Unglück in Libyen 74 Leichen von Flüchtlingen angespült

Dutzende weiße Säcke liegen aufgereiht am libyschen Strand. Nicht weit entfernt entdecken die Helfer ein zerrissenes Schlauchboot. Die Opfer hatten noch wenige Stunden zuvor auf ein besseres Leben in Europa gehofft.
Update: 21.02.2017 - 14:46 Uhr Kommentieren
Überfüllte Schlauchboote werden immer wieder zur Todesfalle. Quelle: dpa
Flüchtlinge im Mittelmeer

Überfüllte Schlauchboote werden immer wieder zur Todesfalle.

(Foto: dpa)

TripolisVor der libyschen Küste sind bei einer neuen Flüchtlingstragödie Dutzende Migranten ertrunken. 74 Leichen seien an einem Strand nahe der libyschen Stadt Sawija angespült worden, sagte der regionale Sprecher der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), Stephen Ryan. Man habe entsprechende Informationen und Fotos des Libyschen Roten Halbmonds am Montagabend erhalten. Die Menschen seien vermutlich innerhalb der vergangenen beiden Tage gestorben. Die meisten davon seien erwachsene Männer, nur drei Frauen befänden sich unter den Opfern. Sie stammten größtenteils aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Insgesamt seien 110 Menschen an Bord gewesen, teilte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo, auf Twitter mit. Das Boot der Verunglückten habe am Samstag in der Stadt Sabrata etwa 70 Kilometer von Tripolis entfernt abgelegt.

Nach Angaben der Küstenwache und der Internationalen Organisation für Migration haben Schlepper den Motor des Schlauchbootes gestohlen und die Migranten im Meer treibend zurückgelassen. Auf Bildern des Roten Halbmondes sind Leichensäcke am Strand zu sehen. Einige Tote befanden sich noch in dem angeschwemmten Boot. Ein Helfer sagte, die Zahl der Opfer werde noch steigen. Einige Leichen seien im Meer treibend ausgemacht, aber noch nicht geborgen worden.

Deutschland, eine Festung?
Ende des großen Zustroms
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Strenge Grenzkontrollen entlang der Balkanroute und das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei haben den Zustrom von Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak drastisch reduziert. 2015 kamen mehr als eine Million Menschen nach Europa. In diesem Jahr werden es deutlich weniger sein.

Wie viele Flüchtlinge kamen 2016 ins Land?
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Im sogenannten Easy-System, das auf Registrierungen durch die Bundesländer beruht, wurden in den ersten elf Monaten knapp 305.000 neue Asylsuchende in Deutschland erfasst. Die von der CSU geforderte Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr wäre damit überschritten

Messung ist problematisch
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Allerdings gilt die Easy-Zahl aufgrund von Fehl- und Mehrfacherfassungen als zu hoch. Hauptherkunftsländer waren Syrien (86.200 Personen), Afghanistan (47.000), Irak, Iran und Eritrea. Niedriger sind die Zahlen der Bundespolizei, die bis Ende November 141.850 illegale Einreisen feststellte.

Wie viele Asylanträge wurden gestellt?
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Insgesamt wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bis Ende November 723.000 Asylanträge gestellt. Zum großen Teil handelte es sich dabei um 2015 eingereiste Personen. 615.500 Anträge wurden entschieden. Die Zahl der Asylanträge nimmt aber ab. Im November wurden 26.438 Anträge gestellt, was einem Rückgang um gut 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Da inzwischen pro Monat mehr Anträge bearbeitet als eingereicht werden, wird der Berg unerledigter Fälle kleiner: Ende November lag die Zahl aber immer noch bei rund 491.000.

Wie viele Menschen wurden abgeschoben?
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Insgesamt wurden bis Ende November 23.750 Personen abgeschoben. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2015 mit 20.888 Abschiebungen und mehr als doppelt so viele wie 2014 (10.884). Die meisten Personen wurden aus Nordrhein-Westfalen in ihr Heimatland zurückgebracht (4662), gefolgt von Baden-Württemberg (3399), Bayern (3084) und in größerem Abstand Berlin (1963).

Ausweis für Asylbewerber
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Zugleich wurden bis zum 1. Dezember mehr als 51.000 Anträge zur finanziellen Förderung einer freiwilligen Rückkehr bewilligt. Bund und Länder wollen ihre Anstrengungen in diesem Bereich intensivieren und die Hindernisse bei Abschiebungen beseitigen. Denn insgesamt waren Ende Oktober 206.200 Menschen ausreisepflichtig. Die große Mehrheit von ihnen (153.700) besaß aber eine Duldung.

Wie und wo wird an den Grenzen kontrolliert?
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Am 13. September 2015 wurden vorübergehende Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze beschlossen und seitdem mehrfach verlängert, zuletzt im November. Die Kontrollen sind bis Februar befristet. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Deutschland sich in der EU für eine weitere Verlängerung starkmachen wird.

Immer wieder sterben Migranten beim Versuch, Europa vom chaotischen Libyen aus in teils schrottreifen Booten zu erreichen. 2016 wagten mehr als 180 000 Menschen die riskante Überfahrt. Über 5000 ertranken laut IOM im Mittelmeer - die höchste je verzeichnete Opferzahl. „Die letzten Berichte veranschaulichen noch einmal das anhaltende Risiko, dem Migranten auf dieser Route ausgeliefert sind“, sagte IFRC-Sprecher Ryan.

Die Europäische Union versucht, die sogenannte zentrale Mittelmeerroute für Migranten zu schließen und setzt dabei vor allem auf die Kooperation mit Libyen. In dem zerrütteten Bürgerkriegsland gibt es aber keinen geeigneten Ansprechpartner, um die Lage der Flüchtlinge wirksam zu verbessern und die Schlepperkriminalität einzudämmen. Die Bundesregierung denkt auch über Auffanglager in afrikanischen Nachbarstaaten nach, in die gerettete Menschen gebracht werden könnten.

Erst am Montag habe die italienische Küstenwache wieder 510 Menschen im Mittelmeer aus Seenot gerettet, twitterte IOM-Sprecher Di Giacomo. „Soweit wir wissen, sind alle Migranten in Sicherheit.“

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