Umstrittene Nachfolge
Machtkampf unter Pakistans Taliban

Um die Nachfolge des mutmaßlich getöteten Taliban-Kommandeurs Baitullah Mehsud ist offenbar ein Machtkampf innerhalb der pakistanischen Taliban ausgebrochen. Bei einer Versammlung zur Ernennung eines neuen Kommandeurs soll es zu Schießereien gekommen sein.

HB ISLAMABAD. Nach dem mutmaßlichen Tod des pakistanischen Taliban-Kommandeurs Baitullah Mehsud ist unter seinen Gefolgsleuten offenbar ein Machtkampf ausgebrochen. Bei der Ratsversammlung zur Ernennung eines neuen Kommandeurs sei einer der potenziellen Nachfolger womöglich durch Schüsse getötet worden, erklärte das pakistanische Innenministerium.

Pakistanische Nachrichtensender meldeten, der mächtige Taliban-Befehlshaber, Hakimullah Mehsud, sei bei den Nachfolge-Beratungen von seinem Rivalen Wali-ur-Rehman erschossen worden. Einem Bericht zufolge kamen sogar beide ums Leben. Ein Taliban-Vertreter wies die Berichte dagegen zurück: Es sei bei der Versammlung in der Grenzregion zu Afghanistan zu keinen Kämpfen gekommen. Beide hochrangigen Taliban-Kämpfer seien wohlauf.

Hakimullah Mehsud, der die Taliban-Kämpfer in den Regionen Orakzai, Kurram und Khyber befehligt, gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge Baitullah Mehsuds. Er hatte zuvor noch in mehreren Interviews bestritten, dass der bisherige Anführer wie von der pakistanischen Regierung erklärt am Mittwoch bei einem Raketenangriff getötet wurde.

Baitullah Mehsud gilt in Pakistan als Staatsfeind Nummer eins, weil er hinter zahlreichen Anschlägen vermutet wird. Experten zufolge dreht sich der Streit bei den Islamisten darum, ob die pakistanische Regierung das Hauptziel der Gewalt bleibt oder die Kräfte stärker im benachbarten Afghanistan eingesetzt werden sollen.

Der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi hatte am Freitag erklärt, es sei „ziemlich sicher“, dass Mehsud bei einem Luftangriff am Mittwoch ums Lebens gekommen sei. Verschiedene Regierungsbehörden wie auch Mehsuds eigene Anhänger hätten dies berichtet. Zudem hätten Zeugen seiner Beerdigung beigewohnt oder diese beobachtet. Neben dem Taliban-Chef seien auch seine zweite Frau, ein Bruder und sieben Leibwächter getötet worden.

US-Regierungssprecher Robert Gibbs sagte, er könne den Tod des Taliban-Chefs nicht bestätigen, verlässliche Beobachter seien sich darüber aber zunehmend einig. Die USA haben ein Kopfgeld von fünf Mio. Dollar auf Mehsud ausgesetzt.

Westliche Länder mit Soldaten in Afghanistan dürften künftig aufmerksam beobachten, ob ein neuer Taliban-Anführer den Kampf gegen die pakistanische Regierung zurückfährt und sich stattdessen den afghanischen Aufständischen unter dem Extremisten-Chef Mullah Mohammed Omar anschließt. Dieser führt den Kampf gegen die Nato- und US-geführten Truppen am Hindukusch an.

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