Umschuldungs-Debatte
Griechenland-Kurs der EZB sorgt für Unmut

Dass Griechenland quasi pleite ist, will die EU nicht wahrhaben. Sie doktert an Rettungsplänen herum, findet aber keine Lösung. Nun gerät die EZB in die Kritik, weil sie ein „Bestcase-Szenario“ blockiert.
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DüsseldorfDer Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld hat scharfe Kritik am Verhalten der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Griechenlandkrise geäußert. Es sei bislang Zeit vertan worden, „die griechische Umschuldung ernsthaft anzugehen und den Marktteilnehmern effektiv zu kommunizieren, insbesondere weil sich die EZB der Umschuldung widersetzt“, sagte das Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung Handelsblatt Online. „Es ist daher an der Zeit, dass die EZB zusammen mit den Staats- und Regierungschef das Bestcase-Szenario erreichbar macht.“

Feld teilt in diesem Zusammenhang die Kritik des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Krisenmanagement der Euro-Zone. Der Fonds hatte in einem am Mittwoch veröffentlichten Griechenland-Bericht ausdrücklich vor einer "schlecht umgesetzten Schulden-Operation" sowie vor einem "ungeordneten Zahlungsausfall" gewarnt.

Feld sagte dazu, der IWF habe im Grunde nur Szenarien aufgezeigt und die Europäer ermahnt, eine Umschuldung Griechenlands nicht unter dem Eindruck der Ereignisse „voreilig“ umzusetzen. Gleichwohl seien die Auswirkungen einer Umschuldung Griechenlands beherrschbar, „wenn das griechische Bankensystem abgesichert wird und die EU-Mitgliedsländer bereitstehen, ihre eigenen Banken im Zweifelsfalle zu stützen“, betonte der Ökonom.

Auch der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup hält im Fall Griechenland einen Schuldenschnitt für unvermeidbar. „Das ist leider offensichtlich“, sagte Rürup dem „Tagesspiegel“.

Selbst Commerzbankchef Martin Blessing plädiert für eine rasche Umschuldung Griechenlands. Weitere Hilfspakete lehnte er ab. „Unsicherheit und Misstrauen unter den Anlegern haben sich in den vergangenen Tagen verschärft, deshalb muss eine andere Lösung für Griechenland her, als immer neue Kreditpakete zu schnüren“, sagte Blessing der „Bild“-Zeitung. Die Pläne für eine Beteiligung der privaten Gläubiger Griechenlands halte er für unrealistisch.

Blessing sagte dem Blatt: „Eine rein freiwillige, aber zugleich nennenswerte Beteiligung der privaten Gläubiger funktioniert leider nicht. Das heißt: Griechenland muss einen Teil seiner Schulden abstreifen. Anders kommt das Land nicht auf die Beine.“ Dies „wäre für die privaten Banken der Euro-Staaten kein gewaltiges Beben“, sagte er.

Das frühere Mitglied des Bankenrettungsfonds SoFFin, Gerhard Stratthaus, sieht das ähnlich. „Es ist höchste Zeit, dass endlich mal ein klarer Schnitt gemacht wird“, sagte Stratthaus im WDR-Radio. Es wisse inzwischen jeder, dass Griechenland nicht in der Lage sein werde, seine Schulden zu bedienen und zurückzuzahlen. „Deshalb sollte man da mal mit ganz offenen Karten spielen“.

Kommentare zu " Umschuldungs-Debatte: Griechenland-Kurs der EZB sorgt für Unmut"

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  • Ich würde mich nicht groß wundern, wenn die 50 Milliarden, die die EZB aufgekauft hat auch nur eine Summe aus dem Märchenreich sind. Wenn alle das schon wissen, warum zickt die EZB dann so rum? Klar wird Sie pleite gehen, aber das Wissen doch auch schon alle? Warum also? Ich vermute mal, da hängt noch einiges mehr an Geld und Anleihen drin als man uns sagen möchte.

  • Trichet will es nicht wahrhaben. Der gute alte Mann würde ja als Begründer der größten Bad Bank der Welt in die Geschichte eingehen, als Bankrotteur der EZB. So viel Eitelkeit muss sein!

  • Kopflos - Planlos – Perspektivlos.

    Das Chaos, das sich in den letzten Monaten noch hinter verschlossenen Türen abspielte, wird nun immer ungenierter in die Öffentlichkeit getragen.

    Die Einen träumen immer noch von der Rettung strukturell und finanziell hoffnungsloser Bankrotteure, während die Anderen schon anfangen ihr Geld zusammen zu halten und nix mehr zahlen wollen.

    Andere, wie Italien sind auch schon munter geworden und wollen jetzt Reformen in Tagestakt durchpeitschen.

    Die Panik und Hilflosigkeit ist regelrecht greifbar.

    Das alles sieht jetzt aus, wie eine in der Auflösung begriffene Armee.

    Alle wissen der Krieg ist verloren, auch wenn jetzt noch mal der Volkssturm mobilisiert werden soll.

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