Unbegrenzte Anleihenkäufe
Spanien fordert volle Unterstützung der EZB

Spanien soll nicht das nächste Griechenland werden, deshalb will die EZB am Anleihenmarkt helfen. Die Regierung in Madrid hat noch nicht darüber entschieden, ob sie das Angebot annimmt, äußert jedoch bereits Wünsche.
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MadridSpanien hat dafür plädiert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Kapitalmärkten unbegrenzt spanische Staatsanleihen aufkauft. „Eine solche Intervention der EZB auf den Märkten darf von der Menge keine Obergrenze haben und auch zeitlich nicht begrenzt sein“, sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Samstag der staatlichen Nachrichtenagentur Efe. Nur so könne erreicht werden, dass der Zinsdruck für spanische Anleihen nachhaltig abgeschwächt und die Zweifel am Euro ausgeräumt werden.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte Ländern wie Spanien oder Italien einen solchen Eingriff der Zentralbank in Aussicht gestellt, als Voraussetzung aber einen Hilfsantrag und damit verbundene Auflagen genannt. Über die Gegenleistungen, die die Länder zu erbringen hätten, werde voraussichtlich auf den Sitzungen der Wirtschafts- und Finanzminister der Euro-Gruppe und der EU in der zweiten Septemberwoche beraten, sagte De Guindos.

Spanien und Italien haben sich bisher noch nicht festgelegt, ob sie den von der EZB geforderten Antrag auf EU-Hilfen stellen werden. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy will von der EZB zuvor wissen, wie eine mögliche Intervention der Zentralbank auf den Kapitalmärkten genau aussehen würde.

Spanien stellt derzeit einen eigenen Rettungsfonds zusammen, der einzelnen spanischen Regionen helfen soll, die in Zahlungsschwierigkeiten sind. Wie De Guindos in dem Interview mitteilte, will die staatliche Lotteriegesellschaft dazu eine Anleihe über 6,0 Milliarden Euro bei spanischen und internationalen Banken aufnehmen und diese Summe dem spanischen Fonds zur Verfügung stellen.

Die Lotteriegesellschaft wird in die Operation eingeschaltet, weil sie aufgrund ihrer guten Finanzlage günstigere Kredite erhält als der spanische Staat. Der Rettungsfonds für die Regionen soll insgesamt 18,0 Milliarden Euro umfassen. Davon sollen weitere 8,0 Milliarden Euro mit normalen Staatsanleihen finanziert werden und 4,0 Milliarden Euro direkt aus der Staatskassen kommen. „Wir werden keine Region im Stich lassen“, versicherte De Guindos.

Die hoch verschuldeten Regionen, die in etwa den Bundesländern in Deutschland entsprechen, sind neben den maroden Banken eine große Schwachstelle im spanischen Finanzsystem. Bisher haben die Mittelmeer-Regionen Katalonien, Valencia und Murcia zu verstehen gegeben, dass sie auf den Fonds zurückgreifen wollen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Unbegrenzte Anleihenkäufe: Spanien fordert volle Unterstützung der EZB"

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  • 'Steuerzahler' sagt
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    Mein lieber Rechner,

    die Target-Salden sind Forderungen der Bundesbank gegen die EZB. Das haben Sie völlig richtig erkannt. Und genau da liegt das Problem. Denn sobald der Euro nicht mehr künstlich weiter am Leben gehalten wird, haben Sie Forderungen von 730 Mrd gegen eine Institution, die nicht mehr existiert.
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    Und wieso sollte der Euro auf einmal nicht mehr existieren?

    ENTWEDER - weil er einvernehmlich aufgelöst wird. Extrem unwahrscheinlich. Und einvernehmliche Auflösung wird es natürlich nur geben, wenn die Targetguthaben der EZB bei den Defizitländern anteilig auf die Überschußländer übertragen werden. Möglicherweise sogar in Form von abgewerteten Lira und Peseten.

    Die Bundesbank hätte dann also einen Abwertungsverlust bei ihren Devisenreserven. Wie das im Wunschszenario der DM-Liebhaber ja auch immer wieder vorgekommen ist.

