Ungarns Wirtschaftsminister Janos Koka: Der magyarische Musterknabe

Ungarns Wirtschaftsminister Janos Koka
Der magyarische Musterknabe

Mit 32 Jahren war Janos Koka einer der erfolgreichsten Unternehmer Ungarns. Nun treibt er als Wirtschaftsminister die Regierung zu Reformen – eine Begegnung im Zug.

WIEN. Der Herr Minister hat sich für den Zug entschieden. Das hat mit den Vorzügen der Langsamkeit des Eurocity 63 zu tun, der auf dem schon betagten Schienenweg gen Osten tuckert: München, Wien, Budapest.

Die Muße jedoch für einen Blick hinaus in die Winterlandschaft des Voralpenlandes gönnt sich Janos Koka nicht. Draußen ziehen die Spuren, die die Habsburger hier hinterlassen haben, vorbei. Ungarns Wirtschafts- und Verkehrsminister sind sie ziemlich egal. Denn für Nostalgie hat Janos Koka keinen Sinn. Er steht für Zukunft, für Visionen, ein neues Europa, einen Kontinent der unbegrenzten Möglichkeiten – mit Mitteleuropa als Herz.

„Das, was heute Zentral- und Osteuropa genannt wird“, sagt Janos Koka, „das ergibt einen neuen Zusammenhang. Der Sozialismus hat dazu geführt, dass alle diese Länder ähnliche Schwierigkeiten haben. Aber vor allem haben die 80 Millionen Menschen, die hier leben, enormes Entwicklungspotenzial.“

Wunderknabe der ungarischen Wirtschaft

34 Jahre ist Koka erst alt und sieht mit seinen flinken blauen Augen ein wenig aus wie ein neugieriger Pennäler. Tatsächlich ist er so etwas wie der Wunderknabe der ungarischen Wirtschaft. Als Internetunternehmer wurde er reich, nun treibt er als Minister seine Landsleute voran. Und er will noch mehr: Heute wird Janos Koka, wie er dem Handelsblatt bestätigte, seine Kandidatur für den Vorsitz der liberalen Partei Ungarns anmelden. Der „Bund freier Demokraten“ gilt als Mehrheitsbeschaffer in der ungarischen Politik – ähnlich der FDP bis 1998.

Janos Koka kommt gerade aus Davos, vom Weltwirtschaftsforum, dem „Lobbyzentrum für Weltwirtschaft und Weltpolitik“. Nun sitzt er in einem Bummelzug, weil er auf Reisen jede Sekunde seiner Zeit zu nutzen gedenkt. Ungarns Wirtschaftsminister spricht über große Pläne: Hochgeschwindigkeitstrassen von Paris bis Budapest, ein dichtes Netz von Autobahnen, eine effiziente Arbeitsteilung zwischen befreundeten Industrienationen. Bayern, Österreich, Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Norditalien – das sei die boomende Wirtschaftsregion im Südosten der EU, ein neuer regionaler Zusammenhang, sagt er, als der Salzburger Dom schon ganz nahe ist.

Janos Kokas Geschichte hat etwas von der Legende des amerikanischen Tellerwäschers – in ihrer mitteleuropäischen Variante. Sicher, er hat viel Glück gehabt und eine gutbürgerliche Kinderstube, er hat bei Franziskanern gelernt, durfte schon als Jugendlicher in den Westen reisen. Die Familie väterlicherseits stammt teilweise aus dem Burgenland, das bis 1918 zu Ungarn gehörte – Einladungen nach Österreich und Bayern gab es zuhauf.

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