Umfrage

Macron in erster Wahlrunde vor Le Pen

Laut einer Umfrage für die erste Wahlrunde der französischen Präsidentenwahl liegt der Emmanuel Macron vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen. Macron kommt in der Umfrage auf einen Wert von 27 Prozent.
Update: 03.03.2017 - 15:37 Uhr 1 Kommentar
In den Umfragewerten liegt Emmanuel Macron mit 27 Prozent 1,5 Punkte vor seiner Konkurrentin Marine Le Pen vom Front National (25,5 Prozent). Francois Fillon, Kandidat der Konservativen, kommt nur auf 19 Prozent. Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

In den Umfragewerten liegt Emmanuel Macron mit 27 Prozent 1,5 Punkte vor seiner Konkurrentin Marine Le Pen vom Front National (25,5 Prozent). Francois Fillon, Kandidat der Konservativen, kommt nur auf 19 Prozent.

(Foto: Reuters)

ParisDer parteiunabhängige französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron festigt seine Favoritenrolle. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage lag er erstmals sogar im ersten Wahlgang vor der Kandidatin der Rechtsextremen, Marine Le Pen. In einer Stichwahl würde er sich allen Umfragen zufolge klar gegen Le Pen durchsetzen und Nachfolger des sozialistischen Amtsinhabers Francois Hollande werden. Sowohl Le Pen als auch der Drittplatzierte Francois Fillon von den konservativen Republikanern stehen im Mittelpunkt politischer Skandale. Immer mehr Unterstützer Fillons verweigern dem Konservativen ihre Gefolgschaft. In der Partei wurde angedeutet, dass Ex-Premier Alain Juppe sich wieder einschalten könnte.

Der Erhebung des Odoxa-Instituts für den Sender France 2 zufolge kommt Macron in der ersten Runde am 23. April auf 27 Prozent (plus zwei Punkte), Le Pen auf 25,5 Prozent (minus 1,5 Punkte). Fillon könnte weiterhin nur mit 19 Prozent der Stimmen rechnen und würde es damit nicht in die Stichwahl am 7. Mai schaffen. An den Finanzmärkten wurde die Umfrage mit Erleichterung aufgenommen. Anleger deckten sich wieder mit Frankreich-Anleihen ein.

Auch in der täglichen Umfrage des Instituts Opinionway kann Macron zulegen und kommt auf 24 Prozent (plus eins). Verbessern konnte sich hier aber auch Le Pen auf 27 Prozent (plus zwei Punkte). Fillon verliert zwei Punkte auf 19 Prozent. Eine klare Mehrheit der Franzosen rechnet dem Institut zufolge damit, dass Macron, der der politischen Mitte zugerechnet wird, nächster Präsident sein wird. Am Donnerstag hatte er sein Programm vorgestellt, das unter anderem den Verkauf von Staatsanteilen an Unternehmen sowie eine Senkung von Unternehmenssteuern vor.

Was die Franzosen vom Präsidenten erwarten
Jean-Loup Tiesset, 54, Restaurant-Besitzer in Calais
1 von 12

„Mein erster Wunsch ist, dass der nächste Präsident sein Amt nutzt, um die Steuern auf Unternehmen zu ändern, vor allem unsere Sozialversicherungsgebühren. Was die Migrantenkrise angeht, die für die Anwohner in Calais reichlich menschliche, soziale und finanzielle Schwierigkeiten verursacht hat, sollte der Präsident in Kontakt mit den Nachbarländern treten, um sicherzustellen, dass sich die Menschen in Calais nicht mehr länger in der Situation befinden, in der sie sich seit zehn Jahren befinden. Es ist nicht richtig, dass britische Einwanderungsüberprüfungen auf unserem Boden stattfinden. Es ist die Aufgabe Englands, die Migranten willkommen zu heißen und den Migrantenfluss zu bewältigen, den das Land anzieht.“

Mouslimati Boina-Mze, 24, sie holt in Marseille ihren Schulabschluss nach
2 von 12

