UNHCR-Direktor für Europa „48 Prozent der Flüchtlinge in Griechenland sind Syrer“

Als „Krise“ will Vincent Cochetel die Situation in Griechenland nicht bezeichnen. Der Europa-Direktor der Flüchtlingsagentur UNHCR betont: Fast jeder zweite, der in Griechenland festsitze, sei syrischer Kriegsflüchtling.
17 Prozent der ankommenden Menschen in Griechenland sind Iraker, 26 Prozent kommen aus Afghanistan. Die Mehrheit jedoch – rund 48 Prozent – kommt aus syrischen Kriegsgebieten. Quelle: Reuters
Ankunft auf Lesbos

17 Prozent der ankommenden Menschen in Griechenland sind Iraker, 26 Prozent kommen aus Afghanistan. Die Mehrheit jedoch – rund 48 Prozent – kommt aus syrischen Kriegsgebieten.

(Foto: Reuters)

BrüsselVon den in Griechenland auf eine Weiterreise nach Mitteleuropa wartenden Flüchtlingen stammt laut Vereinten Nationen jeder zweite aus Syrien. Aus Afghanistan seien es 26 Prozent, aus dem Irak 17 Prozent, sagte Vincent Cochetel, Europa-Direktor des UNHCR, am Freitag in Brüssel. „48 Prozent der ankommenden Menschen sind Syrer. Sie geben sich nicht als Syrer aus, sie sind Syrer“, sagte er.

Griechenland sollte grundsätzlich in der Lage sein, die aktuell ankommenden Flüchtlinge zu beherbergen, sagte er. Wegen Kürzungen sei die griechische Verwaltung aber in ihren Handlungen beschränkt.

„30.000 Menschen sollten in einem EU-Staat unter normalen Umständen kein Notfall sein“, sagte Cochetel. „Ich möchte darauf beharren, dass ich das nicht als Krise bezeichne.“ Das UNHCR sehe nicht, warum die EU nicht in der Lage sein sollte, mit dieser Zahl von Flüchtlingen umzugehen.

Die Grenze zur Katastrophe
Neue Dimension der Krise
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Verlassene Kinder in Athens' Hafen von Piraeus: Angesichts des weiter wachsenden Flüchtlingszustroms in Griechenland schnürt die EU ein millionenschweres Nothilfe-Paket. In diesem Jahr sollen 300 Millionen Euro und bis Ende 2018 insgesamt 700 Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereitgestellt werden, wie aus EU-Kreisen verlautete. Das Geld werde nicht nur Griechenland, sondern auch anderen EU-Staaten zugutekommen.

Willkommensgruß per Graffiti
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Die Nothilfe sei nötig, um eine humanitäre Krise zu verhindern, wenn eine noch nie dagewesene Zahl von Flüchtlingen in die EU gelange. Für das Nothilfe-Paket würden Umschichtungen in dem bestehenden Haushalt vorgenommen, Mittel, die für humanitäre Hilfe außerhalb der EU vorgesehen wären, würden nicht angezapft. Nach Angaben der Vereinten Nationen warten derzeit 24.000 Flüchtlinge in Griechenland auf die Weiterreise. Am Montag...

Flüchtlinge versus Polizei
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... hatten etwa 300 Iraker und Syrer an der Grenze zu Mazedonien festsitzende Migranten versucht, gewaltsam die Sperranlagen zum Nachbarland zu durchbrechen. Die mazedonische Polizei reagierte mit Tränengas, ein Beamter und dutzende Flüchtlinge wurden verletzt. Mazedonien entsandte daraufhin weitere Polizisten und Soldaten an die Grenze. Mehrere Staaten entlang der sogenannten Balkanroute, darunter Mazedonien und Österreich, lassen nur noch eine begrenzte Zahl von Flüchtlingen pro Tag nach Norden weiterziehen.

Flüchtlinge müssen warten
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Zumindest hat Mazedonien in der Nacht zum Mittwoch kurzzeitig seine Grenze für einige Flüchtlinge geöffnet. Etwa 170 Menschen sind am Grenzübergang Idomeni in das Land gelassen worden, teilten die griechischen Behörden mit. Damit wurde erstmals seit den gewaltsamen Ausschreitungen am Montag wieder einer Gruppe von Flüchtlingen die Einreise erlaubt.

Ein Flüchtlingsjunge...
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... trägt seine Decken in Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien, nachdem er zuvor von der griechischen Polizei von den Gleisen vertrieben wurde. Auf der griechischen Seite der Grenze harren weiterhin Tausende Menschen aus. Sie hoffen, dass Mazedonien doch noch seinen Grenzzaun für alle Migranten öffnet, wie Reporter berichteten. Griechische Medien schätzten die Zahl der bei Idomeni wartenden Migranten auf mehr als 10.000.

„Öffnet die Grenzen“
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Die Situation der wartenden Flüchtlinge ist extrem schlecht. Hilfsorganisationen warnen vor einem Mangel an Essen und Zelten. Indes hoffen die Menschen darauf, dass die Grenzen geöffnet werden.

Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze
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Flüchtlinge gehen in Decken gehüllt: Drei Wochen nach dem Nato-Eilbeschluss zum Einsatz gegen Schlepper in der Ägäis zwischen der Türkei und Griechenland verzögert sich der Beginn der Mission. Es fänden „zurzeit die notwendigen Detailabsprachen statt“, die Planungen seien aber „auf einem guten Weg“, teilte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums mit. Nato-Diplomaten hatten zuvor von einer Blockade durch die Türkei gesprochen.

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  • dpa
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