Unkontrollierte Bauwut soll ein Ende haben
Zimmer frei am Teutonengrill

Im Vier-Sterne-Hotel „Bellavista Mar“ in Roquetas de Mar, in der Nähe von Almeria, hat man noch nicht verwunden, dass die Deutschen nicht mehr so gerne nach Spanien kommen wie früher. Waren es vor ein paar Jahren noch sechs Millionen, kommen heute nur noch 4,5 Millionen deutsche Urlauber auf die iberische Halbinsel. Statt der bisher üblichen täglichen Flüge aus Deutschland nach Almeria gibt es nun nur noch zwei pro Woche.

ALMERIA. Aber statt sich zu fragen, ob der Rückgang vielleicht mit dem touristischen Angebot oder den Preisen zu tun hat, findet man schnell eine andere Erklärung: „Die Einführung des Euros hat die Deutschen halt besonders hart getroffen“, heißt es an der Rezeption des „Bellavista Mar“.

Dafür kämen jetzt mehr Landsleute, mehr Briten und Franzosen. Aber das reicht nicht aus. „Unser Hotel hat 500 Zimmer, derzeit sind nur 320 belegt und das in der Hochsaison“, klagt der schwergewichtige Pepe Sánchez, Restaurantchef im „Bellavista Mar“, in bestem Deutsch. Der kaufkräftige Markt bestehe fast nur noch aus den Seniorenreisen im Winter.

Wer durch Roquetas de Mar geht, ein künstlicher Ort mit Kieselstrand und hässlichen Hotelanlagen, ist nicht verwundert, dass hier niemand sein möchte. Wo dazu die Preise in astronomische Höhen gestiegen sind. Wer mit einer vierköpfigen Familie Essen geht, muss 60 Euro zahlen, ohne wirklich etwas Gutes auf dem Teller zu haben oder in einem schönen Ambiente zu speisen. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach an der gesamten Küste nicht mehr“, sagt Harald Henning, Chef der Zentrale für deutschen Tourismus in Spanien.

Dennoch berichten die patriotischen spanischen Zeitungen weiter darüber, dass die Zahl der ausländischen Touristen im ersten Halbjahr um fast sechs Prozent auf 24 Millionen angestiegen sei. „Ein Rekord“, heißt es. Vor allem die Costa Brava und die Costa Blanca profitierten davon. Von Krise könne keine Rede sein. Erst am Ende des Artikels berichten sie, dass die Einnahmen trotz der „Rekordzahlen an Besuchern“ de facto zurückgehen – im ersten Halbjahr um die drei Prozent.

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