UN-Sicherheitsrat verurteilt Raketenstart in Nordkorea USA halten sich militärische Option offen

Nordkorea zeigt sich von den neuen UN-Sanktionen unbeeindruckt und feuert eine Rakete über Japan hinweg. Während die USA die militärische Option in Erinnerung bringen, drückt sich der UN-Sicherheitsrat zurückhaltender aus.
Update: 16.09.2017 - 10:49 Uhr Kommentieren
Nordkoreas Führer Kim Jong Un verfolgte den Start einer Mittelstreckenrakete aus sicherer Entfernung, wie dieses Propagandabild zeigt. Quelle: Reuters
Erneuter Raketentest

Nordkoreas Führer Kim Jong Un verfolgte den Start einer Mittelstreckenrakete aus sicherer Entfernung, wie dieses Propagandabild zeigt.

(Foto: Reuters)

Washington/New YorkNach dem erneuten Raketentest Nordkoreas halten sich die USA die Möglichkeit eines militärischen Eingreifens offen. „Es gibt die militärische Option“, sagte der nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster am Freitag in Washington. Diese Option sei aber nicht die bevorzugte.

Der UN-Sicherheitsrat, der erst am Montag verschärfte Sanktionen gegen Pjöngjang beschlossen hatte, verurteilte die jüngste „Provokation“ Pjönjangs, einigte sich in seiner Sitzung in New York aber vorerst auf keine weiteren Schritte.

Kims Raketen
Glückwünsche
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Der nordkoreanische Führer Kim Jong Un (Mi.) und seine Militärs beklatschen den jüngsten – angeblich – erfolgreichen Test einer Hwasong-12-Mittelstreckenrakete. Das Geschoss flog über Japan hinweg in den Pazifik. Es flog nach Angaben des südkoreanischen Militärs 3700 Kilometer weit - die bisher größte Flugdistanz beim Test einer militärischen Rakete des Landes.

Stiller Beobachter
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Den Raketentests seines Militärs wohnt Machthaber Kim Jong Un häufig persönlich bei. Ob seine Fachkompetenz an dieser Stelle erforderlich ist, darf bezweifelt werden.

Nur die Ruhe
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Der Raketenabschuss dient dem 33-jährigen Diktator auch zur Selbstinszenierung. Feldherrengleich genießt er dabei eine Zigarette.

Auf kurze Distanz
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Nordkorea verfügt über Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen. Längst nicht alle Modelle gelten als einsatzfähig. Die Raketen vom Typ Hwasong 5 und 6 (Bild, vorne) jedoch schon: Mit einer Reichweite von 300-500 Kilometern gefährden sie primär den südkoreanischen Nachbarn. Größte Schwäche der Hwasong-Reihe ist ihre hohe Streuung: Sie sind nur auf einen Kilometer genau.

Mäßig bedrohlich
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Mit Raketen vom Typ Musudan können die Nordkoreaner bereits den USA gefährlich werden. Die Mittelstreckenraketen haben einen Radius von 4000 Kilometern. Damit liegt US-Außenterritorium – die Pazifikinsel Guam – in Reichweite. Bisher ist ein erfolgreicher Abschuss der Musudan jedoch Zukunftsmusik: Allein 2016 scheiterten fünf Startversuche.

Zwei Gesichter
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Die Pukkuksong-1 ist ein besonderes Modell: Zunächst als Unterwasserrakete konzipiert, findet ihre Folgeversion auch auf dem Land Einsatz. Die Reichweite der Rakete wird auf 500 bis 900 Kilometer geschätzt.

Unter der Oberfläche
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Gefährlich in der direkten militärischen Konfrontation: Die Pukkuksong-1 hat das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Der Start erfolgt an Bord eines U-Boots und ist somit nur schwer zu registrieren. Trotz ihrer relativ geringen Größe soll sie – nach nordkoreanischen Angaben – dazu in der Lage sein, Atomsprengköpfe zu transportieren.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un habe den neuen Test persönlich befohlen und auch aus dem Kommandozentrum verfolgt, berichtete die nordkoreanische Staatsagentur KCNA am Samstagmorgen. Mit der Übung sollte „die Kriegslüsternheit der USA“ gedämpft werden, hieß es. Ziel sei ein „Gleichgewicht der Kräfte“ Nordkoreas und der USA, um der US-Führung die militärische Option zu nehmen. Anschließend lobte Kim die Wissenschaftler und Militärs seines Landes und hielt am Atom- und Raketenprogramm fest. „Wir müssen den Großmacht-Chauvinisten zeigen, wie unser Staat sein Ziel des Ausbaus der Atomstreitkräfte trotz endloser Sanktionen und Blockade erreicht“, wurde er von KCNA zitiert.

Die USA näherten sich im Bereich von Sanktionen und Diplomatie dem Ende der Möglichkeiten, sagte McMaster im Weißen Haus. „Dieses ist keine Angelegenheit zwischen den USA und Nordkorea, es ist eine Angelegenheit für die ganze Welt“. Internationaler Druck und Sanktionen hatten in der Krise bisher keinen Erfolg, Nordkorea setzte sein Atomprogramm und seine Tests entgegen allen Warnungen fort.

Auch die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, die ein Ölembargo gegen Nordkorea hatte durchsetzen wollen, sprach von der Möglichkeit eines militärischen Eingreifens. „Ich denke, er hat eine ganze Reihe Optionen“, sagte Haley mit Blick auf US-Verteidigungsminister James Mattis, dem sie das Problem bei einer Eskalation der Krise übergeben wolle. Durch Sanktionen sei Nordkorea schon jetzt „wirtschaftlich stranguliert“.

Die am Montag beschlossenen Strafmaßnahmen der UN sehen eine Deckelung der Öllieferungen an das Land und ein Verbot von Textilexporten vor. Japans UN-Botschafter Koro Bessho sprach in New York von einer „ernsten Bedrohung für unsere eigene Sicherheit“ sowie einer „wirklichen Gefahr für den Frieden und die Sicherheit der ganzen Welt“. Die am Montag beschlossenen Sanktionen müssten sofort vollständig umgesetzt werden, sagte Bessho.

Abgesehen von einem Statement, in dem der Raketentest verurteilt wurde, endete die Sitzung des UN-Sicherheitsrates ergebnislos. Das Wechselspiel von Provokationen Nordkoreas, Sanktionen und weiteren Provokationen sei ein „Teufelskreis“, sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja. Man müsse „unkonventionell denken“, um den Atomkonflikt beizulegen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der am Wochenende unter anderem zu politischen Gesprächen nach China reist, verurteilte den Test „auf das Schärfste“. „Das Regime in Pjöngjang führt uns erneut vor Augen, dass es eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden darstellt“, sagte er in Berlin.

Nordkorea hatte am Freitagmorgen eine Rakete über Japan hinweg in den Pazifik abgefeuert. Die Rakete flog nach Angaben des südkoreanischen Militärs 3700 Kilometer weit - die bisher größte Flugdistanz beim Test einer militärischen Rakete des Landes.

  • dpa
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