Umfrage unter Ökonomen
Griechenlands Stunde Null

Für die Griechen geht es am Sonntag um alles oder nichts. Gewinnt die radikale Linke die Wahl, dann steht die Rückkehr der Drachme auf der Tagesordnung. Europas Krisenpolitik erreicht das Ende ihrer Möglichkeiten.
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BerlinZwei Tage vor der alles entscheidenden Parlamentswahl steuert Griechenland Richtung Abgrund. Die Stunde Null mit Staatsbankrott und Exodus aus dem Euroland ist nicht mehr weit, sollte die radikale Linkspartei Syriza als Sieger aus dem Urnengang hervorgehen. Denn die reformfeindliche Linke hat die Vereinbarungen mit EU und IWF bereits für null und nichtig erklärt. „Das Insolvenz-Memorandum wird am Montag der Vergangenheit angehören“, tönte Parteichef Alexis Tsipras diese Woche. Zwar bekräftigte er gleichzeitig seinen Willen, das Land im Euro halten zu wollen. Das Beispiel Spanien zeige, dass es möglich sei, ohne Sparauflagen im Währungsraum zu bleiben. Aber ob das auch Griechenlands Partner so sehen, ist noch nicht entschieden.

Zwar verlautet aus EU-Kreisen, das die Euro-Länder bereit seien, Griechenland einen gewissen Spielraum bei der Umsetzung der Sparziele zu geben.  Doch in Berlin will man davon nichts wissen. So wies das Finanzministerium Berichte zurück, die Finanzminister der Euro-Gruppe hätten bereits eine Telefonkonferenz für den Wahlabend geplant. Deutlicher wurde der Chef der FDP-Bundestagfraktion, Rainer Brüderle. Verträge könnten „nicht beliebig gebrochen werden“, warnte er. „Europa hat die Hand weit ausgestreckt.“  Nun müsse Athen „vertragstreu sein“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vermied es, direkt zu Griechenland Stellung zu beziehen. Doch zur Bewältigung der Schuldenkrise in Europa, die sie als „historische Bewährungsprobe“ sieht, gehört natürlich auch Griechenland. Merkel sagte denn auch: „Das Thema Europa, das entscheidet sich in diesen Monaten, in diesem Jahr ganz wesentlich.“ Europapolitik sei immer zum Teil auch Innenpolitik, weil die Staaten über die Gemeinschaftswährung so eng verbunden seien.

„Deshalb ist die Stabilisierung des Euroraums eine Schlüsselfrage für uns“, sagte die CDU-Vorsitzende vor der Stiftung Familienunternehmen. „Wir setzen deshalb alles daran, gemeinsam mit unseren Partnern unsere europäische Wirtschafts- und Währungsunion zu stärken.“ Dabei dürfe Deutschland aber nicht überfordert werden, bekräftigte Merkel. „Unsere Stärke ist nicht unendlich.“

Führende Ökonomen in Deutschland kommen zu einer ähnlichen Einschätzung. Auch sie sehen - insbesondere was die Griechenland-Frage anbelangt – das Ende der Fahnenstange erreicht. Sie sind daher überzeugt, dass der Ausgang der Griechenland-Wahl auch über den Fortbestand der bisherigen Krisenpolitik der Euro-Retter entscheidet.

„Die erneute Wahl in Griechenland entscheidet darüber, ob der Grundsatz der bisherigen Krisenpolitik in der Eurozone - Geld gegen Auflagen - weiter trägt“, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, Handelsblatt Online.

Man könne immer über Umsetzungsfragen reden, vor allem dann, wenn die wirtschaftliche Entwicklung noch deutlich schlechter sein sollte als in den Anpassungsprogrammen unterstellt, konzediert Hüther. „Doch der Grundsatz der Krisenpolitik darf nicht in Zweifel gezogen werden, wenn man nicht die Euro-Zone zur Haftungsunion ohne angemessene Kontrolle machen will.“

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  • Dieses durchgeknallte Reiki-Sektenpack um GrUesgen/RI_k sind schwerst gefährlich. Die provozieren von mirgens bis abends. Und wzar bis dahingehen daß sie einem Schläger (besser: Würger) auf den Hals hetzen!

    http://www.r_ek-dir_kt.de

  • Außer nicht notierten Mittelständlern, die unverdrossen mit Griechenland Handel treiben, kann nichts mehr kaputt gehen. Die Banken haben ihr Geld.

  • So, so. Die Commerzbank, die Allianz und der IW sind also dafür, dass sich GR für die sog. gemäßigten Parteien und damit für den Euro entscheiden. Na ja – das wundert mich nicht. Denn mit der Drachme käme auch die Umstellung der ausländischen Verbindlichkeiten auf die Drachme. Banken und Versicherungen bekämen dann bestenfalls nur noch die Hälfte ihrer Gelder. Viel günstiger für sie wäre doch der €. Da liefen die Hilfsprogramme weiter und der europäische Steuerbürger zahlte weiter die Schulden der Griechen ab. Also, meine Herren: Auf, Auf! Fleißig vor den ach so fürchterlichen Folgen einer eigenen griechischen Währung warnen! Nur noch 2 Tage bis zum nächsten Schuldenschnitt!

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