Umstrittene Steuer: Frankreich prescht bei der Finanztransaktionssteuer vor

Umstrittene Steuer
Frankreich prescht bei der Finanztransaktionssteuer vor

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will mit einer neuen Steuer den Finanzsektor zur Rechenschaft ziehen. Ab August verdient der Staat am Handel an den Börsen mit. Wird Frankreich damit zum Vorbild?
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ParisFrankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy will die Finanztransaktionssteuer einführen. Wie er in einem TV-Interview am Sonntag sagte, soll der Steuersatz 0,1 Prozent betragen und ab August in Kraft treten.

Sarkozy hatte bereits vor wenigen Wochen diese Maßnahme in Erwägung gezogen und die Steuer jetzt am Vorabend des EU-Sondergipfels angekündigt. Die Diskussion um die Transaktionssteuer hat innerhalb der EU bereits für Streit gesorgt.

In dem einstündigen TV-Interview stellte Sarkozy umfassende Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs vor, unter anderem auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19,6 auf 21,2 Prozent.

Die Finanztransaktionssteuer soll ab August für alle Firmen mit Sitz in Frankreich gelten, sagte Sarkozy. Er habe deshalb „ungeheure Pressionen aushalten müssen, Sie können sich nicht vorstellen, wie stark“, aber alle Widerstände seien ihm egal: „Der Finanzsektor hat sich verrückt verhalten, völlig verrückt.“

Es sei selbstverständlich, dass der Finanzsektor für einen Teil des angerichteten Schadens aufkommen müsse. Die Summe ist allerdings relativ bescheiden: Wie berichtet, denkt Sarkozy an ein Steueraufkommen von einer Milliarde Euro. Diesen Betrag bestätigte er in der Sendung.

Frankreich ist das erste Land, das in der Euro-Zone die Finanztransaktionssteuer einführt. Sarkozy hatte bereits Anfang Januar angekündigt, die Steuer notfalls im Alleingang zu erheben. Er hoffe, dass sein Schritt andere Länder dazu bringe zu folgen, fügte der Präsident hinzu.

In Deutschland stößt eine Einführung der Steuer nur im Kreis der Euro-Länder in der FDP auf Widerstand. Bundestagspräsident Norbert Lammert nannte die Steuer diesen Monat „angemessen und überfällig“. „Von Kindernahrung über Kaffeemaschinen bis hin zu Autos und Produktionsanlagen wird alles und jedes umsatzbesteuert - Finanztransaktionen aber nicht.“

Die EU-Kommission hatte im Herbst einen Vorschlag für eine Finanztransaktionssteuer in allen 27 EU-Staaten vorgestellt. Die Abgabe soll ab 2014 auf Transaktionen erhoben werden, wenn ein Akteur in der EU ansässig ist. Der Handel mit Anteilen und Anleihen würde mit einem Satz von 0,1 Prozent, Derivate mit 0,01 Prozent besteuert. Brüssel erhofft jährliche Einnahmen von etwa 57 Milliarden Euro.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Michaël Jarjour
Michaël Jarjour
Handelsblatt / Freier Journalist
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Umstrittene Steuer: Frankreich prescht bei der Finanztransaktionssteuer vor"

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  • Bei der evtl. Einführung einer Finanztransaktionssteuer geht es doch wohl um eine Ausweitung der Bürgersteuern zur Finanzierung unserer Staatsausgaben - und nicht um Sanktionen / Bestrafungen von Finanztransaktionen. Wenn man solch eine Steuer tatsächlich einführen sollte, müsste natürlich auch der Ankauf von Staats- Kommunal- Industrie-Anleihen etc. etc. etc. besteuert werden, oder? Im französischen Wahlkampf geht es doch wohl um die Befriedigung von Neidkomplexen, oder? Unser Linkstrend scheint sich schleichend fortzusetzen.

  • schauen Sie, ich denke gerade weil es in Frankreich so eine hohe Arbeitslosenquote gibt wird diese Finanztransaktionssteuer eingeführt werden. Denn die Menschen haben in allen europäischen Ländern immer weniger Geld, der Mittelstand rutscht zusehends ab. Das Ungleichgewicht in der Verteilung der Einkommen steigt rapide.

    Es ensteht bei immer mehr Menschen der Eindruck, dass sie gerade Zeuge des größten Bankraubes den die Menschheit je erlebt hat werden und die Leute wollen, da sie nichts dagegen tun können wenigstens ein bischen Gerechtigkeit.

    Das eine Versteuerung von 0,1 % auf Transaktionen ein Witz ist im Vergleich zu dem was der Finanzsektor kassiert davon brauchen wir gar nicht reden.

    Ich finde es auch bemerkenswert, dass Sie in diesem Zusammenhang den englischen Prmier Cameron zitieren.

    Überlegen Sie bitte einmal selbst wie die Briten wirtschaftlich sortiert sind und welche Interessen da im background zu berrücksichtigen sind die da aus Herrn Cameron sprechen. Es hat sicher auch seinen Charme zwischendurch seinen Blickwinkel zu verändern..

  • Obwohl Frankreich um die 10% Arbeitslosenrate hat erhebt Frankreich diese Steuer, die mit Sicherheit nicht ohne Konsequenz auf dem Arbeitsmarkt sich auswirken wird. - laut britischem Premierminister werden 500.000 ihren Job verlieren. Alles was die Politiker können ist nur die Steuern erhöhen oder neue unsinnige Steuern einzuführen, was allen nur ihre Kompetenz beweist.

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