Umstrittener Besuch
Ban Ki Moon will in den Iran reisen

Wenn er schon unbedingt nach Teheran will, soll er wenigstens Tacheles reden. Zähneknirschend nehmen die USA und Israel die Reisepläne von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hin. Rückendeckung bekommt er nur aus Deutschland.
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New York/Jerusalem/RigaGegen den Widerstand der USA und Israels hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ein Treffen mit der iranischen Führung in Teheran angekündigt. Bans Sprecher Martin Nesirky sagte, dass Ban eine Konferenz der Blockfreien Staaten nächste Woche im Iran nutzen wolle, um mit dem religiösen Führer, Ajatollah Ali Chamenei, sowie Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu sprechen. Auch Ägyptens neuer Präsident Mohammed Mursi will nach Jahrzehnten diplomatischer Eiszeit in den Iran reisen.

Damit haben die Bemühungen Israels und der USA, den Iran wegen seines Atomprogramms international zu isolieren, einen Rückschlag erlitten.Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verteidigte Bans Reisepläne. „Ich habe volles Vertrauen in die überzeugende Arbeit des Generalsekretärs der Vereinten Nationen“, sagte Westerwelle am Donnerstag in der lettischen Hauptstadt Riga.

Nachdem sie die Reise nicht verhindern konnten, forderten die Regierungen der USA und Israels Ban auf, in Teheran Klartext zu reden. „Er hat eine Gelegenheit, den iranischen Führern direkt zu sagen, was die Sorgen der internationalen Gemeinschaft sind“, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. „Er muss diese Gelegenheit wahrnehmen.“

Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Außenministeriums in Jerusalem, Ilana Stein: „Zweifellos wird das iranische Regime die Konferenz dazu missbrauchen, von seinen Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung, dem illegalen Streben nach Atomwaffen sowie von Terrorismus und der Unterstützung für (Syriens Staatschef Baschar al-) Assad abzulenken“. Sie fügte hinzu: „Dies sind sehr gute Gründe, nicht nach Teheran zu reisen. Aber wir erwarten, dass alle, die dennoch hinfahren, nicht der iranischen Propaganda auf den Leim gehen, sondern ihre Meinung über den Iran und das Ajatollah-Regime deutlich machen.“

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  • Damit haben die Bemühungen Israels und der USA, den Iran wegen seines Atomprogramms international zu isolieren, einen Rückschlag erlitten.

    Reden ist immer wichtiger wie Bomben. Eine Weisheit, die Kriegstreiber USA und Israel nur sehr ungern sehen.


    Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Außenministeriums in Jerusalem, Ilana Stein: „Zweifellos wird das iranische Regime die Konferenz dazu missbrauchen, von seinen Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung, dem illegalen Streben nach Atomwaffen sowie von Terrorismus und der Unterstützung für (Syriens Staatschef Baschar al-) Assad abzulenken“. Sie fügte hinzu: „Dies sind sehr gute Gründe, nicht nach Teheran zu reisen.

    Kenzeichnende Äusserung eines israelischen Regierungsmitglieds.
    Übrigens gibt es noch mehr gute Gründe nicht nach Israel zu reisen.

    Schönen Abend noch.

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