UN-Truppe im Libanon
Italien zur Übernahme des Kommandos bereit

Die italienische Regierung hat den Vereinten Nationen am Montag offiziell angeboten, die Führung einer UN-Friedenstruppe im Südlibanon zu übernehmen. „Wir werden in den nächsten Tagen eine definitive Entscheidung haben“, sagte Ministerpräsident Romano Prodi.

HB CASTIGLIONE DELLA PESCAIA/BEIRUT. Prodi sagte am Montag, er habe UN-Generalsekretär Kofi Annan darüber in Kenntnis gesetzt, dass sein Land dazu bereit sei. Annan werde am Wochenende über das Kommando der Truppen entscheiden. Einige Vertreter der italienischen Opposition äußerten sich derweil ablehnend: Sie warnten, dass Italien sich möglicherweise auf eine „Kamikaze-Mission“ einlassen würde.

Die libanesische Regierung nahm indes das italienische Angebot an, zunächst 2000 Soldaten zur Überwachung der Waffenruhe zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz zur Verfügung zu stellen. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte Italien am Sonntag gebeten, die Führung der internationalen Truppe zu übernehmen.

Insgesamt hat die italienische Regierung der Entsendung von 3000 Mann zugestimmt. Damit leistet Italien den bisher gewichtigsten Beitrag für die Friedenstruppe, die bis auf 15 000 UN-Soldaten anwachsen soll. Auch Deutschland will sich an dem UN-Einsatz beteiligen.

Friedenstruppe ist Kern einer UN-Resolution

Derzeit hat die UN im Rahmen der Unifil-Mission 2000 Friedenssoldaten im Libanon stationiert, bis Anfang September sollen weitere 3500 dazukommen. Ursprünglich hatte sich Frankreich als Führungsmacht ins Gespräch gebracht, will sich nach Unstimmigkeiten über die Befehlsstrukturen der UN-Truppe jedoch nur noch mit 200 Soldaten beteiligen.

Die Friedenstruppe ist neben der Waffenruhe Kern einer UN-Resolution. Der Waffenstillstand beendete einen 34-tägigen Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz, bei dem weit mehr als 1000 Menschen starben. Die meisten davon waren libanesische Zivilisten.

UN-Gesandter berät mit Israel über Entwaffnung der Hisbollah

Der UN-Gesandte Terje Roed-Larsen hat am Montag mit Vertretern der israelischen Regierung über Möglichkeiten zur Entwaffnung der libanesischen Hisbollah-Miliz beraten. Er traf dazu in Jerusalem mit Außenministerin Zipi Livni, Verteidigungsminister Amir Perez sowie Vize-Ministerpräsident Schimon Peres zusammen. Bei den Gesprächen ging es ferner um die dauerhafte Sicherung des seit einer Woche wirksamen Waffenstillstands.

Er habe mit Livni auch über eine Aufhebung der israelischen Luft- und Seeblockade gegen den Libanon gesprochen, sagte Roed-Larsen vor Journalisten. Nähere Einzelheiten nannte er nicht. Der UN-Gesandte war am Sonntag nach zweitägigen Gesprächen in Beirut in Jerusalem eingetroffen. Offenbar seien sowohl Israel als auch der Libanon aufrichtig an einer Wahrung der Waffenruhe interessiert, sagte Roed-Larsen.

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