Umstrittener Kandidat „Ist es nicht großartig, mit Trump verglichen zu werden?“

Das Rennen um den US-Senatssitz in Arizona, den der Republikaner Flake freiräumt, gilt schon jetzt als eines der spannendsten des Jahres. Ex-Sheriff Arpaio will in der Bugwelle von US-Präsident Trump mitschwimmen.
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„Die Leute werden nicht für mich stimmen, nur weil ich pro Trump bin“, sagt Arpaio. Quelle: AP
Donald Trump und Joe Arpaio (v.l.)

„Die Leute werden nicht für mich stimmen, nur weil ich pro Trump bin“, sagt Arpaio.

(Foto: AP)

PhoenixSeit Donald Trump und Joe Arpaio gemeinsam auf den Wahlkampfbühnen der USA aufgetreten sind, ist ihr politischer Stil immer wieder verglichen worden. Der eine von ihnen sitzt mittlerweile im Weißen Haus, der andere möchte es ebenfalls nach Washington schaffen – in den US-Senat. Auf dem Weg dorthin will Arpaio auf genau diese Gemeinsamkeiten mit dem heutigen US-Präsidenten setzen.

Der 85 Jahre alte Ex-Sheriff aus Arizona hält vor allem ein hartes Durchgreifen bei der Einwanderung sowie sein Talent, karriereschädigende Vorfälle überstehen zu können, zu den Wesenszügen, die er mit Trump gemein habe. Im Interview mit der Nachrichtenagentur AP verweist Arpaio außerdem darauf, dass er die Medienaufmerksamkeit auf sich lenken könne – ganz so, wie es Trump vor der Wahl getan hat und nach der Wahl weiter tut.

„Ist es nicht großartig, mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten verglichen zu werden?“, sagt Arpaio am Mittwoch in seinem Büro in einem Vorort von Phoenix. Es ist der Tag nach der Bekanntgabe seiner Bewerbung auf den Senatssitz, den der Republikaner und Trump-Kritiker Jeff Flake hergibt, weil er sich nicht erneut zur Wiederwahl stellen will.

Internationale Bekanntheit erlangte Arpaio unter anderem, indem er Gefängnisinsassen während einer Hitzewelle in Arizona in Zelten im Freien unterbringen ließ oder männliche Häftlinge dazu zwang, pinke Unterwäsche zu tragen. Auch sein Vorgehen gegen Einwanderer und seine Vergeltung gegen politische Gegner sind berüchtigt.

Sechs Amtszeiten als Sheriff des Großstadtbereichs Phoenix hat Arpaio hinter sich gebracht, dann verlor er 2016 das Rennen um eine siebte gegen einen kaum bekannten Gegenkandidaten. Der 85-Jährige musste in der Vergangenheit viele Rechtsstreitigkeiten austragen, auch diese haben zu seiner Niederlage beigetragen.

Arpaio sagt, dieser Ärger mit der Strafverfolgung sei eine weitere Ähnlichkeit zwischen ihm und Trump. Sie beide seien vom US-Justizministerium verfolgt worden. Das Ministerium macht er für seine Verurteilung wegen seiner ursprünglichen Weigerung verantwortlich, eine richterliche Anordnung zum Stopp von Verkehrskontrollen zu befolgen, die Einwanderer ins Visier genommen hatten. Die Verurteilung war allerdings von dem zuständigen Richter empfohlen worden.

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Trump hatte Arpaio später begnadigt und ihm so vor vier Monaten eine mögliche Gefängnisstrafe erspart. Ein Artikel der „Arizona Republic“ zur Begnadigung hängt neben Arpaios Bürotisch an der Wand. Dort finden sich auch Fotografien von ihm mit verschiedenen Präsidenten, darunter Trump und dessen Vorgänger Barack Obama. Auf einem Regal stehen Wackelkopffiguren von Arpaio und Trump.

Der erste große Schritt in Richtung Washington wird für Arpaio sein, sich bei den republikanischen Vorwahlen durchzusetzen. Dort bekommt er es unter anderen mit einer anderen trumpnahen Kandidatin zu tun, der früheren Senatorin im Kongress von Phoenix, Kelli Ward. Das Rennen um die Kandidatur ist ohnehin schon eines der meistbeobachteten des Jahres – durch Arpaios Bewerbung wird sie noch unberechenbarer.

Seine Ambitionen könnten letztlich den Weg für die republikanische Repräsentantenhausabgeordnete Martha McSally bereiten. Die hat ihren Kollegen bereits von ihren Plänen für eine Senatsbewerbung berichtet, offiziell in der Hinsicht aber noch nichts verkündet.

Arpaio sagt, die mangelnde Unterstützung für die Agenda des Präsidenten in Washington habe ihn dazu gebracht, sich für den Senatssitz zu bewerben. Er besteht jedoch darauf, nicht nur auf eine Plattform zu setzen, die für Trump sei. „Die Leute werden nicht für mich stimmen, nur weil ich pro Trump bin“, sagt er.

Bislang galt Ward als Favoritin im republikanischen Vorwahlkampf. Ihre Anhänger dürften weitgehend zu Arpaio herüberwandern, glaubt der Wissenschaftler David Berman von der Arizona State University. „Er ist eine viel prominentere und sichtbarere Person, er ist schon so lange dabei.“ Die meisten Leute, die Trump mögen, tendierten zu Arpaio. Zachery Henry, ein Sprecher von Ward, sagt dagegen, ihr Wahlkampfteam glaube nicht, dass Arpaio das Votum der Republikaner zu Wards Nachteil prägen werde.

Im Jahr 2016 hatte Ward das republikanische Vorwahlrennen gegen Senator John McCain verloren. Diesmal hat ihr Trumps früherer Chefstratege Stephen Bannon seine Unterstützung ausgesprochen. Das Problem: Seit dem Streit um das aufsehenerregende Buch „Fire and Fury“ hat Trump öffentlich mit Bannon gebrochen.

Ward strich deshalb Bannons Namen von ihrer Unterstützerliste. Trump selbst veröffentlichte in den Weihnachtstagen ein Foto mit Ward auf Twitter. Offiziell seine Unterstützung für die Bewerberin ausgesprochen hat er bislang aber noch nicht. Arpaio sagt, er würde eine Unterstützung durch Trump akzeptieren, strebe aber nicht nach ihr.

Und die Demokraten? Dort hat sich die im US-Repräsentantenhaus sitzende Abgeordnete Kyrsten Sinema als moderate Kandidatin für den Senatssitz positioniert – übrigens genauso wie McSally bei den Republikanern.

Arpaios Bewerbungsankündigung führte erst einmal dazu, dass sich viele Leute wunderten, ob er es diesmal ernst meint – in der Vergangenheit hatte er satte fünf Mal mit einer Kandidatur für den Posten des Gouverneurs von Arizona geliebäugelt, diese Idee dann aber immer wieder verworfen. Diesmal sei es ihm ernst, versichert Arpaio. „Wenn ich ins Grab komme, werde ich nicht glücklich sein, wenn ich nicht versucht hätte, mich zu bewerben.“

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