Ungleichheit wächst : Peking verordnet der Industrie höhere Löhne

Ungleichheit wächst
Peking verordnet der Industrie höhere Löhne

China hat ein beispielloses Wachstum hingelegt. Die Einkommen klaffen aber immer weiter auseinander. Doch Ungleichheit passt nicht zu den Versprechen der Kommunisten. Sie wollen nun eine bessere Entlohnung erzwingen.

Peking China will etwas tun, um die Ungleichheit im Lande zu verringern: Die Regierung hat der Industrie am Mittwoch befohlen, höhere Löhne zu zahlen. Vor allem gut verdienende Staatsbetriebe sollen ihre Angestellte stärker am Gewinn teilhaben lassen, gab Premier Wen Jiabao unmissverständlich vor. Außerdem sollen die Steuern für Reiche steigen. Details werde die Verwaltung erlassen, teilte der Staatsrat mit.

Ungleichheit ist in China ein zunehmendes Problem. Der Gini-Koeffizient, der die Einkommensunterschiede in einem Land anzeigt, liegt nach Zahlen vom Januar bei 0,474 und damit so hoch wie in den USA. Während Ungleichheit in Amerika jedoch zum System gehört, entspricht sie nicht dem Versprechen der Kommunisten nach einer gleichen Gesellschaft. Die Regierung steuert daher jetzt heftig gegen.

Die nun vorgestellten Pläne enthalten Ideen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesetzgebung. Staatsunternehmen sollen bis 2015 einen deutlich höheren Anteil ihres Überschusses in die Gehälter fließen lassen – die Quote soll um fünf Prozentpunkte steigen. Außerdem sollen die Mindestlöhne und Durchschnittsgehälter landesweit steigen. In Pilotprogrammen sollen eine neue Reichen- und eine Grundsteuer erprobt werden. Für Sparguthaben soll es höhere Zinsen geben.

Noch Anfang der 80er-Jahre waren alle Chinesen im wesentlichen gleich arm. Im Zuge von Wirtschaftsreformen hat die Regierung den unbegrenzten Aufbau privater Vermögen gestattet - der Fleiß und der Konsum der Gutverdiener war ein wichtiges Zugpferd für die Entwicklung. Doch heute wächst der Neid. Während Luxusautos wie Ferraris, Maserattis oder Porsches in Peking und Shanghai zum Stadtbild gehören, muss eine Mehrheit mit weniger als 100 Euro im Monat auskommen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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