Unglück belastet Staatsetat
Explosion macht Zypern zum vierten Hilfskandidaten

Der Inselstaat ist eines der schwächsten Mitglieder der Eurozone. Die Explosion eines Munitionsdepots verursacht Schäden in einer Höhe, die Zyperns Staat überfordern könnte. Und erneut sind die Banken der kritische Faktor.
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AthenNach dem schweren Explosionsunglück vom Montag steht die Wirtschaft der Inselrepublik Zypern vor einem Desaster. Die Sachschäden der Katastrophe, bei der zwölf Menschen getötet wurden, gehen in die Milliarden. Der ehemalige Finanzminister Michalis Sarris warnt bereits: Zypern könnte als viertes Land der Eurozone nach Griechenland, Irland und Portugal internationale Hilfskredite benötigen.

Aus noch ungeklärter Ursache waren am frühen Montagmorgen auf einer Marinebasis an der Südküste der Insel zwei randvoll mit Munition gefüllte Container explodiert. Die zyprische Küstenwache hatte das Material Anfang 2009 nach einem Tipp von US-Diensten an Bord des russischen Frachters „Monchegorsk“ sichergestellt. Es handelte sich um eine illegale Waffenlieferung aus dem Iran, die für Syrien bestimmt war.

Seit zweieinhalb Jahren lagerten die Munitionscontainer auf dem Marinestützpunkt unter freiem Himmel, Wind und Wetter ausgesetzt – und nur 300 Meter neben dem größten und modernsten Kraftwerk Zyperns. Wiederholte Warnungen von Fachleuten, die Munition sei extrem explosionsgefährdet und müsse schnellstens entsorgt werden, schlug die Regierung in den Wind. Der kommunistische Inselpräsident Dimitris Christofias kommt deshalb unter wachsenden politischen Druck.

Weitaus schwerwiegender als die politischen Konsequenzen könnten die Folgen der Katastrophe für die Wirtschaft im griechischen Süden der Inselrepublik sein, die 2004 in die EU aufgenommen wurde und Anfang 2008 der Währungsunion beitrat. Das Kraftwerk von Vassilikos, das über 50 Prozent des Elektrizitätsbedarfs im griechischen Inselsüden deckte, wurde durch die Explosion verwüstet. Es dürfte viele Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis es wieder ans Netz gehen kann. Die Reparaturkosten werden in inoffiziellen Schätzungen auf ein bis zwei Milliarden Euro beziffert. Seit der Katastrophe muss im Süden der Insel immer wieder stundenweise der Strom abgeschaltet werden. Die besonders energiefressenden Meerwasser-Entsalzungsanlagen wurden stillgelegt und die Trinkwasserversorgung rationiert. Am Mittwoch verschärfte sich die Situation, weil es auch in einem der beiden verbliebenen Kraftwerke technische Probleme gab.

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  • wenn es zum 3. wk kommen sollte, würde die uno von einer neuen "weltregierung" abgelöst. was das bedeutet, können wir uns in unserer kühnsten horrorvorstellungen noch nicht bildhaft glauben.

    nun mal weg von meine hirngespinsten:

    wisst ihr eigentlich, was genau da explodiert ist und warum? es waren hauptsächlich waffen für den iran, die wahrscheinlich der mossad einkassiert hat und schnell auf zypern zwischenlagern musste. nun ist es ja bekanntlich im sommer auf zypern fast so heiß wie in dubai. war selber dort. ein schweißtreibender urlaub. kein wunder also, dass dort dann leicht entzündliches pulver schneller explodiert als man denken kann. andererseits ist zypern eh nicht ernst zu nehmen. zwar ist es mitglied in der eu, trotzdem ein gespaltenes land (nordzypern ist immer noch türkischer besitz). und südzypern ist ja eh griechisch und somit eher ein anhängsel des pleitekanditaten. also praktisch gesehen, muß die zypernkrise nicht weiter beachtet werden.

  • Das ist der Beweis, dass die Krise bewusst herbeigeführt/herbeigeredet wird(zumindest wird es versucht), um eine EUdSSR-Diktatur zu installieren!

    Wir müssen die Euro-Putschisten aufhalten!

  • Ihre etwas barock wirkende Invektive: geschenkt.
    Inhaltlich kurz soviel: was eigentlich geschieht Staaten, die heruntergerated werden und die nicht Mitglied einer von Ihnen als "widerlich" wie auch immer gearteten Währungsunion sind?

    Sie sehen: die Stoßrichtung weltbekannter Ratingagenturen ist durchaus vergleichbar mit der von Favorisierern sogenannter nationalstaatlich orientierter Lösungen.

    Dem betroffenen Staat kann es eigentlich vollkommen egal sein, wer ihn plattmachen will: seine internen Gegner oder externe Gegner.

    Das könnte darauf hinauslaufen, daß stimmt, was unlängst zu vernehmen war von einem jungen Dachs, der sein Geld in der Finanzbranche verdient: "Ihr seid Reaktionäre, wir sind Anarchisten".

    Sowas muß nichteinmal Landauer oder Stirner gelesen haben, um die Richtigkeit seiner Behauptung unter Beweis gestellt zu haben.

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