Unerfüllbare Aufgabe
Syrien-Vermittler Brahimi tritt ab

Noch ein Hoffnungsträger, der aufgibt. Der Bürgerkrieg in Syrien lässt sich bis auf weiteres nicht am Verhandlungstisch beenden. Nach Kofi Annan musste sich das auch der krisenerprobte Lakhdar Brahimi eingestehen.
  • 1

GenfEr galt weltweit als Symbol der letzten Hoffnung für Syrien. „Denn was Lakhdar Brahimi nicht gelingt, das schafft bei den UN keiner“, sagen Diplomaten über den erfahrenen und in einer Reihe von Konflikten erfolgreichen Friedensverhandler der Vereinten Nationen. Nun gibt er sein Amt als internationaler Syrien-Vermittler mit Ende Mai auf. Übernommen hatte er es im September 2012 auf Bitten von UN-Chef Ban Ki Moon von dessen Vorgänger Kofi Annan. „Er stand vor unüberwindbaren Hindernissen, mit einer in Fragen zur Beendigung des Konflikts hoffnungslos gespaltenen syrischen Nation und Region“, fasste Ban am Dienstag in New York die Beweggründe für den Rücktritt seines Sonderbeauftragten zusammen.

Schon damals sprach man in Genf von der „schwierigsten Vermittleraufgabe der Welt“. Dass sie nicht nur schwierig, sondern auf absehbare Zeit unerfüllbar ist, hatte Brahimi sich wohl spätestens im April eingestanden. Er rief – so berichten es UN-Insider – frustriert seinen obersten Dienstherren in New York an und bat um Verständnis für seinen Rücktritt. Aus Loyalität zu den UN und der Arabischen Liga, die er ebenfalls vertrat, wolle er noch so lange im Amt bleiben, bis ein möglicher Nachfolger gefunden sei.

Wie es nun weitergehen, ob und wann es einen neuen, wenigstens halbwegs aussichtsreichen Anlauf zu echten Friedensverhandlungen geben kann, ist trotz aller beschwörenden Politiker-Statements unklar. Es war ja auch nicht Brahimi – oder vor ihm Annan –, der einer Lösung am Verhandlungstisch im Wege stand. Es sind die syrischen Konfliktgegner selbst, aber auch die Mächte hinter ihnen, die sich nach fast drei Jahren Bürgerkrieg mit mehr als 150.000 Toten und neun Millionen Vertriebenen immer noch als unfähig oder unwillig erweisen, Frieden zu schließen.

Im März hat Brahimi dem UN-Sicherheitsrat Bericht über seine Bemühungen bei den Genfer Treffen der Syrien-Konfliktparteien erstattet. „Auch nach zwei Gesprächsrunden zeigt keine der beiden Seiten Kompromissbereitschaft oder ein wirkliches Bewusstsein für das Leiden des syrischen Volkes“, beklagte Ban Ki Moon anschließend.

„Weder Ban noch Brahimi konnte soweit gehen, öffentlich auch Russland und die USA verantwortlich zu machen“, sagt ein altgedienter UN-Diplomat in Genf. „Doch jeder weiß, dass Brahimi sie intern immer wieder aufgefordert hat, Kompromisse einzugehen und mehr Druck auf (den syrischen Präsidenten Baschar al-) Assad und die Rebellen auszuüben.“

Seite 1:

Syrien-Vermittler Brahimi tritt ab

Seite 2:

Neue Verhandlungen nicht absehbar

Kommentare zu " Unerfüllbare Aufgabe: Syrien-Vermittler Brahimi tritt ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Keine Fortschritte bei Syrien Friedensbesprechungen Das ist kein Wunder weil die NatoLaender noch immer die Rebellen voll unterstuetzen,trainieren,finanzieren,bewaffnen+in der Tuerkei mit Patriotraketen beschuetzen.Auch werden die Rebellen von der Nato als einzigsten Vertreter der syrischen Bevoelkerung gewertet,eine Bevoelkerung die nichts mehr mit den, Tot+Verwuestung bringenden,Rebellen zu tun haben will.Die EU sollte sofort alle EU-NatoMinister entlassen wegen Terrorbildung,Mord,Verwuestung von Infrastruktur+Wirtschaft eines Staates

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%