UN-Tribunal
Milosevic-Obduktion gegen die Zweifel

Der Leiche des früheren jugoslawischen Präsident Slobodan Milosevic soll am heutigen Sonntag in den Niederlanden obduziert werden. Das UN-Tribunal will jeden Verdacht ausräumen, der Ex-Machthaber sei nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Entsprechend wurden personelle Vorkehrungen getroffen.

HB DEN HAAG. Bei der Leichenschau im Gerichtsmedizinischen Institut in Den Haag soll nach niederländischen Medienberichten auch ein serbischer Mediziner als Vertreter der serbischen Regierung anwesend sein. Nach Darstellung des Milosevic-Anwalts Zdenko Tomanovic wird ein russischer Mediziner dabei sein.

Der 64 Jahre alte Milosevic war nach Angaben des UN-Tribunals in Den Haag am Sonnabend von einem Gefängnisaufseher tot in seiner Zelle im Zellentrakt des Gerichts gefunden worden. Hinweise auf Selbstmord gab es nach Angaben des Gerichts zunächst nicht. Seinem Anwalt zufolge hatten den Angeklagten Ängste geplagt, im Gefängnis vergiftet zu werden.

Die Sozialistische Partei Serbiens (SPS), deren Vorsitzender Slobodan Milosevic trotz der Inhaftierung war, sprach sogar von Mord. „Milosevic ist in Den Haag nicht gestorben, er wurde ermordet“, sagte der inoffizielle SPS-Chef Ivica Dacic.

Der Ex-Präsident litt seit langem unter Herzproblemen und hohem Blutdruck. Eine Behandlung in einer Klinik in Moskau hatte ihm das Gericht verweigert - aus Angst, Milosevic würde nicht zurückkommen und von Russland auch nicht ausgeliefert werden.

Vor dem UN-Tribunal war Milosevic seit 2002 wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Bosnien, Kroatien und im Kosovo während der 90er Jahre angeklagt. Unter anderem wurde ihm das Massaker von Srebrenica zur Last gelegt. Mit einem Urteil war noch in diesem Jahr gerechnet worden.

Das UN-Tribunal und seine Chefanklägerin Carla del Ponte müssen sich unterdessen der Frage stellen, warum sich der Prozess so lange hingezogen hatte. Der ausgebildete Anwalt Milosevic hatte darauf bestanden, seine Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen und warf dem Gericht, das er nicht anerkannte, Siegerjustiz vor. Wegen gesundheitlicher Probleme Milosevics musste das Verfahren mehrmals unterbrochen werden.

Milosevic hatte bis zu seinem Sturz im Oktober 2000 Jugoslawien mit harter Hand regiert. Er erwarb sich dabei den Ruf eines gewissenlosen Staatschefs, der stets die Mittel des Krieges und des Nationalismus für seinen Machterhalt einzusetzen wusste. Im Juni 2001 wurde er nach Den Haag überstellt.

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