EU-Befürwortern, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center zeigt. Im Vorjahr waren es noch 60 Prozent.

In keinem Land schwindet der Mut und die Zuversicht schneller als in Frankreich. Dort glauben inzwischen drei von vier Bürgern, dass die europäische Integration dem Land geschadet hat. Und 58 Prozent bewerten die Arbeit der EU schlecht – ein Anstieg von 18 Prozentpunkten binnen eines Jahres.

In den acht Staaten blickt eine Mehrheit der Bürger sorgenvoll in die Zukunft. Insgesamt erwarten zwei Drittel der 7646 Befragten, dass es ihren Kindern finanziell schlechter ergehen wird als ihnen selbst. In Frankreich beträgt dieser Anteil sogar 90 Prozent. Ein Ausstieg aus dem Euro ist dennoch kein Thema. In den fünf Ländern mit der Gemeinschaftswährung wollen 60 Prozent den Euro behalten.

Als das vertrauenswürdigste Land wird Deutschland gesehen. Für diese Ansicht fanden sich Umfragemehrheiten in sieben der acht Staaten. Allein die Griechen denken, dass sie selbst die Redlichsten sind.

Zugleich wird der „EU-Zahlmeister“ Deutschland auch sehr kritisch gesehen. Sie gelten als die arrogantesten und gleichgültigsten Europäer.

In den Einzelstaaten sind die jeweiligen Regierungschefs allesamt unpopulär und kommen auf magere Zustimmungsraten von 20 bis 30 Prozent. Einzig Bundeskanzlerin Angela Merkel ragt heraus und bekommt von den Deutschen 74 Prozent Zustimmung. Der zweitbeliebteste Regierungschef ist der Brite David Cameron, der aber nur 37 Prozent Unterstützer verbucht.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Umfrage in acht EU-Staaten: Griechen halten sich selbst für die Redlichsten"

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  • Eine "Europäische Union". Eine Union europäischer Eliten und den Lobbys, denen sie dienen, passt besser als Name für diese suprannationale Organisation.


    Die offiziellen Führungspersonen der EU wie José Manuel Barroso (President der EU-Kommission) oder Jean Claude Juncker (Präsident der €urogruppe) wurden nie von europäischen Bürgern gewählt. Die EU ist alles andere als demokratisch.

    Offiziell werden die großen Linien der EU-Politik vom Europäischen Rat festgelegt, einem zweimal jährlich stattfindenden Gipfel der Regierungschefs der Mitgliedstaaten. Dabei muss man wissen, dass die einflussreichen Politiker wie Barroso, Juncker und die Regierungschefs der großen Staaten sich ständig mit Politikern von außerhalb der EU und mit internationalen Wirtschaftsführern (d.h. den Gästen in Davos und auf der Bilderberger Konferenz) hinter verschlossenen Türen treffen.

    Das einzige Organ, das einen Gesetzgebungsprozess starten kann, ist die Europäische Kommission. Die Kommissare sind nicht gewählt, sondern werden von den Mitgliedstaaten entsendet. Natürlich sind sie weisungsgebunden.

    Über die Gesetzesentwürfe wird dann im Rat der EU, dessen Mitglieder ebenfalls entsendet und weisungsgebunden sind, abgestimmt. Wichtig zu wissen ist, dass das Stimmgewicht der einzelnen Mitgliedstaaten nicht ihrer wahren Bedeutung, d.h. ihrer Bevölkerung und ihrem finanziellen Beitrag zur EU, entspricht.

    Zwei Organe (Kommission und Rat), welche von einigen wenigen Persönlichkeiten dominiert werden, haben also alle Macht. Die einzige demokratisch legitimierte Institution, das Europaparlament, hat bei bedeutenden Entscheidungen nichts zu melden.

  • Deutschland wird von den Nachbarn zwar als sehr vertrauenswürdig angesehen, gilt aber zugleich als arrogant.
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    So what?!! Und dann. Das ist dann halt so. Und die Briten haben keinen Geschmack, die Franzosen sind Chauvinisten, die Italiener laut und gehen auf die Nerven, die Holländer geizig etc. etc. etc. Jeder hat seine Vor- und Nachteile. Soll man jetzt deswegen zu Kreuze kriechen und sich Asche auf's Haupt streuen? Von mir aus sind die Griechen die Redlichsten. Solange sie sich glücklich wähnen mit dem Gedanken. Ist doch nur subjektiv und somit nichts wert.

    Den grössten Fehler, den man machen kann im Leben, ist es jedem recht machen zu wollen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.
    Somit "honi soit qui mal Y pense". Zu gut deutsch: Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt.

  • Das sind Kommentare wie man Sie von einem Deutschen im Ausland erwartet und die das Bild des arroganten deutschen zementieren... Schade

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