Umschuldung
Griechenland droht gigantischer Schuldenschnitt

Noch stemmt sich Griechenland energisch gegen eine Umschuldung. Doch nach Einschätzung von EU-Experten wird an einem radikalen Schuldenschnitt kein Weg vorbei führen. Gläubigern drohen gigantische Abschläge.
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Berlin/AthenGriechenland droht einem Zeitungsbericht zufolge ein Umschuldung in großem Ausmaß. In EU-Kreisen werde auf Arbeitsebene davon ausgegangen, dass 40 bis 50 Prozent der Verbindlichkeiten gestrichen werden müssten, um das Land wieder auf eine solide Grundlage zu bringen, berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit" am Mittwoch vorab. Es sei allerdings noch keine Entscheidung getroffen. Die Ratingagentur Standard & Poor's hält sogar einen noch stärkeren Schuldenschnitt um 50 bis 70 Prozent für nötig. Die Regierung in Athen stemmt sich gegen eine derartige Umschuldung, weil sie Stabilitätsprobleme bei den Banken fürchtet. Über Privatisierungen soll nun frisches Geld in die leeren Kassen in Athen kommen.

Griechischen Medienberichten zufolge erwägt die Regierung, sich von Anteilen am Versorger PPC zu trennen. Auch der Verkauf von Aktien des Telekomunternehmens OTE werde erwogen. Details zu dem Privatisierungsprogramm, über das die Regierung bis 2015 50 Milliarden Euro einnahmen will, sollen am Donnerstag vorgelegt werden. Bisher hatten Regierungsvertreter einen Verkauf von PPC-Aktien stets abgelehnt. Das Finanzministerium erklärte, es gebe dazu nichts Neues. Doch die öffentlichen Kassen des Landes sind trotz der zugesagten Notkredite leer. Gegenüber nationalen und ausländischen Unternehmen bestünden Zahlungsrückstände in Milliardenhöhe, berichtete das "Handelsblatt". "Wir sind dabei, diese ausstehenden Zahlungen zu beschleunigen", sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou der Zeitung. "Aber wir befinden uns nun mal in einer sehr schwierigen Haushaltslage und müssen mit dem auskommen, was wir haben."

Allein gegenüber deutschen Firmen bestehen dem Bericht zufolge Außenstände von etwa 500 Millionen Euro. So habe der Baukonzern Hochtief offene Forderungen bei Straßenbauprojekten und im Gebäudemanagement, bei Siemens stehen noch Zahlungen zu Aufträgen aus, die teils noch vor den Olympischen Spielen 2004 vergeben wurden. Weltweit lagen die Außenstände nach Angaben des Finanzministeriums Ende 2010 bei mehr als fünf Milliarden Euro.

Bis Ende des Jahres sei Griechenland durch das 110 Milliarden Euro schwere Hilfspaket von EU und IWF finanziert, 2012 müssten aber 25 bis 30 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Doch der Schritt zurück an den Markt gilt in EU-Kreisen laut "Zeit" als "höchst unwahrscheinlich". Auch Papakonstantinou äußerte sich zurückhaltend und verwies auf die hohen Risikoaufschläge, die am Markt immer noch für die griechischen Anleihen verlangt werden. Um einen Staatsbankrott zu vermeiden, müsse ein neues Hilfspaket geschnürt werden, berichtete die "Zeit" weiter. Eine Zustimmung des Bundestags gelte aber als unwahrscheinlich, und auch innerhalb des Internationalen Währungsfonds wachse der Widerstand gegen weitere Finanzhilfen für europäische Staaten.

Seit Wochen wird immer wieder über eine Umschuldung spekuliert. Dabei ist laut "Zeit" eine freiwillige Verlängerung der Laufzeiten im Gespräch. EU, IWF und Regierung in Athen haben solche Pläne aber bislang dementiert. "Der damit verbundene Vertrauensverlust hätte zur Folge, dass wir auf lange Zeit von den Finanzmärkten ausgeschlossen blieben", sagte Papakonstantinou.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das Volk wird nicht vergessen, wem es das alles zu verdanken hat!
    Jeder Abgeordnete welcher der potenziellen Enteignung des Deutschen Volkes - genannt "ESM" zustimmt, wird dafür später persönlich zur Rechenschaft gezogen werden.
    Sie kriegen euch alle!
    Wenn die Euro Lüge platzt, und jetzt mal ganz ehrlich - daran zweifelt doch niemand ernsthaft der logisch denken kann, dann werden noch sehr dramatische Zeiten kommen, und genau dann seit ihr alle fällig. Ihr werdet nicht mehr ruhig schlafen können, weil der zerfallende EU hörige Systemapparat euch keinen Schutz mehr gewähren wird vor der gerechten Strafe.
    Berlin wird die Stadt der geschmückten Laternen sein.
    Der Euro Zerfall und die Umverteilung der Steuergelder zur Stützung der Banken und Spekulanten, wird weitergehen; je länger es dauert desto lauter wird der Knall.
    Die Bürger werden sich das nicht gefallen lassen!
    Das ARD und Zweites Dumm Fernsehen guckende, dadurch verbödete, BRD Schlafschaf läßt sich zur Zeit noch ausbeuten und für dumm verkaufen.
    Aber wenn die ganze desaströse Euro Lügengeschichte mit einem Knall auffliegt und es danach an das Eingemachte des naiven BRD Blödschafes geht, dann wacht es ganz plötzlich auf und wird wie eine tollwütige Furie beißwütig und blindlings auf alles losgehen.
    Dann ist es vorbei mit dieser europhilen Pseudo-Demokratie die das deutsche Volk ausbluten läßt und der Mob wird auf den Strassen tanzen.
    Dann holt sich jeder zurück was sein ist und die Umverteilung wird von oben nach unten gehen. Und genau dann seit IHR fällig, direkt aus dem Reichstag an die Laterne oder hinter den PKW gekettet, die Bürger werden viel Spaß mit euch haben.
    Und Zuhause braucht ihr euch auch nicht zu verstecken, sie kriegen euch alle. Das asoziale Stasi Mistvieh im Hosenanzug und der verbitterte senile deutschenfeindliche alte Mann im Rollstuhl sind sicher zuerst dran.
    Justice For All

  • VORSICHT - VORSICHT - VORSICHT - VORSICHT

    Raffgierige Hedgefonds und Spekulanten wollen sich auf unsere Kosten bereichern. Solange Credit Default Swaps nicht abgeschafft wuerden, gibt es fuer dies Parasiten Riesengewinne, die die Kosten einer Umschuldung fuer die Allgemeinheit verdoppeln wuerden.

    Also Griechenland schuldet 100 Mrd um (etwa 40% der Schulden)

    Galeubiger verlieren 100 Mrd
    Banken die CDS geschrieben haben (wahrscheinlich Landesbanken) verlieren 100 Mrd
    Der europaeische Steuerzahler und der dumme deutsche Michel der das mit sich machen laesst zahlt 200 Mrd

    Und wer gewinnt? Hedgefunds, Spekulanten und andere Asoziale: 100 Mrd

    Am sofortigen Verhafted dieser Panikmacher - die sich auf unsere Kosten bereichern wollen, fuehrt kein Weg dran Vorbei.

    Der Staatsanwalt ist informiert1

  • Verstehe die ganze Aufregung nicht, eine kleine Währungsreform und alles ist erledigt Dann fangen wir alle, wie schon mal gehabt, wieder bei 0 an.

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