„Was ich vom neuen Präsidenten erwarte ist, dass er jungen Leuten hilft, leichter Arbeit zu finden. Es ist hart, es ist wirklich so. Selbst wenn du die Schule mit einem Abschluss verlässt, kannst du heute nur einen Job finden, der entweder schlecht bezahlt oder demotivierend ist. Ein Job ist das Wichtigste – um die Rechnungen zu bezahlen, auch um unabhängig zu sein und um morgens für den Job aufstehen zu wollen. Was der neue Präsident tun muss, ist die Informationen für junge Menschen zu verbessern. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass es lokale Ausbildungszentren für sie gibt. Sie hören einfach mit allem auf, das ist eine Schande.“

Jean-Yves Tanguy, 60, produziert Streichinstrumente in Caen
3 von 12

„Ich hoffe, dass er die Bedeutung der Kultur in der vom Markt und vom Zynismus der Finanzbranche dominierten Welt erkennt. Denn die Kultur erlaubt es uns, die Menschheit auf eine höhere Ebene zu heben. Ich möchte, dass er den Gebrauch der Musik kollektiv entwickelt, weil das so ein fabelhaftes Werkzeug zur Integration ist. Wer Musik macht, findet Würde und eine Existenzberechtigung in der Gesellschaft. Ich möchte, dass er seine Macht für das Gute der Gerechtigkeit, einschließlich der sozialen Gerechtigkeit, einsetzt. Und ich möchte, dass er Segregation, Ausgrenzung und Hass mit all seiner Macht bekämpft. Außerdem erwarte ich, dass er ein gewisses Auftreten hat, eine bestimmte Würde und, dass er sich für Werte und eine bestimmte Art von Gesellschaft einsetzt. Ich will einen Präsidenten, für den Worte wichtiger sind als Zahlen. Zahlen sind wichtig, aber sie sind sehr technisch.“

Marie Rouffet, 47, Fischerin im Hafen von Le Guilvinec
4 von 12

„Ich habe keine Erwartungen mehr, wir kommen einfach von Enttäuschung zu Enttäuschung. Es ist egal, ob sie aus dem rechten Flügel, dem linken Flügel oder aus dem Zentrum kommen, ob von der Seite, von oben oder von unten. Es gibt diesen faulen Kern und je höher du die Leiter der Macht nach oben gehst, desto korrupter bist du und desto mehr Geld hast du. Was dazu kommt: Die Leute, die unsere Gesetze ausspucken, wissen nichts über Boote oder über Fische. Sie sind wahrscheinlich noch nie auf der See gewesen. Deshalb interessiert mich die Präsidentschaftswahlkampagne nicht. Wie alle meine anderen Fischer-Kollegen interessiere ich mich nur für Fischerei-Kampagnen. Für mich ist es egal, wer Präsident ist. Nichts wird mich davon abhalten in einer Industrie zu fischen, die noch eine Zukunft hat.“

Romain Guérineau, 31, Feuerwehrmann in Saint-Cyr-sur-Loire
5 von 12

„Ich möchte, dass der Präsident das Gesetz zur Verbesserung der Barrierefreiheit für behinderte Menschen umsetzt, das 2005 beschlossen, aber immer noch nicht angewandt wurde. Genau so wie die Einführung einer besseren Kostenerstattung für behinderte Menschen. Ein Rollstuhl kostet 5000 Euro, aber nur 558 Euro davon werden erstattet. Ich möchte Politiker einladen, eine Woche in einem 500 Euro teuren Rollstuhl zu verbringen. Vom nächsten Präsidenten erwarte ich eine Politik, die sozial basiert ist, aber nicht nur aus Reklamezetteln besteht. Er sollte über Vorwürfe hinausgehen, sich an seine Wahlkampfversprechen halten und den Leuten auch nach der Wahl noch zugänglich bleiben.“

Sabine Tholoniat, 33, Landwirtin im Departement Puy de Dôme
6 von 12

„Ich möchte, dass der Präsident die Fragen der Landwirtschaft anpackt und die Produzenten bis zum Ende verteidigt. Ich möchte, dass er oder sie dafür sorgt, dass staatlich betriebene Kantinen auch französische Produkte verwenden. Die Dinge verbessern sich, aber nicht schnell genug. Wir wollen nicht von Subventionen leben, wir wollen faire Preise. Im Jahr 2016 haben wir 27 Cent für einen Liter Milch bekommen, während die Kunden in den großen Supermärkten etwa 60 Cent bezahlt haben. Wir wollen auch, dass der nächste Präsident dafür kämpft, dass die Standards auf europäischer Ebene angeglichen werden. Im Moment sind die Vorgaben in Frankreich drastischer als im Rest der EU, sie ersticken uns.“

