„Unions“ drohen mit Streiks, doch der Premier hält an der Rentenreform fest
Britische Gewerkschaften fordern Blair heraus

Der britische Gewerkschaftsdachverband TUC macht Front gegen die Politik von Premierminister Tony Blair. Der Labour-Premier habe keine „Vision progressiver Ziele“ geliefert und müsse bald Platz für einen Nachfolger machen, sagte TUC-Chef Brendan Barber beim Jahreskongress seiner Organisation in Brighton.

HB LONDON. Auf der Tagesordnung steht eine lange Liste vorn Sachthemen: die Krise der Renten, der Kampf gegen lange Arbeitszeiten, die Lohndiskriminierung von Frauen und Leiharbeitern, Wiedereinführung legaler Sympathiestreiks. Doch vor allem geht es den Gewerkschaftsführern darum, spitze Pfeile gegen den einstigen engen Verbündeten, die regierende Labour-Partei abzuschießen.

Der erst im Frühjahr frisch im Amt bestätigte Premier plant zwar ohnehin die Übergabe des Regierungsamtes an seinen mutmaßlichen Nachfolger, Schatzkanzler Gordon Brown, aber frühestens im Herbst 2007. Dagegen will TUC-Chef Barber dem Premier nur noch ein Jahr geben. Gewerkschaftsbosse wie Tony Woodley von der Transportarbeitergewerkschaft T&G sind noch ungeduldiger: Blair solle Anfang nächsten Jahres gehen.

Allerdings bekommt nun auch Brown das Misstrauen der Gewerkschaften zu spüren: „Wir wollen keinen Blair, Folge II“ warnte Woodley den Schatzkanzler. Damit erinnerte er unverblümt an den Einfluss, den die Gewerkschaften bei der Wahl des nächsten Labourführers haben – sie kontrollieren im Wahlgremium der Labourpartei rund 30 Prozent der Stimmen.

Derek Simpson von der privaten Dienstleistungsgewerkschaft Amicus begann in Interviews schon, mit Brown über das politische Programm zu verhandeln: Mit den Stimmen der Gewerkschaften könne Brown nur rechnen, wenn er den Schutz von Arbeitsplätzen in der Industrie und die Verbesserung der Situation von Millionen von Leiharbeitern in den Mittelpunkt rücke. Jobs in Großbritannien seien schlechter geschützt als in Frankreich und Deutschland und gingen deshalb verloren.

Simson und Woodley werden an Einfluss im insgesamt vorsichtigen TUC gewinnen, wenn die geplante Fusion der drei Gewerkschaften T&G, Amicus und GMB Anfang 2006 klappt – Simpson und Woodley würden dann den Ton in der britischen Gewerkschaftsbewegung angeben und hoffen so, einem Labourpremier Brown das Fürchten beizubringen. Doch hat Labour nach Presseberichten schon Pläne für den möglichen Bruch mit den Gewerkschaften in der Schublade.

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