Umfrage von Transparency International
Parteien gelten als anfällig für Korruption

In drei von vier Ländern halten Bürger politische Parteien für Institutionen, die besonders anfällig für Korruption sind. Als etwas weniger mit dem Korruptionsvirus infiziert werden Gerichte, Polizei, Gesundheits- und Bildungswesen eingeschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt das neue „Globale Korruptionsbarometer“, das die Organisation Transparency International (TI) gestern vorgestellt hat.

DÜSSELDORF. Der erstmalig erhobene Index misst die Einschätzung der Korruptionsanfälligkeit verschiedener Institutionen und deren Auswirkung auf unterschiedliche Lebensbereiche durch Privatpersonen. Das Marktforschungsinstitut Gallup International befragte 40 838 Personen aus 47 Ländern. Damit ergänzt TI den seit 1995 erhobenen Korruptionswahrnehmungsindex (CPI), der die Wahrnehmung von Geschäftsleuten und Länderanalysten im In- und Ausland in Bezug auf die Korruptionsanfälligkeit eines Landes widerspiegelt und daraus ein Ranking ableitet.

Der komplette Bericht der Organisation Transparency International im pdf-Format

Das Ergebnis sei eine klare Aufforderung an die politischen Führer, sich das Vertrauen ihrer Bürger zurückzuerobern, sagte Peter Eigen, Vorsitzender von TI. Ein Zeichen, das Regierungen setzen könnten, wäre ein verstärkter Einsatz für die geplante Antikorruptionskonvention der Uno. Diese Vereinbarung stellt unter anderem die in Deutschland bislang sanktionslose Abgeordnetenbestechung unter Strafe. Auch in Deutschland halten mit 39 % die meisten der Befragten die politischen Parteien für besonders korruptionsanfällig. Dahinter folgen die Bereiche Steuern (10,5 %), Gesundheitswesen (9,9 %) und Gerichte (8,6 %).

Dass politische Parteien an der Indexspitze stehen, sei auf das „Kohl- und Köln-Syndrom“ zurückzuführen, kommentiert Professorin Britta Bannenberg, Korruptionsexpertin von der Universität Bielefeld, das Ergebnis. Sie spielt damit auf die Parteispendenaffäre und die Skandale um die Kölner Müllverbrennungsanlage an. Allerdings seien in Deutschland nicht nur Parteien, sondern auch das politische Verwaltungspersonal korrupt, was jedoch den Parteien zugeschoben werde. Überall dort, wo es um umfangreiche Investitionsvorhaben ginge, flössen reichlich Bestechungsgelder. Diese würden, jedenfalls auf Kommunalebene, von den Bestochenen oft in Form illegaler Parteienfinanzierung zum Machterhalt ihrer Partei verwendet. In den Sektoren Gerichte und Steuerwesen klaffen Bürgereinschätzung und Expertenwissen allerdings auseinander. „Gerichte gelten unter Experten als eher korruptionsfreier Bereich“, sagt Bannenberg. Auch die Bestechung von Finanzbeamten sei nicht weit verbreitet.

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