Unabhängige Energieversorgung
Ukraine plant eigene Uran-Anreicherung

Nach dem Gasstreit mit Russland und inmitten des Atom-Konflikts mit Iran will die Ukraine jetzt ein eigenes nukleares Anreicherungsprogramm auflegen. Das kündigte Präsident Viktor Juschtschenko am Wochenende im Interview mit den vier nationalen TV-Programmen des Landes an.

MOSKAU. Juschtschenko begründete das Ziel einer eigener Uran-Anreicherung damit, dass sein Land „binnen fünf Jahren unabhängig von Energieimporten sein soll“. Bisher liefert die Ukraine Uran nach Russland, wo es angereichert wird und damit nukleare Brennstäbe für Atomkraftwerke hergestellt werden. Da als Nebenprodukt der Uran-Anreicherung und der Wiederaufbereitung auch waffenfähiges Spaltmaterial und Plutonium gewonnen wird, werden solche Programme international kritisch beobachtet.

Hintergrund der ukrainischen Atomdiskussion ist der zu Neujahr ausgebrochene Gasstreit mit dem staatlich kontrollierten russischen Gasgiganten Gazprom. Der Konzern wollte den Gaspreis für die Ukraine von 50 auf 230 Dollar pro 1 000 Kubikmeter Erdgas erhöhen. Nachdem Kiew dies ablehnt hatte, drehte Russland den Gashahn zu. Erst nach einem Kompromiss und massiven Lieferengpässen nach Europa einigten sich beide Seiten auf einen neuen Gastarif von 95 Dollar, den Juschtschenko als „den billigsten Gaspreis in Europa“ lobte. Die Opposition in Kiew indes setzte per Misstrauensvotum die Regierung ab, weil der Gaspreis nur für sechs Monate gelten soll. Da das Kabinett sich weigert, dem Parlamentsbeschluss nachzukommen, erlebt das Land erneut eine schwere politische Machtkrise.

Kiew strebt nach den Worten von Juschtschenko jetzt eine Änderung der Energiepolitik an. „Mit Hilfe internationaler politischer und wirtschaftlicher Partner müssen wir einen geschlossenen Kreislauf der Uran-Verarbeitung und Brennstoff-Herstellung aufbauen“, sagte Juschtschenko. Das ukrainische Staatsoberhaupt deutete damit eine enge Kooperation mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA an, die der in die internationale Kritik geratene Iran zurzeit ablehnt.

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