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Umstrittenes Gesetz: Ungarns Premier nimmt Notenbank an die Kette

Die ungarische Regierung hat ein Gesetz durchs Parlament gepeitscht, dass die Unabhängigkeit der Notenbank einschränkt. International hagelte es bereits im Vorfeld Kritik. Jetzt fordern Politiker Konsequenzen.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban: internationale Kritik. Quelle: dapd
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban: internationale Kritik. Quelle: dapd

Budapest/DüsseldorfUngarn geht auf Konfrontationskurs mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission. Trotz vorangegangener Warnungen hat das ungarische Parlament am Freitag umstrittene Gesetze zur Einschränkung der Unabhängigkeit der Ungarischen Nationalbank (MNB) angenommen. Nach Ansicht von IWF und EU zielen diese auf eine kalte Entmachtung von Nationalbank-Gouverneur Andras Simor ab, der viele wirtschaftspolitische Vorstellungen des rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban nicht teilt.

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Mit den Stimmen von Orbans Regierungspartei FIDESZ (Bund Junger Demokraten) billigte die Volksvertretung einen neuen Verfassungszusatz, der es ermöglicht, die ungarische Notenbank jederzeit mit der Finanzmarktaufsicht (PSZAF) zu fusionieren. Die dadurch entstehende neue Einrichtung kann daraufhin unter die Leitung eines von Orban ernannten Präsidenten gestellt werden.

Die 10 Gebote für die Euro-Zone

Die Nationalbank kritisierte den Beschluss in einer Erklärung am Freitag: „Die neuen rechtlichen Bestimmungen schaffen in ihrer Gesamtheit die Möglichkeit, die Entscheidungen der Notenbank gemäß regierungs- und parteipolitischer Interessen zu beeinflussen.“ Dies gefährde auch die Stabilität der ungarischen Volkswirtschaft. Beobachter gehen davon aus, dass Orban die Kontrolle über die bislang unabhängige Zinspolitik der Nationalbank erringen möchte.

Politiker von FDP und Grünen forderten Konsequenzen. „Die Warnungen der EU-Kommission wurden in den Wind geschlagen. Auch deshalb ist Ungarn nun fällig für ein EU-Vertragsverletzungsverfahren“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im EU-Parlament, Sven Giegold, Handelsblatt Online. Protokoll 4 zum EU-Vertrag schreibe vor, dass alle nationalen Zentralbanken in ihrem Handeln im Europäischen Zentralbankensystem unabhängig sein müssen, so Giegold. Das neue ungarische Zentralbankgesetz eröffne aber die Möglichkeit, das ändern zu können.

Die Chronologie des Euro

  • 1. Juli 1987

    Das Ziel Währungsunion wird im EG-Vertrag verankert.

  • 7. Februar 1992

    Unterzeichnung des EU-Vertrages von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.

  • 1. November 1993

    Ratifizierung des Maastricht-Vertrages. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU). Dezember 1995: Als Einheiten der neuen Währung werden Euro und Cent festgelegt.

  • 16. und 17. Juni 1997

    Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die „europäische Seite“ für die Münzen.

  • 25. März 1998

    Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut (EWI), Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Außen vor bleiben aus freien Stücken Großbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.

  • 1. bis 3. Mai 1998

    Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.

  • 31. Dezember 1998

    Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest. Danach ist ein Euro 1,95583 D-Mark wert.

  • 1. Januar 1999

    Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Zahlungsmittel.

  • 4. Januar 1999

    Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.

  • Juli 1999

    Die Herstellung des neuen Bargelds läuft an.

  • 1. Januar 2001

    Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.

  • 1. September 2001

    Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.

  • 1. Januar 2002

    Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.

  • 1. März 2002

    Die D-Mark verliert ihre Gültigkeit, kann aber weiterhin gegen Euro eingetauscht werden.

  • 1. Mai 2004

    Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

  • 1. Januar 2007

    Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen von der EU-Kommission wegen überhöhter Inflation abgelehnt.

  • 1. Januar 2008

    Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.

  • 1. Januar 2009

    Die Slowakei führt den Euro ein.

  • Frühjahr 2010

    Griechenland kommt in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euroland Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, die sich trotz neuer Milliarden-Hilfspakete auch für Irland und Portugal bis Ende 2011 dramatisch verschärft.

  • 1. Januar 2011

    Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres führt Estland den Euro ein - als erste frühere Sowjetrepublik. Damit leben gut 330 Millionen Menschen im Euro-Raum mit 17 Mitgliedsländern.

  • 31.12.2011, 20:38 UhrAnonymer Benutzer: Edekon

    Ist dem deutschen Leser bekannt dass Herr Gouverneur der Ungarischen Nationalbank sein privat Vermögen in off-shore Banken d.h. in Cyprus haelt? Ist dem deutschen Leser bekannt dass der Zinsenpolitik des Ungarishen Notenbank gegen die Interesse der ungarischen National-wirtschaft und Staatsbürger geht?

  • 31.12.2011, 20:38 UhrAnonymer Benutzer: Edekon

    Ist dem deutschen Leser bekannt dass Herr Gouverneur der Ungarischen Nationalbank sein privat Vermögen in off-shore Banken d.h. in Cyprus haelt? Ist dem deutschen Leser bekannt dass der Zinsenpolitik des Ungarishen Notenbank gegen die Interesse der ungarischen National-wirtschaft und Staatsbürger geht?

  • 30.12.2011, 22:10 UhrAnonymer Benutzer: Mazi

    Ich vermisse den Aufschrei unserer hiesigen Politiker.

    Oder geht's schon nicht mehr? Den Anschein hat's zumindest.

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