Unabhängigkeit des Kosovo
„Die Schlange“ wird zum Staatsmann

Wieder einmal schreibt „die Schlange“ Geschichte: Seit seinem Sieg bei der Parlamentswahl im vorigen November hat Hashim Thacic den Posten des Premierministers seiner Heimat-Provinz Kosovo inne und kann seinen Lebenstraum verwirklichen – das Kosovo in die Unabhängigkeit zu führen. Die Geschichte eines ehemaligen Untergrundkämpfers.

mbr PRISTINA. Hashim Thacic, im Krieg der kosovarischen Untergrundarmee UCK gegen Serbiens Truppen der politische Kopf der Albaner-Freischärler, hatte bereits nach den Friedensverhandlungen im französischen Rambouillet 1999 für kurze Zeit mit den Mächtigen der Welt am Tisch gesessen. Zeitweise war er Premierminister seiner Heimat-Provinz Kosovo.

An der Spitze seines Koalitionskabinetts hat Thaci die Camouflage-Kampfuniform längst in Nadelstreifenanzüge umgetauscht. Seine Demokratische Partei des Kosovo (PDK) fuhr mit 34 Prozent den Wahlsieg ein und beerbte damit die lange vorherrschende LDK-Partei des legendären Kosovo-Führers Ibrahim Rugova, der mit seinem roten Schal zu Kriegszeiten in allen Fernsehsendern der Welt zu Wort kam.

In dem am 24. April 1968 im Dorf Buroje im traditionell unruhigen Drenica-Tal des Kosovo geborenen Thaci spiegelt sich die Geschichte seiner geschundenen Heimat: In ärmlichen Verhältnissen einer bäuerlichen Großfamilie aufgewachsen und immer mal wieder auf den Märkten als Dieb aufgefallen, studiert er in der Provinzhauptstadt Pristina und wird Untergrund-Studentenführer, als der serbische Autokrat Slobodan Milosevic 1989 dem Kosovo die Autonomie raubt. Der Bruder beschafft als Gastarbeiter in Wien das Geld für Thacis Studium in Zürich, wo er sich einer marxistischen Befreiungsbewegung für das Kosovo anschließt.

Thaci stößt schließlich zur UCK-Untergrundarmee und bekommt dort den Kommandeurs-Kampfnamen „Gjarpni“ – die Schlange. Inzwischen hat er sich längst gehäutet und seine UCK-Nachfolgepartei PDK in eine politische Vereinigung gewandelt und in die Regierung geführt. Gestern rief Thaci die Unabhängigkeit des Kosovos von Serbien aus und gab sich ganz als Staatsmann: Die im Kosovo lebenden 120 000 Serben rief er auf, nicht zu flüchten, sondern das Kosovo als gemeinsame Heimat aufzubauen.

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