Umfrage
Mehrheit bezweifelt Überleben des Euro

Erstmals seit Beginn der Euro-Krise zweifelt die Mehrheit der Deutschen am Überleben des Euro. Es überwiegt besonders der Eindruck, dass Politiker der Krise nicht nur rat-, sondern auch machtlos gegenüber ständen.
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BerlinErstmals seit Beginn der Euro-Krise zweifelt die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge an der Überlebensfähigkeit der europäischen Währung. Seit Ende 2011 sei die Überzeugung, dass es den Euro in zehn Jahren noch geben werde, von 50 auf 40 Prozent gesunken, wie eine am Mittwoch in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichte Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab. Die Mehrheit der Bürger sei überzeugt, dass das Schlimmste in der Krise noch bevorstehe. Zwei Drittel befürchteten, dass die Kosten für die Rettungsmaßnahmen Deutschland finanziell überfordern würden. Die Probleme Griechenlands halte die überwältigende Mehrheit für unlösbar.

Dennoch gebe es bisher keine Anzeichen, dass sich die Bevölkerung von der Gemeinschaftswährung und Europa abwende, hieß es in der Umfrage. Obwohl das Vertrauen in den Euro auf einem Tiefpunkt angekommen sei, gelte die Rückkehr zur nationalen Währung nicht als vielversprechender Ausweg. Während sich in den südeuropäischen Ländern teils das Empfinden ausbreite, dass alles Unheil durch Europa erwachse, bewerte die deutsche Bevölkerung die Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) heute positiver als noch vor einem Jahr.

Die Krise habe in Deutschland auch keine massiven anti-europäischen Ressentiments wachsen lassen, sehr wohl aber ein Empfinden von Ohnmacht und Fatalismus, erklärte das Institut. „Die Bürger haben den Eindruck, dass sie die Situation nicht beurteilen, geschweige denn beeinflussen können“. 84 Prozent der Bürger empfänden die Stellungnahmen der Experten als völlig dissonant und entsprechend ungeeignet, um sich ein eigenes Urteil zu bilden. Die überwältigende Mehrheit habe jedoch auch den Eindruck, die Politiker seien von der Situation genauso überfordert wie die Bürger. Es überwiege sogar der Eindruck, dass die Politik nicht nur ratlos, sondern machtlos sei.

Einer Vertiefung der europäischen Integration stehe die Bevölkerung ausgesprochen skeptisch gegenüber, erklärte das Institut. Die Bürger sorgten sich, dass ihre Interessen verstärkt hinter Interessen anderer Staaten zurücktreten müssten und ihr Einfluss auf die politischen Entscheidungen kleiner werde. „Selbst politisch engagierte Bürger, die ansonsten überwiegend davon ausgehen, dass sie Einfluss nehmen können, sehen auf europäischer Ebene keinerlei Chancen“. Selbst die Euro-Krise habe nicht zu einem nennenswerten Anstieg des Interesses an der europäischen Politik geführt. „Entsprechend weiß die Mehrheit auch nicht, was auf europäischer Ebene entschieden wird und kennt weder die Kommissare noch andere Spitzenpolitiker der europäischen Ebene, solange sie nicht länger in der nationalen Politik aktiv waren“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Leider sind der deutschen Öffentlichkeit bis heute noch viele wichtige Hintergrundentwicklungen rund um den Euro, dessen Einführung und über die Rettungsstabilisierungsbemühungen unbekannt. Wirkliche Hintergrundinformationen dazu erhält man lediglich aus dem Internet oder aus einigen wenigen Fach- und Sachbüchern.

    Die öffentlich-rechtlichen Medien tragen in keinster Weise zu einer sachlichen und seriösen Information bei, eher im Gegenteil. Sie widersprechen damit eindeutig ihrem unabhängigen Informationauftrag.

    Wenn man eine volkswirtschaftliche Bilanz aus deutscher Sicht einmal sachlich und wissenschaftlich zieht, so kann man sehr leicht erkennen, dass für die deutsche Binnenwirtschaft und für den normalen Bürger diese Eurozonenwährung erhebliche Nachteile gebracht hat, viele sogar in eine existentielle Notlage.

    Ökonomische Ungleichgewichte, Haftungsgarantieübernahmen, mangelnde Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeiten, Überschuldungen, Monetarisierungen von Fremdschulden, sie gehören zum ökonomischen Alltag dieser Währungszonenunion. Unsere erzielten Leistungsbilanzüberschüsse und unsere erzielten Exporterfolge dienen ausschließlich dem Erhalt dieser Eurozone. Und dies seit Bestehen dieser Währungsunion.

    Leider verschliessen sich die politischen Verantwortlichen diese Realitäten. Sie versuchen, mit Garantien, mit Vertragsänderungen und mit Solidaritätsbekundungen eine Lösung herbeizuführen. Vergeblich, dies wissen mittlerweile auch die informierten Bürger aus dem Internet.

  • Warum das Gericht für den Euro entschieden hat,kann nur politisch motiviert sein aber finanztechnisch und wirtschaftlich falsch. Das wissen viele inzwischen !
    Henkel`s Vorschlag eines Nord-und Süd-Euros klingt am vernünftigsten. Der Südeuro könnte abgewertet werden,
    und der Nordeuro würde etwas aufwerten aber das könnten die Nordländer incl. D vertragen.
    GR gibt ein sehr schlechtes Beispiel auch für andere, die sich darauf verlassen können ,dass die anderen Euro-Länder
    auch bei ihnen nicht auf sofortige Erfüllung bestehen.
    Steinbrück hat nur z.T recht, aber es ist leicht mit Rückblick zu kritisieren. Aber Deutschlands Möglichkeiten stoßen an Grenzen und das 3-Gestirn F,E.und I. will mehr von uns.-- Der Präs. des Europaparlaments Schulz will Kroatien aufnehmen,, obwohl man mit 27 oder 25 schon zu viele hat.

  • Professor Hankel war der Erste, der vom Euro als Gemeinschaftswährung gewarnt hat. Seine Klagen vor dem Bundsegerichtshof gegen den Vertrag von Maastrich und die Euroeinführung wurden abgeschmettert.
    War das ein Urteil "Im Namen dse Volkes" oder "Im Namen der Finanzen"?
    Wie kann denn in einem vermeintlichen Rechtsstaat das höchste Gericht ein Urteil fällen, das mit den "Wissenschaftlichen Erkenntnissen" der Kläger nicht zu vereinbaren ist?

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