Ungewöhnliche Zahlungsmethoden machen Ermittlern in London das Leben schwer
Terroristen verwischen finanzielle Spuren

In der britischen Hauptstadt spielt sich der „Krieg gegen den Terror“ nicht nur auf den Straßen ab. Vordringlich sucht die Polizei momentan nach den Drahtziehern der Anschläge vom Donnerstag. Doch bei der Fahndung nach den Hintermännern könnten die Ermittler entscheidende Informationen aus den Geldströmen herauslesen, aus denen der Terror gespeist wird.

LONDON. Oft genug gleicht die Jagd nach Terrorgeld jedoch der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Plakative Forderungen wie „Einfrieren der Vermögen“ klingen zwar gut, helfen aber wenig – zumal die Ermittler mit einer Reihe von Widrigkeiten kämpfen müssen.

Eine unbequeme Erkenntnis der Ermittler lautet: Terror ist billig. Die Anschläge des 11. September 2001 kostete die Urheber nach Schätzungen des US-Kongresses nicht einmal eine halbe Million Dollar. Die Londoner Anschläge könnten die Täter nach Schätzung von Marcus Killick, Chairman der Gibraltar Financial Services Commission und Mitglied des Anti-Korruptions-Netzwerks Transparency International, gerade ein paar tausend Pfund gekostet haben. Selbst aus verdächtigen Quellen werden solche Beträge kaum auf den Radarschirmen einer Finanzaufsicht auftauchen. „Ein so feines Netz würde die Kosten für Unternehmen dramatisch erhöhen“, sagt Killick.

Es nutzt auch nicht viel, dass die Europäische Union mit einer neuen Direktive den Kampf gegen Geldwäsche, anonymes Treuhandvermögen und versteckte Beteiligungen verstärkt hat. „Die Terroristen müssen gar nicht viel Geld waschen“, sagt Philip Robinson, der bei der britischen Finanzaufsicht FSA zuständige Leiter für die Abwehr von Finanzkriminalität.

Ohnehin vertrauen Terroristen nicht auf traditionelle Wege der Geldbeschaffung. Sie greifen auf Systeme wie Hawala (zu deutsch: Wechsel) zurück, die gerade in Pakistan und Indien häufig vorkommen. In diesem System wird das Geld über Mittelsmänner transferiert. Der Vorteil dieses Systems ist für Auftraggeber und Empfänger, dass kaum verwertbare Spuren des Geldes entstehen. Diese verlieren sich meist in Geschäftsvorgängen, die gar nichts mit dem reinen Transfer zu tun haben. Manchmal werden die Überweisungen nur mit verschlüsselten Codes festgehalten, manchmal existiert gar keine Buchführung.

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