UN-Initiative
Neue Gespräche sollen geteiltes Zypern einen

Schon vier Jahre wird über die Details einer Wiedervereinigung der zerstrittenen Teile Zyperns diskutiert. Ein neuer Anlauf der UN könnte nun gelingen – wenn bei den Vorbereitungen alles richtig läuft.
  • 4

NikosiaNeue Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns könnten in den nächsten Monaten beginnen. „Wenn der gute Wille da ist, ist alles möglich. Wir sind in der Phase der Vorbereitung“, sagte am Donnerstagabend der Präsident der Republik Zypern, der griechische Zyprer Nikos Anastasiades, nach einem Abendessen mit dem Führer der türkisch-zyprischen Volksgruppe, Dervis Eroglu. „Alles gut“, sagte Eroglu seinerseits nach dem Abendessen.

Anschließend beschrieb der Sondergesandte der Vereinten Nationen für die Zypernfrage, der ehemalige australische Außenminister Alexander Downer, den Stand der Dinge: Die Führer beider Seiten fühlen sich „gebunden, eine Lösung zu finden, die von beiden Seiten akzeptiert wird und zu einer strahlenden Zukunft für die ganze Insel führen werde“, erklärte Downer im zyprischen Fernsehen.

Es war das erste Treffen von Anastasiades und Eroglu seit Beginn der Finanzkrise auf Zypern. Die Vereinten Nationen versuchen damit, die 2012 ins Stocken geratenen Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns wieder in Gang zu bringen. Dieses erste Treffen der Politiker mit ihren Ehefrauen sowie dem UN-Sondergesandten für die Zypernfrage und seiner Gattin hatte einen privaten Charakter. Dies betonte Downer nach dem Ende des Abendessens. Mit dem eigentlichen Beginn der Gespräche werde erst im Herbst gerechnet, hieß es aus Quellen der zyprischen Regierung.

Die Gespräche hatten in den vergangenen vier Jahren zu keinem konkreten Ergebnis geführt. Der konservative griechisch-zyprische Präsident der Republik Zypern, Anastasiades, hatte im Februar den linken Präsidenten Dimitris Christofias abgelöst. Die griechischen Zyprer hatten in den vergangenen Wochen wiederholt erklärt, sie seien zurzeit damit beschäftigt, das Konsolidierungsprogramm für die Wirtschaft der Republik Zypern umzusetzen.

Kernproblem der Zypern-Verhandlungen sind die unterschiedlichen Vorstellungen beider Seiten über die Staatsform Zyperns nach einer Wiedervereinigung. Die griechischen Zyprer streben eine Föderation zweier Bundesländer mit einer starken Zentralregierung an. Die türkischen Zyprer wollen dagegen eine lose Konföderation zweier unabhängiger Staaten.

Zypern ist seit 1974 geteilt. Im Norden gibt es die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die Republik Zypern, die den Südteil der Insel kontrolliert, ist seit 2004 EU-Mitglied.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " UN-Initiative: Neue Gespräche sollen geteiltes Zypern einen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • wo bitteschön wird/wurde das Thema Siedlungspolitik in den Hauptmedien publiziert?

    Es handelt sich um fast so viele Festlandstürken in Nordzypern wie die einheimische Bevölkerung. Dagegen ist die von Israel noch "harmlos". Man stelle sich mal vor, in die Schweiz würden Millionen Deutsche siedeln oder 40 Mio. nach Deutschland, wenn es sie gäbe. Unsere Bevölkerung hat schon mit weit weniger Probleme.

    Nicht ich habe geschlafen, sondern die, die bisher nicht darüber berichtet haben oder es nicht wissen. Dieser Punkt scheint für eine Wiedervereinigung von großer Bedeutung zu sein, zumal ca. 100.000 türkische Sieder EU-Bürger werden mit allen Folgen. Ich habe nichts gegen sie, damit wir uns nicht falsch verstehen, aber innerhalb Zyperns ist das ein weit oben stehenes Problem, das gelöst werden muss. Zypern ist eben nicht einfach wie Griechenland oder Türkei. Von außen läßt sich leicht urteilen, dauerhaft gelöst werden kann die Teilung nur von innen.

  • "Westpresse"? Haben Sie 23 Jahre geschlafen?

  • aus meiner Sicht kann nur ein Modell ähnlich Schweiz funktionieren. Unterschiedliche Sprachen, Religionen und Bräuche sollten weitgehende Autonomie zulassen. Sonst wird das auf Dauer nichts.

    Nach einer Wiedervereinigung wird auf der ganzen Insel EU-Recht angewandt, somit sollten auch Fördergelder für den Norden fließen. Wichtigster Punkt ist aber die Beendigung des militärisch besetzten Nordens durch die Türkei und eine Regelung für die durch die Türkei betriebene Siedlungspolotik, die mindestens so kritisiert werden kann wie die von Israel. Aber darüber schweigt die Westpresse bisher.

    Man sieht, die Hürden sind ungleich höher als bei einer Wiedervereinigung Deutschlands.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%