Ungarns Premier in Wien
Wenn Orbán politische Ohrfeigen verteilt

Ungarns Premier Viktor Orbán besucht Wien – mit einer Mission: Er umschmeichelt den Nachbarn im Westen. Denn Österreich ist reich. Doch das gelingt nicht so ganz.

WienWenn Viktor Orbán auftaucht, ist ein Maximum an Sicherheit ist angesagt. Die Bankgasse im Herzen Wiens war von österreichischen Polizisten selbst für Fahrradfahrer gesperrt. Nur ein Häuflein Demonstranten durfte ein Transparent mit der Aufschrift „Flüchtlinge willkommen! Für eine menschliche Asylpolitik“ hochhalten. Als der ungarische Premierminister umringt von schwarz gekleideten Leibwächtern vor der Ungarischen Botschaft in Wien eintraf, würdige er den Gegner seiner umstrittenen Flüchtlingspolitik keines Blickes. Auch laute Rufe wie „Shame“ („Schande“) wollte der Chef der rechtspopulistischen Fidesz-Partei beim Betreten der pompösen Ländervertretung nicht hören.

Orban war nach Wien in anderer Mission gekommen. Er wollte das schlechte Verhältnis seines Landes mit dem wichtigen Nachbarn Österreich verbessern. Denn durch das Alpenland läuft das Gros der Exporte von Ungarn. Seine aus Sicht der österreichischen Regierung inhumane Flüchtlingspolitik, die auf Stacheldraht und Gefängnis setzt, hat den ansonsten zurückhaltenden Bundeskanzler Werner Faymann zuletzt auf die Palme gebracht. Aus seinen Unmut machte der österreichische Regierungschef keinen Hehl und griff Orbán öffentlich scharf an.

Im ersten Stock des Stadtpalastes genoss Orban am Freitag sichtlich das gewaltige internationale Medieninteresse. Im Festsaal der ungarischen Botschaft sah der Premier eine Wand mit von Fernsehkameras aus aller Welt. Das ungarische Staatsfernsehen übertrug seinen Auftritt vor der übermächtigen Nationalflagge live. Sein Fernsehpublikum daheim in Ungarn wurde nicht enttäuscht.

Denn Orbán verpasste den Österreicher eine politische Ohrfeige, gleichzeitig umschmeichelte er den reichen Nachbarn im Westen. In Anspielung auf die Kritik der österreichischen Regierung an seiner in Europa einmaligen Flüchtlingspolitik sagte der 52-jährige: „Von hinten bekommen wir friendly fire.“ Nur Sekunden später sagte er an die Adresse der Österreicher: „Wir sind bereit zu vergessen.“ Und er lobte: „Die Gespräche waren konstruktiv. Es herrschte eine Atmosphäre des guten Willens.“ Politische Fortschritte im bilateralen Verhältnis gab es aber in Wien nicht.

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