UN-Vollversammlung
Tauwetter zwischen Putin und Obama?

Seit mehr als zwei Jahren herrscht Eiszeit zwischen Washington und Moskau - die UN-Vollversammlung in New York machte jetzt ein Treffen möglich: Obama und Putin ließen bei einem Toast sogar die Gläser klingen.

New YorkUS-Präsident Barack Obama und Russlands Staatschef Wladimir Putin sind zu ihrem ersten bilateralen Gespräch seit mehr als zwei Jahren zusammengekommen. Beide Staatsmänner gaben sich am Montag am Rande der UN-Generaldebatte in New York die Hand und zogen sich in einen abgeschirmten Raum zurück.

Putin kündigte danach eine Ausweitung der militärischen Unterstützung für Syriens Machthaber Baschar al-Assad an, lehnte aber den Einsatz von russischen Bodenkampftruppen ab. "Wir denken darüber nach, wie wir der syrischen Armee im Kampf gegen Terroristen zusätzlich helfen können", sagte Putin nach dem gut 90-minütigen Gespräch mit Obama. Von einem russischen Engagement mit Bodentruppen könne aber "keine Rede sein".

Russische Luftangriffe schloss er dagegen nicht aus. "Wir denken darüber nach. Wir schließen nichts aus", sagte Putin auf die Frage nach einer Luftunterstützung für die Assad-Truppen. "Aber sollten wir handeln, dann nur im vollen Einklang mit dem internationalen Recht."

Putin beschrieb das erste Treffen mit Obama seit mehr als zwei Jahren als "sehr nützlich" und "sehr offen". Thema sei die Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA beim Kampf gegen den Terrorismus gewesen. "Wir verstehen, dass wir unsere Arbeit zumindest bilateral verstärken müssen", sagte der russische Präsident. "Wir denken daher gemeinsam darüber nach, die notwendigen Mechanismen zu schaffen."

Kaum ein Treffen zwischen Spitzenpolitikern erzeugt solch einen Wirbel wie zwischen Obama und Putin. Jede Geste, jeder Gesichtsausdruck, jede Berührung der beiden Gegenspieler wird bis ins letzte Detail analysiert - und so sorgte am Montag selbst der Toast bei einem Mittagessen für Gespräche.

Klirrten die Gläser, oder klirrten sie nicht? Mehrere Journalisten trieb in New York um, ob Obama und Putin nach dem Toast auch direkt miteinander anstießen, sich ihre Gläser also berührten. Ja, hieß es erst, doch dann kamen Zweifel auf. „Die beiden stießen nicht an, obwohl Herr Obama mit mehreren anderen Tischnachbarn anstieß“, ließ der kurz zum Essen zugelassene „New York Times“-Korrespondent Gardiner Harris wissen. Und die Spannungen zwischen Moskau und Washington ließen Grund genug zur Annahme, dass die Präsidenten auf jede freundliche Geste vor den Kameras lieber verzichten wollten.

Erst ein Foto schaffte Klarheit. „Wir haben jetzt den soliden Beweis in Form eines Fotos ..., dass Herr Obama und Herr Putin anstießen“, teilte Harris mit. „In dem Bild lächelt Herr Putin leicht und Obama tut es bewusst nicht.“ In den Krisen um Syrien und die Ukraine bleiben an diesem Tag viele Fragen offen - zumindest die Gläser-Frage war nun geklärt.

Zuletzt hatten sich Obama und Putin im Juni 2013 am Rande eines G8-Gipfels in Nordirland getroffen. Ein für September 2013 geplantes Gipfeltreffen in Moskau sagte Obama ab, nachdem die russische Regierung dem US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden Asyl gewährt hatte.

Die Annexion der Krim und das russische Vorgehen in der Ostukraine führte vergangenes Jahr dann zu einer Eiszeit in den Beziehungen. Die USA und die Europäische Union verhängten Sanktionen gegen Russland, Moskau wurde aus dem Kreis der G8 ausgeschlossen..

Obama prangerte in seiner Rede vor den Vereinten Nationen die russische "Aggression" in der Ukraine an. Zugleich erklärte der US-Präsident, dass er keinen neuen "Kalten Krieg" mit Russland wolle. Putin wies die Verantwortung den USA und der Nato zu, die mit der Osterweiterung der Militärallianz die Konfrontation heraufbeschworen hätten.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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