Umstrittene Sanierung
„Französische Airbus-Interessen werden kompromisslos verteidigt“

Der Airbus-Streit um Werksschließungen und Entlassungen belastet zunehmend die deutsch-französischen Beziehungen. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und Bundeskanzlerin Angela Merkel sollen bei einem Treffen die Wogen glätten und eine Einigung erzielen. Hinter den Kulissen wird allerdings spekuliert, das Ergebnis stehe bereits fest – mit schlechtem Ausgang für Deutschland.

HB BERLIN/PARIS. „Wenn Deutschland und Frankreich nicht sehr schnell zu einer Einigung kommen, dann wäre das sehr schlecht für die industrielle Zusammenarbeit", sagte Pierre Méhaignerie, Vorsitzender des Finanzausschusses der Assemblée Nationale: „Ich hoffe sehr, dass die Kanzlerin und der Präsident das Nötige tun werden, um dem Unternehmen den nötigen Anpassungsprozess zu ermöglichen.“

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und Bundeskanzlerin Angela Merkel sollen bei ihrem Treffen am Freitag gemeinsam einen Ausweg aus der Krise bei Airbus finden, hieß es in französischen Regierungskreisen. Chirac wünsche, dass Airbus seinen Restrukturierungsplan so schnell wie möglich vorlege und umsetze. Zugleich wehrte sich Paris gegen die Kritik, der Staat mische sich zu stark in Unternehmensentscheidungen ein. „Der Staat ist einer der Aktionäre. Daher ist es legitim, dass er hinsichtlich aller Punkte des Umstrukturierungsplanes aufmerksam ist“, sagte der französische Regierungssprecher Jean-François Copé.

Zwar bemühte sich etwa der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Günter Gloser, die Emotionen zu dämpfen. Die deutsch-französischen Beziehungen seien durch die Airbus-Sanierung nicht beeinträchtigt, betonte er. Dennoch mischen sich zunehmend scharfe Töne in die bilaterale Debatte. So warnte Gloser vor „einseitigen Maßnahmen“. Französische Parlamentarier mahnten dagegen, die deutsche Seite dürfe die Sanierung von Airbus nicht weiter verzögern.

Hinter den Kulissen kämpfen bei der Sanierung die EADS-Anteilseigner Daimler-Chrysler, die französische Regierung und die Lagardère-Gruppe um die Sicherung nationaler Interessen. Anfang der Woche war deshalb die geplante Vorstellung des Sanierungsprogramms „Power 8“ wegen deutsch-französischer Streitigkeiten verschoben worden.

Die deutsche Seite befürchtet, dass die hiesigen Airbus-Standorte sowohl bei den Sparplänen wie bei der künftigen Aufgabenverteilung beim geplanten Langstreckenflugzeug A350 benachteiligt werden könnten. Die Bundesregierung wies zudem die Bemerkung des französischen Ministerpräsidents Dominique de Villepin zurück, dass die Sparpläne einen Abbau von 10 000 Stellen in Europa bedeuteten.

Seite 1:

„Französische Airbus-Interessen werden kompromisslos verteidigt“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%