Unicef-Bericht

50 Millionen Kinder wachsen in der Fremde auf

Jeder zweite Flüchtling auf dieser Welt ist minderjährig. Laut eines globalen Unicef-Berichts mussten fast 50 Millionen Kinder ihre Heimat verlassen - ein Großteil sucht sogar innerhalb des eigenen Landes Schutz.
Kinder warten in einer Flüchtlingsunterkunft in Limburg an der Lahn auf die Essensausgabe. Quelle: dpa
Flüchtlingskinder in Hessen

Kinder warten in einer Flüchtlingsunterkunft in Limburg an der Lahn auf die Essensausgabe.

(Foto: dpa)

Berlin/New YorkWeltweit wachsen heute fast 50 Millionen Kinder in der Fremde auf - mehr als die Hälfte von ihnen sind auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Das ist das Ergebnis des ersten globalen Berichts zu Flucht und Migration von Kindern, den das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Mittwoch veröffentlichte.

Darin eingerechnet sind schätzungsweise 17 Millionen Kinder und Jugendliche, die innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben wurden. Jeder zweite Flüchtling oder Vertriebene auf der Welt ist minderjährig, der Anteil von Kindern und Jugendlichen ist damit überproportional hoch.

Unicef veröffentlichte seinen Bericht im Vorfeld der Gipfeltreffen zu weltweiten Flucht- und Migrationsbewegungen am 19. und 20. September in New York hat. Die UN-Organisation fordert, die betroffenen Kinder, insbesondere solche ohne Begleitung, besser vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen und entschieden gegen Menschenhandel vorzugehen.

Außerdem müsse die Inhaftierung von Kindern beendet werden. Kinder müssten davor bewahrt werden, bei Grenzkontrollen oder während des Verfahrens zur Bestimmung ihres Aufenthaltsstatus von ihren Eltern getrennt zu werden. Zur Zusammenführung der Kinder mit ihren Familien müssten "alle möglichen Maßnahmen ergriffen" werden.

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Unicef appelliert an die Regierungen und die Zivilgesellschaft, Kindern ihr Recht auf Bildung und umfassende Gesundheitsversorgung, Lebensmittel und Wasser sowie psychosoziale und rechtliche Betreuung zu gewähren. Außerdem müssten die Ursachen für Konflikte und extreme Armut bekämpft werden. Notwendig seien ferner Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Unter Verweis auf Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) heißt es in dem Report mit dem Titel "Entwurzelt", zwischen 2014 und Juli 2016 seien 15.000 Flüchtlinge und Migranten gestorben oder als vermisst registriert worden. Rund zwei Drittel aller registrierten Todesfälle von Migranten ereigneten sich demnach im Mittelmeer. Schätzungen zufolge seien ein Drittel der in der Ägäis umgekommenen Menschen Kinder, heißt es in dem Bericht.

In der ersten Jahreshälfte 2016 kamen in Europa fast 70 Prozent der Kinder, die einen Asylantrag stellten, aus den Konfliktländern Syrien, Afghanistan und Irak. Die mit Abstand meisten geflüchteten Kinder und ihre Familien suchen in ihrer jeweiligen Heimatregion Schutz, wie der Unicef-Bericht hervorhebt.

Die zehn Länder, welche die meisten Flüchtlinge aufnahmen, liegen in Asien und Afrika. Die Türkei ist laut Unicef wahrscheinlich das Land mit der weltweit größten Population von Flüchtlingskindern.

Vom Asylpaket zur Willkommenskultur
Asylpakete
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...schnürt die Bundesregierung seit der Krise zwei. In einem ersten ging es noch um viele organisatorische Fragen, etwa die Verteilung von Flüchtlingen und Finanzfragen. Im zweiten Asylpaket wurden dagegen vor allem Verschärfungen vereinbart - Abschiebungen wurden erleichtert, der Familiennachzug wurde ausgesetzt, die Residenzpflicht verschärft.

Die Balkanroute
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...wurde zunächst zur Route der Hoffnung für Flüchtlinge und später zum Symbol einer Rückkehr zu scharfen Grenzsicherungen. Genau genommen handelt es sich um die Westbalkanroute. Im vergangenen Jahr kamen fast 770.000 Flüchtlinge von Griechenland über Mazedonien, Serbien und Ungarn in die Staaten Westeuropas. Ungarn baute zur Abwehr der Flüchtlinge als erstes Land einen Grenzzaun, in der Folge schlossen auch die anderen Länder ihre Grenzen und damit im Wesentlichen die Balkanroute.

Entscheider
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...werden Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) genannt. Ihre Jobbeschreibung lautet zu entscheiden, ob ein Asylbewerber in Deutschland bleiben kann oder nicht. Diese Mitarbeiter gibt es schon lange - angesichts der Vielzahl unerledigter Fälle musste das Bamf aber zahlreiche neue Entscheiderstellen schaffen.

Flüchtlingsdeal
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... heißt ein im März geschlossenes Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei. Dieses sieht vor, dass die Türkei auf den griechischen Ägäisinseln ankommende Flüchtlinge zurücknimmt. Nach einem besonderen Mechanismus nehmen die EU-Staaten für jeden zurückgebrachten Syrer einen syrischen Flüchtling aus der Türkei auf. Als Teil des Deals stellte die EU unter anderem Visafreiheit für Türken in Aussicht - gewährt wird diese aber noch nicht. Damit wackelt das als zentrales Instrument zur Bewältigung der Krise geltende Abkommen nach wie vor.

Integrationsverweigerer
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...ist eine aus der Politik kommende Charakterisierung für bestimmte Gruppen, die ein hartes Vorgehen der Behörden treffen soll. So wollen die Unionsinnenminister Flüchtlinge, die sich der Integration in Deutschland verweigern, bis hin zur Ausweisung bestrafen. Allerdings ist umstritten, ob es ein solches Verhalten überhaupt gibt - Fachleute bemängeln eher, dass noch immer zu wenige Kurse zur Integration angeboten werden.

Obergrenzen
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...für die Aufnahme von Flüchtlingen wurden in der Bundesregierung von der CSU gefordert. Parteichef Horst Seehofer verlangte eine Obergrenze von maximal 200.000 Menschen, konnte dies aber nicht durchsetzen. Allerdings entspannte sich die Lage inzwischen deutlich. So erwartet auch Österreich, das für dieses Jahr eine Obergrenze von 37.500 Asylanträgen setzte, dass diese nicht ausgeschöpft wird.

Subsidiärer Schutz
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...wird Menschen gewährt, denen kein individuell begründeter Flüchtlingsstatus zuerkannt wird. Diese erhalten – etwa wegen einer Bürgerkriegssituation in ihrem Land – trotzdem vorerst ein Bleiberecht. Allerdings haben sie einen niedrigeren Status als unter die Genfer Flüchtlingskonvention fallende Menschen. Subsidiär geschützte Flüchtlinge können zwar auch nicht abgeschoben werden, sofern sie keine Straftaten begangen haben, aber sie haben auch kein Recht auf den Nachzug Familienangehöriger. Inzwischen bekommt ein wachsender Anteil von Syrern nur noch subsidiären Schutz.

  • afp
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