Unhistorisch und unakzeptabel
Empörung über Tschechiens Regierungschef

Äußerungen des tschechischen Ministerpräsidenten Vladimir Spidla zur Entschädigung deutscher Vertriebener sind auf scharfen Widerspruch von Unionspolitikern gestoßen.

HB BERLIN. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach am Donnerstag in Berlin von einem „Vergleich von Sudetendeutschen mit Mördern“, der „unhistorisch und nicht akzeptabel“ sei. Ähnlich äußerte sich der Innenpolitiker der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Erwin Marschewski.

Die Prager Zeitung „Pravo“ hatte Spidla mit der Bemerkung zitiert: „Ich bin zu jeglicher Restitution unter einer Bedingung bereit: Bringen Sie jene 28 meiner Verwandten, die Sie im Zweiten Weltkrieg ermordet haben, an diesen Tisch zurück. Weil Sie dazu nicht fähig sind, werden wir nicht zur Vergangenheit zurückkehren.“

Spidla reagierte damit auf Forderungen deutscher Vertriebener auf Rückgabe ihres nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Benes-Dekrete beschlagnahmten Eigentums. Stoiber sagte dazu, Deutsche hätten „schwere Verbrechen gegenüber den europäischen Völkern und insbesondere auch gegenüber den Tschechen zu verantworten“. Diese Verantwortung „aber pauschal den Sudetendeutschen aufzubürden, ist unhistorisch und unakzeptabel.“ Die Sudetendeutschen selbst hätten millionenfach Leid und Tod erfahren. Die gegenseitige Aufrechnung von Opfern führe nicht weiter.

Für den Vertriebenen-Politiker Marschewski zeugt die Gleichstellung von drei Millionen sudetendeutschen Opfern der Vertreibung mit Mördern von einem mangelnden Geschichtsbewusstsein. Er forderte die Bundesregierung auf, sich für eine Rücknahme der Spidla-Äußerungen einzusetzen.

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