_

Umstrittener Staatsbesuch: Empörung in Berlin über China-Empfang für Kriegsverbrecher

exklusiv Er wird wegen Kriegsverbrechen international gesucht. China empfängt den sudanesische Präsident Omar al-Baschir trotzdem zu seinem mehrtätigen Staatsbesuch. Die Grünen sind empört und fordern von Merkel eine Reaktion.

Der sudanesische Präsient Omar al-Baschir kommt nach China (Archiv). Quelle: dpa
Der sudanesische Präsient Omar al-Baschir kommt nach China (Archiv). Quelle: dpa

Peking/BerlinDer wegen Kriegsverbrechen international gesuchte sudanesische Präsident Omar al-Baschir wird am Montag zu einem mehrtägigen Besuch in China erwartet. Geplant sind unter anderem Treffen mit Staatspräsident Hu Jintao und weiteren ranghohen chinesischen Politikern.

Anzeige

China ist größter Abnehmer sudanesischen Öls und hat Milliarden in die Energie-Infrastruktur des Landes gesteckt. Al-Baschir soll sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag verantworten, mit dem China nicht kooperiert. Der Internationale Strafgerichtshof hat gegen Al-Baschir Haftbefehl wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen in der westsudanesischen Konfliktregion Darfur erlassen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte China auf, Al-Baschir nach seiner Landung festzunehmen. Am Wochenende hatte der sudanesische Präsident im Iran an einer Konferenz mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad teilgenommen.

China sieht sich nach Einschätzung von Experten gezwungen, seine Beziehungen zwischen Al-Baschir und der Führung des in Kürze unabhängigen Südsudan auszubalancieren. Drei Viertel der Ölreserven werden im Süden des bislang größten afrikanischen Landes vermutet. China hat bereits Diplomaten in die südliche Hauptstadt Juba entsendet.

Die Baschir-Visite sorgt für Empörung in Deutschland. Die Grünen forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, das Thema bei den ersten Regierungskonsultationen mit China heute in Berlin anzusprechen. „Frau Merkel sollte die Einladung an Baschir bei ihren Gesprächen mit der chinesischen Führung als das bezeichnen, was sie ist: ein Affront gegen die internationale Staatengemeinschaft, das internationale Recht und den Internationalen Strafgerichtshof“, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, Handelsblatt Online.

Baschir sei für „schreckliche Menschenrechtsverbrechen im Sudan verantwortlich“, betonte der Grünen-Politiker. Nicht umsonst habe der Internationale Strafgerichtshof in den Haag einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Nun werde er von Staatspräsident Hu Jintao in Peking empfangen, während zugleich Premierminister Wen Jiabao bei Bundeskanzlerin Merkel über die angebliche Verbesserung der Menschenrechtssituation in China referiert. „Dieser doppelte Zungeschlag verdeutlicht einmal mehr Chinas ambivalentes Verhältnis zu den universellen Menschenrechten“, sagte Beck. „Einerseits beruft sich die chinesische Führung auf sie, wenn es wie in Deutschland opportun erscheint, andererseits tritt sie sie mit Füßen, wenn es wie mit dem Sudan gute Geschäfte verspricht.“


  • 27.06.2011, 14:32 UhrAnonymer Benutzer: pablito

    kann es denn sein, dass china in der uno ein vetorecht hat?
    kann es denn sein, dass die unocharta die menschenrechte propagiert?
    kann es denn sein, dass china mit seiner verbrecherpolitik auf die bisherige art die weltpolitik bestimmt?
    die uno sollte mal endlich daran gehen sich neu zu organisieren und zu formieren.
    wenn nicht, wäre es das beste, wenn sich die uno auflöst, denn so wie sie ist, hat sie kein daseinsrecht und kann die welt nicht führen.
    mit diesen provokationen und empfängen von kriegsverbrechern, darf man die achse des bösen getrost auf china ausweiten.

  • 27.06.2011, 13:00 UhrAnonymer Benutzer: Kopinski

    Wirklich überrascht bin ich nun nicht. Diese Art Politik ist in China nicht neu. Eine Abkehr ist nicht zu erwarten, auch nicht wenn Grünen und CDU irgendwie reagieren sollten.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International