International
UN schätzt mehrere hunderttausend Tote in Darfur

Offiziell hatten UN-Organisationen im vergangenen Jahr geschätzt, dass 70 000 Menschen bei der humanitären Katastrophe im Sudan ums Leben kamen. Jetzt korrigiert ein ranghoher Vertreter der Vereinten Nationen diese Zahl um ein vielfaches nach oben.

HB DÜSSELDORF. In der Krisenregion Darfur im Westen des Sudan sind nach Einschätzung eines Gesandten der Vereinten Nationen (UN) deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen als bislang mit 70 000 geschätzt.

Es sei unmöglich, die Zahl der Todesopfer in Folge von Morden oder Krankheiten zu schätzen, sagte der UN-Untersekretär für humanitäre Fragen, Jan Egeland, am Mittwoch.

Gerade dort, wo sich UN-Mitarbeiter gerade nicht aufhielten, ereigneten sich Angriffe, sagte er zur Begründung. Egeland ist erst kürzlich von einer Reise nach Darfur und andere Teile des Sudan zurückgekehrt.

Die Schätzung von 70 000 Getöteten, die von vergangenem März stamme, sei nicht hilfreich. „Sind es drei Mal so viele? Sind es fünf Mal so viele? Ich weiß es nicht, aber es sind insgesamt mehrere Mal 70 000 Menschen gestorben“, sagte Egeland.

Zugleich warf er den afrikanischen Ländern vor, nicht genügend Friedenstruppen in die Region zu entsenden. Bislang sind etwa 1400 Soldaten der Afrikanischen Union (AU) in Darfur stationiert. Die Zahl soll auf 3000 steigen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte am Montag angekündigt, Vertreter der UN, der USA und der Europäischen Union würden im Laufe der Woche die Situation im Land erkunden und einen Bericht vorlegen. Mehrere afrikanische Staaten haben sich gegen den Einsatz nicht-afrikanischer Truppen ausgesprochen.

In Darfur kommt es seit 2003 immer wieder zu Kämpfen zwischen Rebellen und von der Regierung unterstützten Reitermilizen. Rund 1,7 Millionen Menschen wurden nach Schätzungen der UN obdachlos.

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