Umweltverschmutzung
Der grüne Tod lauert am Strand

In Frankreich geht die Angst um. Der Grund: Eklige Algen bedrohen die Gesundheit von Urlaubern. Strände sind überwuchert. Es stinkt nach faulen Eiern. Und die Gewächse sehen nicht bloß widerlich aus. Sie können sogar das Leben von Badegästen gefährden. Jetzt will die Regierung einschreiten.

PARIS. Ein schleimiger grüner Teppich breitet sich an der Küste der Bretagne aus. Kilometerweit verschmutzen Algen, die auf den ersten Blick an Salatblätter erinnern, die Strände. Doch die Algenpest ist nicht nur scheußlich anzusehen, sie kann auch zur Lebensgefahr werden. Denn wenn der Meeressalat verwest, strömt giftiges Gas aus. Nach dem Tod eines Pferdes wird befürchtet, dass nun auch Menschen bedroht sind.

Die Umweltkatastrophe in der beliebten Urlaubsregion wird sehr ernst genommen. Premierminister François Fillon brach sogar seinen Urlaub ab und reiste in die Region. Er will mit mehreren Ministern die Umweltkatstrophe in den Griff bekommen. Die Staatssekretärin für Umwelt, Chantal Jouanno, bezeichnete die verwesenden Algen am Strand als "echtes Gesundheitsrisiko". Der nach faulen Eiern riechende Schwefelwasserstoff, der sich in den Killer-Algen bildet, greift das Nervensystem an und kann tödlich sein. Der hohe Nitratausstoß in der Landwirtschaft wird für die Algenpest verantwortlich gemacht. Fillon versprach bei seinem Besuch, dass der Staat die Gemeinden bei der Säuberung der Strände unterstützen wird. Außerdem solle die Landwirtschaft ihren Schadstoffausstoß verringern.

Viele Strände in den Badeorten von der Grenze zur Normandie bis in die Südbretagne bei La Baule sind von den Algen überwuchert, Umweltschützer zählten 84 Gemeinden. Die Bucht von Saint-Michel-en-Grève ist besonders betroffen. Dort starb unlängst ein Pferd, der 27-jährige Reiter brach in der Algenmasse bewusstlos zusammen. Beide wurden vermutlich Opfer des Schwefelwasserstoffs.

Nach dem Tod des Pferdes gab das Umweltministerium überstürzt Studien in Auftrag. Das Institut für Umweltrisiken Ineris führte Luftproben durch und bezeichnete die Ergebnisse als "sehr schlecht". Dabei wurde bis zu einem Promille Schwefelwasserstoff in der Luft nachgewiesen. Das ist 200 Mal so viel, wie in der Industrie erlaubt ist. Auch der Tod mehrerer Hunde und eines Joggers vor einigen Jahren wird jetzt den Killeralgen zugeschrieben. Der ADAC sprach deshalb schon eine Warnung aus, sich nur an sauberen Stränden aufzuhalten und den Algen aus dem Weg zu gehen, die in Sonne trocknen.

Neu ist die Situation allerdings nicht. Der Meeressalat wuchert seit langem üppig von Mai bis Oktober - und das schon seit den 70er-Jahren. Doch die Situation spitzte sich mit der Zunahme des Algenteppichs in den vergangenen Jahren zu. Umweltschützer zeigen auf die Landwirte und machen Überdüngung zusammen mit Klimaerwärmung für die Algenplage verantwortlich. In der Bretagne wird intensiv Landwirtschaft betrieben, neben Gemüseanbau auch Schweine- und Geflügelzucht.

Doch bisher galten die Algen nur als Plage, nicht als wirkliche Gefahr - seit dem Tod des Pferdes, hat sich das geändert. Nun verbreitet der grüne Schleim Angst und Schrecken.

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