Nathalie Niort, 39, Krankenschwester in Puy-de-Dome
7 von 12

„Ich wünsche mir, dass er den Niedergang im Krankenhaus stoppt. Wir sind am Rande eine Katastrophe, wir können mit dem Ausverkauf der Gesundheit nicht einfach weitermachen. Wir müssen die Personalkürzungen stoppen. Wir haben nicht genug Personal. Wenn alles gut läuft, ist es ok, aber wenn du alleine bist und dich um mehrere Patienten kümmern musst, die wiederbelebt werden müssen - für wen entscheidest du dich dann? Wir sind am Rande einer institutionellen Misshandlung. Wir machen Behandlungen am laufenden Band. Wir sind am Ende unserer Kräfte und wir versuchen, keine Fehler bei der Dosierung zu machen. Wenn wir nach Hause gehen, haben wir das Gefühl, dass wir uns nicht richtig um unsere Patienten gekümmert haben. Es ist sehr schwer so zu leben. Wir gefährden die Patienten und die Pfleger.“

Bislang hatte Le Pen in allen Umfragen für die erste Wahlrunde vor ihren Konkurrenten gelegen. In der Stichwahl würde sie den Befragungen zufolge jedoch klar sowohl gegen Macron als auch gegen Fillon unterliegen. Ein anderes Bild ergibt sich der Odoxa-Umfrage zufolge, wenn Fillon durch Juppe als Kandidat abgelöst würde. Dann entfielen auf Juppe 26,5 Prozent und auf Macron 25 Prozent. Le Pen würde es mit 24 Prozent nicht in die zweite Runde schaffen. In republikanischen Parteikreisen hieß es, Juppe sei "bereit, sich an der Suche nach einer Lösung zu beteiligen". Nach seiner Niederlage gegen Fillon im parteiinternen Ausscheidungsverfahren hatte er erklärt, er stehe als Ersatzkandidat nicht zur Verfügung.

Macron profitiert insbesondere von der Schwäche Fillons, gegen den ein Ermittlungsverfahren wegen Scheinbeschäftigung von Familienangehörigen auf Staatskosten vorgeworfen wird. Fillon hat die Vorwürfe zwar zurückgewiesen und erklärt, er halte an seiner Kandidatur fest. Doch auch im eigenen Lager stößt er auf Skepsis. Am Freitag trat sein Sprecher Thierry Solaire zurück. Zuvor hatte schon sein außenpolitischer Berater Bruno Le Maire seinen Rücktritt erklärt. Das liberale Bündnis UDI kündigte an, im Wahlkampf zunächst nicht mehr für den früheren Premierminister zu werben. Ungeachtet dessen planen die Republikaner für Sonntag in Paris eine Demonstration zur Unterstützung Fillons.

Auch Le Pen ist mit Ermittlungen konfrontiert. Das EU-Parlament hob am Donnerstag ihre Immunität auf und machte den Weg für Ermittlungen frei. Le Pen wird in Frankreich vorgeworfen, auf Twitter Fotos von Gewalttaten der IS-Miliz gepostet zu haben. Dies ist in Frankreich strafbar. Außerdem sieht sie sich als Europa-Abgeordnete Vorwürfen ausgesetzt, eine Sekretärin im Parlament als Assistentin bezeichnet und damit wesentlich höhere Gehälter kassiert zu haben. In einem zweiten Fall soll ein Leibwächter als Parlamentsassistent deklariert worden sein. Sie hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Umfrage - Macron in erster Wahlrunde vor Le Pen

1 Kommentare zu "Umfrage: Macron in erster Wahlrunde vor Le Pen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Daß Macron vor Le Pen liegt, ist gut, aber der Vorsprung ist nur klein.

    Daß sich Macron im zweiten Wahlgang gegen Le Pen durchsetzen wird, ist einfach vorherzusagen, denn die anderen Parteien werden ihren Wählern empfehlen, Macron zu wählen.

    Ich bin der Meinung, daß MAcron der bessere Kandidat für das Amt ist als Le Pen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%