Unabhängigkeit von Russland
Polen schlägt Energie-Union vor

Schluss mit der Abhängigkeit von Russlands Energie, fordert Polens Ministerpräsident Donald Tusk. Er regt eine Energie-Union an, mit der die EU-Mitgliedsländer ihre Öl und Gasversorgung besser koordinieren könne.
  • 21

BrüsselAls Reaktion auf die Ukraine-Krise hat Polens Ministerpräsident Donald Tusk die EU aufgefordert, sich unabhängiger von russischen Energie-Lieferungen zu machen. Dazu schlage er den Aufbau einer Europäischen Energieunion nach dem Vorbild der Bankenunion vor, schrieb Tusk in einem Gastbeitrag in der „Financial Times“ (Dienstagausgabe).

Ziel müsse es sein, dass die EU-Staaten in der Energiepolitik und bei der Versorgung mit Öl und Gas enger zusammenarbeiten. Dazu gehöre eine EU-Zentrale, die Gas für alle 28 Mitgliedsländer einkaufe und ein Solidaritätsmechanismus, über den EU-Staaten bei Gasengpässen unterstützt werden.

Zudem müsse die EU ihre fossilen Energie-Alternativen wie Kohle und das umstrittene Schiefergas voll nutzen. Die EU deckt rund ein Drittel ihres Öl- und Gasbedarfs mit Lieferungen aus Russland.

„Wie auch immer sich der Konflikt in der Ukraine entwickelt, eine Lehre daraus ist klar: Eine übergroße Abhängigkeit von russischer Energie macht Europa schwach“, schrieb Tusk. Daher müsse die EU ähnlich wie bei der gemeinsamen Aufsicht und Regulierung der Bankenbranche auch im Kampf gegen Risiken in der Energiepolitik enger zusammenarbeiten.

Schließlich bezögen mindestens zehn EU-Länder mehr als die Hälfte ihres Gasbedarfs vom russischen Lieferanten Gazprom. Einige seien sogar völlig von dem staatlich kontrollierten Gasgiganten abhängig. Daher müsse die EU auch die Energie-Kooperation mit den östlichen Nachbarstaaten ausbauen und stärker auf Gas etwa aus den USA und Australien zurückgreifen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Unabhängigkeit von Russland: Polen schlägt Energie-Union vor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ad 1) Polnische Linke gibt es zum Glück fast nur noch in der politischen Diaspora. Wenn nächstes Jahr gewählt wird, scheint es ein knappes Rennen zwischen national-liberal und national-konservativ zu werden. Linke, pro-russische Antagonisten fristen ihr Dasein im Schatten der Ignorierten.
    Ad 2) Aus diesem Grunde müssen sich diese Polit-Pariah eben solcher Verschwörungstheoretiker wie eines Thierry Meyssan bedienen, um Auffällig zu werden. In Polen lacht man über diese Subjekte, verachtet sie - oder ignoriert sie einfach.
    Ad 3) Wenn dem so wäre, wie der Verschwörungstheoretiker schreibt, würde dies die übergroße Mehrheit der Polen auch nicht stören. Im Gegenteil: Sikorski hätte der PO gute Wahlkampfmunition in die Hände gegeben. Warum sollte er diese dann nicht nutzen? Alles sehr unwahrscheinlich. Macht sich bei den Putinisten hier aber sicher gut.

  • Die polnische Linke Wochenzeitung Nie (Nein) schrieb:

    „Laut dieser Quelle hat der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski 86 Mitglieder des rechten Sektors (Pravý Sektor) im September 2013 eingeladen, angeblich als Teil eines Programms zur Zusammenarbeit zwischen Universitäten. In Wirklichkeit waren die Gäste nicht Studenten und viele waren älter als 40 Jahre. Sie begaben sich nicht auf die Technische Universität in Warschau, im Gegensatz zu ihrem offiziellen Programm, sondern in das Ausbildung-Zentrum der Polizei in Legionowo, eine Autostunde von der Hauptstadt entfernt. Vor Ort erhielten sie vier Wochen intensives Training für die Verwaltung von Menschenmassen, für die Erkennung von Personen, für Kampf-Taktiken, für den Befehl, für das Verhalten in Krisensituationen, für Ordnungsarbeit und Schutz gegen Gas, für den Bau von Barrikaden, und vor allem fürs Schießen, einschließlich des Einsatzes von Scharfschützengewehren. …....“

    http://wirwollenkeinenkrieg.wordpress.com/2014/04/19/ukraine-polen-hatte-die-putschisten-zwei-monate-vorher-ausgebildet-von-thierry-meyssan-die-lugen-haben-immer-kurzere-beine-zwei-monate-nach-dem-regimewechsel-in-kiew-veroffentlicht-die-polnische-p/

    Polen gehört zum "Neuen Europa" während Deutschland und Frankreich zum "Alten Europa" gehören.
    War es Rumsfeld?

  • Sehr schön, gefällt mir :-))))

    Wobei ich als Verfasser mal einen frustrierten Brüsseler Möchtegern-Diktator vermute, der genervt ist, dass in den Foren nicht unablässig den Brüsseler Politgestalten gehuldigt wird ;-)

    Und so nebenbei: Der Blick von Tusk erinnert mich stark an den unseres FM's. Das verheisst nichts Gutes...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%