„Unglücklicher Vorfall“
IWF-Chef bleibt trotz Affäre im Amt

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn darf im Amt bleiben. Das Aufsichtsgremium des Internationalen Währungsfonds sprach ihm trotz der Affäre mit einer Untergebenen das Vertrauen aus. Strauss-Kahn selbst ließ mitteilen, es handele sich um einen "unglücklichen Vorfall".

HB WASHINGTON. Strauss-Kahn genieße weiter das Vertrauen der IWF-Aufsicht, teilte der Verwaltungsrat des Internationalen Währungsfonds am Samstagabend in Washington mit. Eine externe Untersuchung habe keine Hinweise auf Belästigung, Begünstigung oder Machtmissbrauch erbracht. Strauss-Kahn habe aber einen Fehler gemacht und die weiblichen IWF-Mitarbeiter seien über das Verhalten besorgt, sagte Verwaltungsratschef Shakour Shaalan. Daher habe er Strauss-Kahn vor jedem weiteren ungebührlichen Verhalten gewarnt.

Der IWF hatte prüfen lassen, ob Strauss-Kahn sein Amt missbraucht hat. Dabei ging es um eine kurze Affäre zu der Volkswirtin Piroska Nagy zu Jahresbeginn, die damals in der Afrika-Abteilung des IWF arbeitete. Strauss-Kahn selbst hatte erklärt, es habe zwar im Januar "einen Vorfall" in seinem Privatleben gegeben. Er habe aber zu keinem Zeitpunkt seine berufliche Position missbraucht. Strauss-Kahns Ehefrau hatte den Vorfall als "One-Night-Stand" bezeichnet.

Der IWF ist wegen der Finanzkrise derzeit stark gefordert. Mehrere Länder haben ihn bereits um Hilfe gebeten. Der IWF fördert die internationale Zusammenarbeit bei Finanzfragen, vergibt aber auch Kredite. Ihm gehören rund 185 Länder als Mitglieder an. Beobachter hatten eine zeitweilige Lähmung des IWF für den Fall vorausgesagt, dass Strauss-Kahn seinen Hut nehmen muss.

"Es war ein unglücklicher Vorfall, über den er (Strauss-Kahn) sein Bedauern ausgedrückt hat, und der Verwaltungsrat hat seine Entschuldigungen akzeptiert", sagte Shaalan. Die 24 Mitglieder des Verwaltungsrats hätten einstimmig entschieden. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Vorfall die Effektivität der Arbeit des IWF-Chefs in den vor uns liegenden sehr herausfordernden und schwierigen Zeiten in keiner Wiese beeinträchtigen wird." Er persönlich habe mit Strauss-Kahn nach der Entscheidung gesprochen, sagte Shaalan. "Und ich habe ihn informiert, dass so etwas nicht wieder vorkommen sollte." Er fügte hinzu, weder sei Strauss-Kahn zuletzt zum Rücktritt aufgefordert worden noch habe er dies angeboten.

Die Affäre war vor einer Woche öffentlich bekannt geworden. Nagys Anwalt hatte daraufhin erklärt, seine Mandantin habe den IWF im August verlassen. Sie habe ein Angebot zur Abfindung genutzt, das der IWF auch anderen Mitarbeitern gemacht habe, um Stellen zu kürzen und damit Kosten einzusparen. "Sie ist in keiner Weise besonders behandelt worden - weder auf günstige noch auf ungünstige Art - und es gab auch keinen Druck auf sie, zu gehen", hatte Anwalt Robert Litt von der Kanzlei Arnold & Porter erklärt. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, der Vorfall habe innerhalb des IWF zu Kritik geführt, weil bis vor einer Woche noch nicht einmal alle 24 Mitglieder des Verwaltungsrates von der Untersuchung Kenntnis gehabt hätten. Mitglieder mit Kenntnis der Vorwürfe hätten damit in der Lage sein können, dies bei Disputen mit Strauss-Kahn zu politischen Themen oder der Finanzierung von Projekten auszunutzen.

Der ehemalige französische Finanzminister Strauss-Kahn steht seit September 2007 an der IWF-Spitze und ist mit einer angesehenen Fernsehjournalistin verheiratet. Nagy ist mit dem international renommierten Finanzexperten und ehemaligen argentinischen Zentralbankchef Mario Blejer verheiratet. In einer eMail hatte Strauss-Kahn am Montag geschrieben, er bitte die IWF-Beschäftigten, Nagy und seine Frau um Vergebung. Beobachtern zufolge wollte der IWF den Vorfall schnell klären, um eine Entwicklung wie 2007 beim damaligen Weltbank-Präsidenten Paul Wolfowitz zu verhindern. Dieser hatte sich über Wochen öffentlichen Rücktrittsforderungen widersetzt, nachdem es Vorwürfe gab, seine ebenfalls bei der Institution beschäftigte langjährige Partnerin habe finanziell von der Beziehung profitiert. Am Ende stürzte Wolfowitz dann aber doch.

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