Ungarn gibt sich kämpferisch
Euro-Einführung der zwei Geschwindigkeiten

Es ist noch nicht lange her, dass alle EU-Beitrittsländer in Mittel- und Osteuropa den Euro als Landeswährung möglichst rasch übernehmen wollten. Von 2007 oder 2008 als Zieldatum war in Warschau, Prag, Bratislava und Budapest die Rede. Inzwischen ist vielerorts Ernüchterung eingekehrt.

rev/dhe BUDAPEST/WARSCHAU. Ungarn gibt sich jedoch noch kämpferisch. „Wir werden unser Ziel, 2008 dem Euro-Raum beizutreten, auf jeden Fall realisieren“, betont Premier Peter Medgyessy. Gleich nach dem EU-Beitritt will sich Ungarn dem Wechselkursmechanismus (EWS II) anschließen. In dieser – meist auf zwei Jahre angelegten – Probezeit müssen die Beitrittsländer die Stabilität der Wechselkurse ihrer Währungen nachweisen.

Die drei Baltenrepubliken Litauen, Lettland und Estland wollen den Euro ebenfalls so schnell wie möglich – also ab Januar 2007. Erleichtert wird dieses Vorhaben dadurch, dass die baltischen Landeswährungen bereits an westliche Valuten angebunden sind: Die estnische Krone und der litauische Litas sind über einen festen Wechselkurs mit dem Euro verknüpft, der lettische Lat orientiert sich fest am IWF-Währungskorb. „Ein Übergang zum Euro bringt uns nur andere Münzen und Scheine – das ist alles“, sagt Litauens Finanzministerin Dalia Grybauskaite.

Polens Politiker dagegen wollen sich vorerst gar nicht zu einem bestimmten Datum äußern. „Die Regierung wird dazu keine Entscheidung treffen“, sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Jerzy Hausner vorige Woche. „Aber wir arbeiten daran, wie wir die Kriterien im Jahr 2007 erfüllen können.“ Angesichts des ständig wachsenden Haushaltsdefizits halten Finanzexperten das für ein zu optimistisches Szenario. „Polen wird die Euro-Einführung in diesem Jahrzehnt kaum schaffen“, sagt Janusz Jankowiak, Chefökonom der BRE Bank, „ich erwarte sie erst im Jahr 2010.“

Auch Tschechien sieht eine Übernahme des Euros erst 2009/10. Nur so, heißt es bei der Tschechischen Nationalbank, könnten die Risiken des Beitritts zur Euro-Zone früh genug minimalisiert werden. Tschechiens Staatspräsident Vaclav Klaus betont: „In bin nicht in Eile.“

Die inzwischen eingekehrte Vorsicht in den größeren Beitrittsländern ist auch eine Reaktion auf die Warnungen aus Westeuropa: So schrieb die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für Juli, dass die Anpassung „durch ein hohes Maß an Wechselkursflexibilität möglicherweise leichter bewältigt werden kann“. Der Zeitpunkt des Beitritts zum EWS II solle daher gut überlegt sein. Auch der Vorsitzende des Wirtschafts- und Finanzausschusses der EU, Caio Koch-Weser, sowie der künftige EZB-Chef Jean-Claude Trichet warnten in den vorigen Wochen vor einem überstürzten Einstieg in die Testphase.

Doch egal, wann der Euro zur Landeswährung wird, er gehört längst zum Alltag der Beitrittsländer: Wer seinen Kaffee in der slowakischen Hauptstadt Bratislava trinkt oder an der Autobahn zwischen Wien und Budapest tankt, kann ganz selbstverständlich auch in Euro zahlen.

Quelle: Handelsblatt

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