Umfrage
Obama poliert Image der USA auf

In Amerika kämpft Barack Obama um seine Popularität, doch in Europa ist die Begeisterung für den US-Präsidenten nach gut einem halben Jahr Amtszeit ungebrochen, so eine aktuelle Umfrage.

WASHINGTON. Laut einer Umfrage des German Marshall Fund (GMF) jubeln in Deutschland 80 Prozent Obama zu, in Frankreich sind es 77 Prozent. Die Osteuropäer sind skeptischer – doch insgesamt ist der Anteil der Europäer gestiegen, die eine starke Rolle Amerikas in der Weltpolitik fordern und eine Verbesserung des transatlantischen Verhältnisses erkennen. „Das ist eine beachtliche Verschiebung, die enorme Möglichkeiten der Kooperation eröffnet“, sagte GMF-Präsident Craig Kennedy.

Dagegen hat Obama bei den eigenen Wählern deutlich an Ansehen eingebüßt. Mit glänzenden Werten war er ins Amt gestartet, doch Anfang September sahen die Meinungsforscher von Gallup den Präsidenten erstmals unter 50 Prozent Zustimmung. Nur zwei Vorgänger – Bill Clinton und Gerald Ford – erfuhren einen ähnlich schnellen Abschwung.

Daher setzte Obama in der vergangenen Nacht erneut auf seine rhetorischen Qualitäten, um mit einer Rede im Kongress die Gesundheitsreform wieder auf das Gleis zu setzen. Sein wichtigstes innenpolitisches Projekt hatte zuletzt heftige Kritik hervorgerufen und Zweifel an seinem überparteilichen Anspruch genährt. Vor der Rede wurde in Washington spekuliert, dass Obama in der umstrittenen Frage eines staatlichen Versicherungszweiges hart bleiben, aber dennoch Raum für Verhandlungen mit den Republikanern lassen wollte.

Die GMF-Umfrage gilt als wichtiges Stimmungsbarometer im transatlantischen Verhältnis, das unter der Ablehnung von Präsident George W. Bush durch die Europäer gelitten hatte, vor allem im Westen. Im Juni ließ der Think-Tank erneut jeweils rund 1 000 Bürger in zwölf europäischen Staaten befragen – und erhielt ein Stimmungsbild, das die Verhältnisse auf den Kopf stellt. 2008 waren es die Osteuropäer, die Bush zumindest etwas bessere Noten gaben als die Westeuropäer. Heute zeigen sich die Mittel- und Osteuropäer deutlich reservierter: Dort sehen „nur“ 60 Prozent die Politik Obamas positiv, in Westeuropa sind es 86 Prozent.

Es sind auch die Mittel- und Osteuropäer, die nicht glauben, dass alleine durch die Popularität des Chefs im Weißen Haus die Probleme im transatlantischen Verhältnis verschwinden. Lediglich 25 Prozent dort sind der Überzeugung, dass sich die Beziehungen zwischen Europa und den USA grundsätzlich verbessert haben – während dies 43 Prozent im Westen annehmen. Auch halten weniger Osteuropäer die Nato für unerlässlich. Dennoch befürworten sie eine stärkere Verzahnung zwischen Europa und den USA in Fragen der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.

Unabhängig vom Wechsel im Weißen Haus gibt es diesseits und jenseits des Atlantiks bei wichtigen Fragen weiter Dissens. So sind die Europäer insgesamt skeptischer, was den Krieg in Afghanistan betrifft. 63 Prozent der Europäer glauben nicht daran, dass sich die Lage am Hindukusch stabilisieren lässt – während 56 Prozent der Amerikaner optimistisch sind. Folgerichtig wünscht sich eine Mehrheit der befragten Europäer – 55 Prozent im Westen und 69 Prozent im Osten – einen schnellen Abzug ihrer Truppen.

Ein Graben ist auch bei der Frage des Umgangs mit Iran erkennbar. Selbst wenn Teheran sich mit diplomatischem Druck nicht davon abhalten lassen würde, Atomwaffen zu entwickeln, würden die Europäer keine militärische Gewalt gegen das Mullah-Regime anwenden wollen. Amerikaner hingegen halten sich die Option, auch militärisch vorzugehen, ausdrücklich offen. Gleichwohl sind in dieser Frage die Amerikaner durchaus nicht einig. Republikaner, Demokraten und Unabhängige haben hier zum Teil völlig unterschiedliche Ansichten.

Unstrittig ist zwischen Amerikanern und Europäern, dass die Lösung der globalen Wirtschaftsfragen absolute Priorität genießen sollte. Allerdings wird unterschiedlich darauf reagiert, wie sehr dabei auf Protektionismus gesetzt werden darf. Während 70 Prozent der befragten Amerikaner die „Buy-American“-Klausel, die im US-Konjunkturprogramm enthalten ist, befürworten, würden etwa in Frankreich nur 54 Prozent eine ähnliche „Buy-French“-Klausel begrüßen. Auch hier tanzen die Osteuropäer aus dem Bild: Dort können sich 80 Prozent durchaus Regelungen vorstellen, bei denen heimische Produkte bevorzugt gekauft werden, wenn die Steuerzahler schon das Geld bereitstellen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%