UN-Sicherheitsrat tagt in New York
Israel verstärkt Gaza-Offensive

Fünf Tage nach der Entführung eines israelischen Soldaten hat Israel seine Militäroffensive unvermindert fortgesetzt. Bei Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen sei auch das Innenministerium in Gaza mit Raketen in Brand geschossen worden, teilten palästinensische Sicherheitskräfte am Freitag mit.

HB GAZA/JERUSALEM. In New York traf der UN-Sicherheitsrat zu Beratungen über die Eskalation der Lage im Nahen Osten zusammen. Unterdessen warnten Hilfsorganisationen vor einer humanitären Krise im Gazastreifen.

Die Zerstörung des einzigen Elektrizitätswerks im Gazastreifen durch israelische Raketen könnte nach Angaben des UN- Nothilfekoordinators Jan Egeland eine schwere humanitäre Krise für mehrere hunderttausend Palästinenser heraufbeschwören. Die Bombardierung des E-Werks ist aus Sicht Egelands eine Verletzung der Menschenrechte, unter der die unschuldige Bevölkerung zu leiden habe.

Umgekehrt hätten sich die Palästinenser mit der Verschleppung des israelischen Soldaten „nichts Schlimmeres zu keiner kritischeren Zeit ausdenken“ können. Das Welternähungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen warnte, die humanitäre Lage im Gazastreifen könne sich weiter verschlechtern. „Die Bevölkerung stößt mit ihrer Überlebensstrategie an ihre Grenzen, wenn viele Familien nur noch von einer Mahlzeit am Tag leben“, sagte ein WFP-Sprecher.

Der UN-Sicherheitsrat begann am Freitag in New York auf Antrag von arabischen Staaten mit Beratungen über die israelische Militäroffensive. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton warnte zuvor, Israel in einer Resolution verurteilen zu wollen. UN- Generalsekretär Kofi Annan hatte die israelische Regierung in den vergangenen beiden Tagen zwei Mal zur Mäßigung aufgerufen.

Das israelische Innenministerium entzog unterdessen vier führenden Hamas-Mitgliedern das Aufenthaltsrecht für Ost-Jerusalem. Die Politiker, darunter der Minister für Jerusalem-Fragen, Chalid Abu Arafa, dürften nicht mehr in Jerusalem wohnen, berichteten israelische Medien. Am Vortag hatten israelische Soldaten in einer beispiellosen Militäraktion fast die gesamte Führung der Hamas im Westjordanland festgenommen, darunter Minister und Parlamentarier. Der zur Hamas gehörende Ministerpräsident Ismail Hanija machte klar, er werde sich der militärischen Gewalt nicht beugen. „Minister und Regierungsvertreter mögen verändert werden, die Wahrheit ist aber, dass jede Regierung in den kommenden vier Jahren dem Ergebnis der Parlamentswahl entsprechend gebildet wird.“ Hanijas radikal- islamische Hamas hatte bei der Wahl im Januar eine absolute Mehrheit errungen.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak erklärte in einem Interview, die Hamas sei unter bestimmten Bedingungen bereit, den am Sonntag verschleppten israelischen Soldaten freizulassen. Details nannte er nicht. In Ägypten versammelten sich Tausende von Menschen zu Demonstrationen gegen die israelische Militäroffensive in den Palästinensergebieten. Sie forderten die ägyptische Führung auf, den 1979 mit Israel geschlossenen Friedensvertrag aufzukündigen.

Die Bundesregierung appellierte an Israel, bei ihren Maßnahmen zur Befreiung des Soldaten mit Augenmaß vorzugehen. Eine weitere Eskalation müsse vermieden werden, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Mit Blick auf das jüngste Treffen der G8-Außenminister in Moskau betonte er, die G8-Staaten hätten sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass der Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung ein Übergriff auf einen israelischen Armeeposten gewesen sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%