Umstrittene Bischöfe-Äußerungen
Yad-Vashem-Direktor beschwert sich bei Kardinal Lehmann

Katholische deutsche Bischöfe haben mit ihrem Vergleich der Zustände im Westjordanland mit denen im Warschauer Judengetto im Zweiten Weltkrieg in Israel viel Wirbel ausgelöst. Nun hat sich der Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem beim Vorsitzenden der Bischofskonzerenz, Kardinal Karl Lehmann, beschwert.

HB JERUSALEM. Avner Schalev warf den deutschen Bischöfen eine „traurige Unwissenheit der Geschichte und verzerrte Perspektive“ vor. In seinem Brief an Lehmann, zugleich Bischof des Bistums Mainz, betonte Shalev: „Das israelische Vorgehen hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem der Nazis.“

In dem auf Dienstag datierten Brief erklärte Schalev, Kritik an Israel sei legitim. Den Nazi-Plan zur Vernichtung des jüdischen Volks mit der Situation der Palästinenser zu vergleichen, helfe aber nicht zu verstehen, was heute geschehe. „Diese ungerechtfertigten und beleidigenden Vergleiche dienen dazu, die Erinnerung an den Holocaust abzuschwächen und das Bewusstsein jener zu besänftigen, die die Verantwortung Europas für die NS-Verbrechen verringern wollen“, schrieb Schalev. „Ich rufe alle dazu auf, den Holocaust aus billiger politischer Verwertung und Demagogie herauszuhalten.“

In der vergangenen Woche hatten die Mitglieder des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete besucht. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, und Vizepräsident Dieter Graumann kritisierten, dass dabei der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke die Zustände in den palästinensischen Städten mit dem Warschauer Getto verglichen habe. Der Augsburger Bischof Walter Mixa habe zudem von israelischem Rassismus im Umgang mit den Palästinensern gesprochen. Diese Aussagen bedienen nach den Worten Knoblochs Klischees, „die sich hart an der Grenze des Antisemitismus bewegen“.

Vatikan nimmt Bischöfe in Schutz

Am Mittwoch warf der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, den deutschen Bischöfen ein „nur rudimentär ausgeprägtes Geschichtsverständnis“ vor. Dem Onlinedienst Netzeitung.de sagte er, „zu hoffen, diese Geschichtslegasthenie münde längerfristig in eine bessere Behandlung der verbliebenen christlichen Minderheit im Nahen Osten, erinnert an eine gewisse Appeasement-Politik.“

Der Chefhistoriker des Vatikan, Walter Brandmüller, warnte unterdessen vor „weiterer Aufregung“. Er halte das Verhältnis zwischen Israel und dem Vatikan für normal. Den deutschen Bischöfen Antisemitismus vorzuwerfen sei geradezu absurd. „Man kann doch nicht in Yad Vashem erschüttert sein und dann über das Elend, das man in Ramallah vor Augen hat, einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagte Brandmüller. „Nur das Warschauer Getto ist leider nicht mehr ungeschehen zu machen, aber Ramallah könnte wohl geändert werden.“

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