Umwidmung von Banken-Hilfen
Europa bietet Griechenland weitere Milliarden

In den Verhandlungen um die Zukunft Griechenlands stellen die europäischen Geldgeber der Athener Regierung mehr Geld in Aussicht. Nach Handelsblatt-Informationen könnten Finanzmittel für Banken umgewidmet werden.
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BerlinDie Europäer haben der griechischen Regierung für den Fall einer Einigung im Schuldenstreit weitere Finanzhilfen in Aussicht gestellt. Man könne die 10,9 Milliarden Euro, die bisher für die Rekapitalisierung der Banken vorgesehen seien, umwidmen, erfuhr das Handelsblatt (Freitagausgabe) aus europäischen Verhandlungskreisen.

Athen könne das Geld dann nutzen, um im Sommer seine Schulden bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu bedienen, hieß es. Bedingung sei, dass sich die Athener Regierung rechtzeitig mit EU, EZB und IWF auf einen Reformplan einige.

Um das Geld umzuwidmen und im Sommer auszuzahlen, müsste das laufende zweite Rettungsprogramm noch mal verlängert werden, hieß es weiter. Es läuft eigentlich Ende Juni aus. Eine Verlängerung ist aus Sicht der Geldgeber wohl notwendig. Denn mit den ausstehenden 7,2 Milliarden Euro im laufenden Hilfsprogramm werde Griechenland „nicht weit kommen“. Ein Teil des Geldes werde schon für die 1,6 Milliarden Euro benötigt, die Athen im Juni insgesamt beim IWF tilgen müsse, hieß es. Im Juli und August müsse Griechenland dann noch 6,7 Milliarden Euro aufbringen für Staatsanleihen, die bei der EZB liegen. Im September stehen dann erneut Zahlungen an den IWF an.

Es werde nicht mehr gelingen, im Juni rechtzeitig ein drittes Rettungspaket zu schnüren, hieß es im Umfeld von EU, EZB und IWF. Deshalb sei die einzige Möglichkeit, Athen weitere Notkredite zu gewähren, die knapp elf Milliarden Euro Bankenhilfe zu nutzen. Damit man diese im Sommer umwidmen und auszahlen könne, müsse das Programm noch mal verlängert werden. Der Plan stoße allerdings noch bei einigen Euro-Staaten auf Bedenken, hieß es.

Die Milliarden bietet Europa an im Gegenzug für Reformen. Die internationalen Gläubiger fordern zur Lösung des Schuldenstreits von der griechischen Regierung Insidern zufolge konkrete Einschnitte im Rentensystem und die Zusage zu zahlreichen Privatisierungen. Mit der Sache vertraute Personen sagten am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters, ein fünfseitiges Papier mit Vorschlägen des IWF und der Euro-Partner sei dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras am Mittwoch in Brüssel vorgelegt worden.

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  • "Europa bietet Griechenland weitere Milliarden"

    Der Spruch macht Hoffnung, dass die EZB auch den hiesigen Bürgern Milliarden für den von ihr verursachten Schaden ersetzt.

    Wie beteiligt sich die EZB eigentlich an den Kosten der hiesigen "Tafeln", deren Lebensmittel immer mehr Bürger in Anspruch nehmen müssen. Wenn die EZB, wenn die EU sich der griechischen Bürger annimmt, dann kann wohl auch davon ausgehen, dass sie diese Aktivität nicht minder in Deutschland entfaltet. Auch in Deutschland gibt es viele Bürger, die nicht den Lebensstandard der Griechen besitzen.

    Das ist klar aufzuzeigen und die Politik auf Gelichbehandlung zu drängen!

  • Die Aussage stimmt doch so nicht. Wenn jetzt von einer "Umwidmung der Bankenhilfe" gesprochen wird, dann war das Geld doch ganz offensichtlich nicht für die Rettung der griechischen Bürger. Es war nicht einmal dafür vorgesehen.

    Das System Blatter (FIFA) funktionierte ähnlich. Blatter hat bekanntlich seinen Hut genommen und das amerikanische FBI stellt der Organisation wegen Korruption nach. Es ist schon beachtlich, dass ausgerechnet die USA für Ordnung in unserer Region sorgen müssen. Hoffen wir, dass das amerikanische FBI auch Handhabe wegen Korruptionsverdacht auch in diesen Geldwaschgeschäften finden würde.

    Zwar haben alle Länder eigene Staatsanwaltschaften, die dies selbständig aufklären könnten, aber die stehen ausgerechnet unter der Aufsicht gegen die sie ermitteln müssten.

    Googlen Sie dazu unter dem Suchbegriff (in NSA-Deutsch: Selektorenliste): "Richter Fahsel a.D.".

    Deutschland ist schon sehr speziell geworden. Wir wissen nicht einmal mehr, wer wen übernommen hat. Die BRD die DDR oder die DDR die BRD.

    Eines wissen wir jedoch ganz klar:
    Der Bundespräsident ist aus der DDR.
    Die Bundeskanzlerin ist aus der DDR.
    Der Bundesinnenminister ist aus der DDR.
    Der jetzige BND spioniert die Bürger so intensiv aus, wie dies die Stasi mit einfachen Mitteln auch tat.

    Der Unterschied liegt jedoch darin, dass die DDR-Bürger eigens eine Behörde bekamen, die Gauck-Behörde, die Auskunft darüber gibt, wer ausspioniert wurde. Das wünschen wir Bürger und Wähler auch von den von uns gewählten Politikern.

  • Erschöpft ist er der Draghi, selbst schuld. Warum hat er diesem Volk nicht schon eher die Rote Karte gezeigt. Ich schäme mich dafür das wir immer noch bereit sind gutes Geld zu investieren.
    Das griechische Volk hat sich bewusst entschieden diese Clowns zu wählen, jetzt sollen sie auch die Konsequenzen spüren.
    An einen Dominoeffekt glaube ich nicht. Eine Pleite in Griechenland wird alle anderen Staaten in deren Bemühungen um ausgeglichene Finanzen stärken.

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