    ODER - der Euro zerbricht katastrophal. Wegen Staatspleiten in Spanien und Italien, gefolgt vom Zusammenbruch der dortigen Banksysteme, gefolgt vom Zusammenbruch der Wirtschaft dieser Länder, gefolgt vom Zusammenbruch der französischen Banken, gefolgt vom Zusammenbruch der französischen Wirtschaft, gefolgt vom Zusammebruch der deutschen Banken und Wirtschaft. Und weil die Steuereinnahmen um die Hälfte zurückgehen, ist dann auch der französische und deutsche Staat pleite. Von der Bundesbank ganz zu schweigen.

    Ob die dann noch ein bißchen mehr pleite ist, wegen der uneinbringlichen Target-Forderungen, ist sowas von egal.

    ++++

    'Steuerzahler' sagt
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    Mit solchen Forderungen können Sie sich das Hinterteil abputzen.
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    Mit Ihrer "Logik" können Sie sich das Hinterteil abputzen.

  • 'aurorix' sagt
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    Was Deutschland betrifft hatte niemand bis zum Ausbruch der Finanzkrise auch nur einen Gedanken daran verschwendet, ob die wachsende Verschuldung der Südschiene uns nicht früher oder später auf die Füße fällt. Dem Michel wurde glaubhaft vermittelt, dass der Sachzwang der globalisierten Märkte strikte Lohnzurückhaltung erfordere und das obwohl seine Produktivität bis zur Belastungsgrenze hochgetrieben wurde, was zu den heute unübersehbaren psychischen und körperlichen Abnutzungseffekten führte. Kaum einer hat gesagt, dass der Stabilität der EUrozone besser damit gedient wäre, höhere Lohnabschlüsse zu fordern, damit die Handelsungleichgewichte im Zaum gehalten werden.
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    Ein bißchen mehr Lohnerhöhung und ein bißchen weniger Lohnzurückhaltung hätten tatsächlich unser Problem mit dem Leistungsbilanzüberschuß lösen können.

    Wenn wir so schlau gewesen wären zu wissen, daß die Sozialpartner in den PIGS Löhne und Preise fröhlich weiter erhöhen so als ob sie noch ihre alte Konfettiwährung hätten.

    Die "Nebenwirkungen" wären allerdings fatal gewesen. Mehr Arbeitslosigkeit, dadurch höhere Staatsverschuldung. Der Euro wäre zu einer Schwachwährung verkommen, Sparer teilenteignet. Während die Eurozone im Moment eine in etwa ausgeglichene Leistungsbilanz hat, wäre sie dann negativ.

    Mit einem Wort - wir wären alle Griechenland.

    Die Gesunden sollen gefälligst auch krank werden - das ist Ihre Lösung.

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    'aurorix' sagt
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    Schluß! Aus!
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    Das Hauptargument aller sozialistischen Betonköpfe.

  • 'aurorix' sagt
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    "Dabei übersehen Sie leider, daß die Völker der Schuldenstaaten erheblich von der Schuldenblase profitiert haben."

    Na, dass haben sie ja wohl offensichtlich nicht, denn ihnen droht bekanntlich der Bankrott.
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    LOL!

    Sie haben immer noch nicht kapiert, wie die Sache funktioniert:

    Dem griechischen STAAT droht der Bankrott. Weil zwar jeden einen Job im Staatsdienst, üppige Renten und Sozialleistung will, bloß keiner Steuern zahlt.

    Das griechische VOLK geht aber nicht Bankrott. Das hat über nichtzurückgezahlte Staatsschulden und sonstige Brüsseler Alimente in den letzten 20 Jahren so um die 50.000 Euro pro Nase eingesackt. Viel davon ist in BMWs und Swimmingpools investiert worden. Und einen nicht unbeträchtlicher Teil hat Konstantinou Papaschamlos inzwischen auf seinem Konto bei der Commerzbank in Frankfurt. Oder in einer Londoner Immobilie investiert. Konstantinou Papaschamlos ist alles andre als pleite. Er hat die Kohle, die der guteuropäische Steuerzahler demnächst berappen darf.

    ++++

    Der Bankrott Griechenlands ist ein betrügerischer Bankrott. Wenn Griechenland seine Steuern korrekt erheben und beitreiben würde, dann hätte es einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Und wenn es seine Ausgaben für Sozialleistungen in den letzten 10 Jahren nicht um 109% (Spanien: 101,7%) und die für die Entlohnung von Staatsdienern um 71,7% (Spanien: 78,9%) erhöht hätte, ebenso.

    Das Geld ist nicht weg. Es hat bloß ein anderer. Und zwar das griechische (spanische) Volk.

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