UN-Klimagipfel
Polen will nicht der Sündenbock sein

Umweltminister Peter Altmaier spricht heute auf der UN-Klimakonferenz. Brisant sind die Verhandlungen mit dem polnischen Amtskollegen. Denn der wehrt sich dagegen, die Klimaschutzziele innerhalb der EU hochzuschrauben.
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DohaPolen wehrt sich dagegen, beim Klimagipfel als Sündenbock abgestempelt zu werden. „Wir blockieren niemanden, der Zuhause mehr tun möchte“, sagte Umweltminister Marcin Korolec in Doha. „Wir brauchen nicht unbedingt europäische Lösungen, wenn einzelne Länder höhere Ziele umsetzen wollen.“ Doha sei nicht der richtige Ort, um „EU-interne Klimapolitik“ zu diskutieren, sagte er.

Polen bezieht mehr als 90 Prozent seiner Energie aus Kohlekraftwerken. Das osteuropäische Land sperrt sich dagegen, dass die EU ihre Klimaschutzziele hochschraubt und den CO2-Ausstoß bis 2020 um 30 statt um 20 Prozent reduziert. Vergleichsjahr ist 1990. Im kommenden Jahr ist Polen Gastgeber der UN-Klimakonferenz. Schon jetzt bremste Korolec die Hoffnung auf eine veränderte Klimapolitik seines Landes bis dahin. „Ich glaube nicht, dass ein Klimagipfel dafür da ist, seine nationale Politik zu ändern.“

Die Haltung der Polen macht es für Bundesumweltminister Peter Altmaier nicht einfacher, seiner Ankündigung, die 30-Prozent-Marke in Doha durchzusetzen, auch Taten folgen zu lassen. „Deutschland ist ernsthaft besorgt, die Begrenzung auf zwei Grad zu schaffen“, sagte Altmaier am Donnerstag in Katars Hauptstadt Doha. „Wenn wir nicht handeln, werden einige von uns hier in diesem Raum bald wegen eines steigenden Meeresspiegels ihre Häuser verlieren.“

Klimaschutz sei kein Wachstumsverhinderer. So habe Deutschland trotz Wachstums eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 26 Prozent geschafft. Besonders stellte er die Energiewende in den Fokus: „Die Energiewende bedeutet maximalen Klimaschutz und maximale Wettbewerbsfähigkeit zugleich.“

Gewisse Fortschritte hatte es am Mittwoch in den Gesprächen über eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll sowie bei finanziellen Zusagen europäischer Staaten für Klimaschutz und Klimaanpassung in Entwicklungsländern gegeben. Ansonsten verliefen die Gespräche allerdings weiterhin zäh.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, in der EU für verschärfte Klimaziele zu werben und während der Verhandlungen in Doha mit Warschau, Paris und London darüber zu sprechen. Beispielsweise könne Polen bei der Umstellung "von dreckiger Kohle-Energie auf erneuerbare Energien" unterstützt werden.

 


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @ hafnersp
    Was für ein rücksichtsvoller Mensch der Jean Baptiste Colbert doch war. Die Politiker von heute rupfen die Gans soweit, dass sie geradeso nicht eingeht. Das Geschrei ist ihnen schon lange egal.

  • Ob man den schwarzen Peter nun unbedingt Polen zuschieben muss, ist zweifelhaft. Die Polen haben zwar knapp die Hälfte der Einwohner Deutschlands, benötigen aber nur etwa ein Drittel an Energie. Deutschland müsste demnach erstmal bei mehr als 30% Erneuerbaren in der gesamten Energieversorgung (nicht nur Strom) angekommen sein, um mit den Finger auf Polen zeigen zu können. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Genau genommen ist Polen heute schon dort, wo Deutschland bis 2020 hin will. Klar, auch die Polen sollten Ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Können für die starken Volkswirtschaften aber nicht als Argument dienen, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

  • Die "Umweltschutz-Organisation" Greenpeace ist mittlerweile auch nur noch ein dubioser, korrupter Schutzgeld-Erpressungs-Konzern.
    Ich darf an die Ölkatastrophe im Golf erinnern, wo BP eine der größten Umweltkatastrophen überhaupt anrichtete. Da aber BP auf dem Papier ein "vorbildliches" = umnwelt-scheinheiliges Unternehmen war - entsprechende "Geldspenden" sicherten dies - schwieg Greenpeace LAUTSTARK (jedensfalls hört man fast nichts von ihnen). Angesichts dieser Megakatastrophe und der Haltung von BP bei der Schadensbegrenzung einfach unfaßbar.
    Diese Organisationen sind natürlich aber die ersten, die lautstark schreien, wenn es dafür billige "Publicity" gibt.

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