UN-Gipfel in Ecuador
Die Grenzen der Stadt

Rund 40.000 Teilnehmer diskutieren beim dritten UN-Stadtgipfel in Ecuadors über den rasanten Zuzug in die Großstädte, die Ausbreitung der Slums und Wege gegen den hohen CO2-Ausstoß. Denn der Trend verschärft sich.

QuitoKurt Tucholsky hat den flüchtigen Moment in der Großstadt wunderbar beschrieben. „Wenn du zur Arbeit gehst am frühen Morgen; wenn du am Bahnhof stehst mit deinen Sorgen: da zeigt die Stadt dir asphaltglatt im Menschentrichter Millionen Gesichter: Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider – Was war das? Vielleicht dein Lebensglück. Vorbei, verweht, nie wieder.“

Das Gehetzte, die Enge des Raums: das hat sich seit Tucholsky in den vergangenen fast hundert Jahren potenziert. Weltweit. Die Großstadt von heute hat oft wenig romantisches, gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern platzt sie aus allen Nähten. Slums überall, fehlende Wasser- und Stromversorgung. Und es stinkt, weil eine vernünftige Kanalisation und Abwasserentsorgung fehlt – das konnten jüngst viele Olympiagäste in Rio de Janeiro riechen. Der CO2-Ausstoß ist enorm, Peking das Synonym für Dauersmog. Und die Stunden im Stau reduzieren die Zeit für die Familie, sei es in Johannesburg oder Mexiko-Stadt.

Allein in China gibt es heute rund 50 Städte mit über einer Million Einwohnern, weltweit sind es bereits rund 420. Ecuadors Hauptstadt Quito mit ihren 1,6 Millionen Einwohnern kommt da fast provinziell daher. Hier, unweit des Äquators, wird von Montag bis Donnerstag beim dritten UN-Weltsiedlungsgipfel (Habitat III) eine der großen Fragen unserer Zeit diskutiert und Handlungsempfehlungen werden entworfen: Wie können Großstädte und Megacitys lebenswert bleiben? Hier liegt auch der Schlüssel, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten.

Rund 40.000 Teilnehmer werden erwartet zu der Konferenz, die nur alle 20 Jahre stattfindet. 1976, bei der ersten Konferenz in Vancouver, lebten erst 37,9 Prozent der globalen Bevölkerung in Städten. 1996, als Habitat II in Istanbul stattfand, waren es 45,1 Prozent. 2016 sind es 54,5 Prozent - bis 2050 wird mit einem Anteil von 70 Prozent gerechnet. Der Klimawandel kann gerade in Afrika die Landflucht sogar noch weiter verstärken - und die Metropolen zum Zufluchtsort von Klimaflüchtlingen werden, die die Landwirtschaft aufgeben mussten.

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