UN-Generalsekretär sieht Wahlen im Irak gefährdet
Annan nennt Irakkrieg "illegal"

Das Klima zwischen den Vereinten Nationen und den Vereinigten Staaten kühlt sich weiter ab. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Invasion des Irak als „illegalen Akt“ bezeichnet. Für die Wahlen in dem Land sieht er schwarz.

HB NEW YORK/BAGDAD. In einem Interview des britischen Senders BBC sagte Annan am Mittwoch, der Irakkrieg habe gegen die UN-Charta verstoßen. Die Entscheidung, gegen den Irak vorzugehen, hätte vom Sicherheitsrat und nicht einseitig von den USA getroffen werden müssen. Die internationale Gemeinschaft habe eine „schmerzliche Lektion“ lernen müssen.

Annan sagte zum Krieg: „Ich habe angedeutet, dass er aus unserer Sicht nicht mit der UN-Charta vereinbar und unter diesem Gesichtspunkt illegal war.“ Annan hatte am 10. März 2003 kurz vor der Invasion eine ähnliche Bemerkung gemacht. Die USA und Großbritannien hatten einen Resolutionsentwurf vor dem Sicherheitsrat zurückgezogen, nachdem klar geworden war, dass er keine Zustimmung finden würde. Unter anderem hatte Frankreich ein Veto angedroht.

Annan betonte erneut, er fürchte, dass die für Januar geplanten Wahlen im Irak nicht stattfinden könnten. „Man kann keine glaubwürdigen Wahlen abhalten, wenn die Sicherheitslage weiter so ist wie zurzeit“, sagte er. Die Entscheidung über den Wahltermin liege aber bei der irakischen Übergangsregierung.

Eine Besserung der Lage zeichnet sich nicht ab:

Am Mittwoch wurde nach Angaben des US-Militärkommandos ein US-Soldat bei einem Einsatz in der westirakischen Provinz Anbar getötet. Ein anderer war am Dienstag ums Leben gekommen. In Anbar liegen die Widerstandshochburgen Ramadi und Falludscha. In beiden Städten leidet besonders die Zivilbevölkerung unter den Kämpfen.

US-Einheiten drangen am Donnerstagmorgen von mehreren Seiten in Ramadi ein. Bei dem Angriff starben nach Angaben von Krankenhausärzten zehn Iraker, sieben wurden verletzt. Bei den Opfern soll es sich um Zivilisten handeln.

Am Mittwoch hatte die US-Armee nördlich von Bagdad drei enthauptete Leichen gefunden. Eine Patrouille sei an einer Autobahn auf die Körper und die abgetrennten Köpfe gestoßen, bestätigte ein Sprecher der 1. US-Infanteriedivision in Tikrit. Die Leichen lagen in drei Plastiksäcken. Polizeioffizier Hassan Ahmed aus Tikrit sagte, die Soldaten hätten die Toten der irakischen Polizei übergeben. Die Nationalität der Getöteten sei unklar. Mindestens ein Opfer trug eine Tätowierung in lateinischer Schrift.

Das Schicksal von zwei entführten Italienerinnen und zwei französischen Journalisten ist weiter unklar. Die mutmaßlichen Entführer der Franzosen Christian Chesnot und Georges Malbrunot bezichtigten Frankreich auf einer Internetseite zahlreicher Verbrechen gegen die Muslime. Die Erklärung verwies auf frühere Konflikte in Algerien und Ägypten. Das Pariser Außenministerium erklärte dazu, die Botschaft werde analysiert wie andere Botschaften auch, die in den vergangenen Tagen eingegangen seien.

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