Unmut über Tsipras & Co. „Griechische Regierung ist nicht Opfer, sondern Täter“

Für Tsipras tickt die Uhr: Das Parlament in Athen stimmt über das Reformpaket der Gläubiger ab. Viele Griechen fordern ein Nein. Auch in Deutschland ist der Ärger groß – wegen neuer Attacken des griechischen Premiers.
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Seine Attacken auf Schäuble sorgen für großen Unmut: der griechische Premier Alexis Tsipras. Quelle: ap
Alexis Tsipras

Seine Attacken auf Schäuble sorgen für großen Unmut: der griechische Premier Alexis Tsipras.

(Foto: ap)

BerlinObwohl Griechenland am Scheideweg steht, wird Alexis Tsipras nicht müde, gegen die internationalen Geldgeber auszuteilen. Dabei steht der griechische Premier auch zu Hause in Athen mittlerweile das Wasser bis zum Hals. Vor der Parlamentsabstimmung über die umstrittenen Spargesetze bekam der Regierungschef zunehmenden Gegenwind aus seiner eigenen Partei zu spüren.

Angesichts des immer größer werdenden Drucks versucht Tsipras die Quadratur des Kreises, um bei seinen Parteifreunden nicht gänzlich als Buhmann dazustehen. In einem Fernsehinterview am Dienstagabend übernahm er einerseits die Verantwortung für die mit den internationalen Geldgebern getroffenen Vereinbarungen. Andererseits versuchte er diese Verantwortung gleich wieder demjenigen zuzuschieben, der ihm schon lange ein Dorn im Auge ist: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Dessen Grexit-auf-Zeit-Vorschlag geißelte Tsipras mit den Worten: „Dieses Europa gehört nicht Herrn Schäuble.“ Die Nacht des Euro-Gipfels in Brüssel, wo die Vereinbarung ausgehandelt wurde, sei schlecht für Europa gewesen. Sie sei auf Druck starker Staaten auf Griechenland zurückzuführen. Diese Art und Weise der Druckausübung „ehrt nicht die Tradition Europas“. Der Premier rückte zugleich von zentralen Versprechen ab. „Ich übernehme die Verantwortung für einen Text, an den ich nicht glaube, aber den ich unterzeichnet habe, um ein Desaster für das Land zu vermeiden, den Kollaps der Banken, sagte Tsipras.

Die Äußerungen lösten in Berlin große Empörung aus. Der CDU-Abgeordnete Thomas Bareiß reagierte mit Kopfschütteln. „Man fragt sich, ob es Dummheit oder Frechheit, oder vielleicht sogar beides ist“, sagte das Mitglied im konservativen Berliner Kreis der CDU dem Handelsblatt. „Das letzte Vertrauen wird dadurch zerstört und macht eigentlich eine deutsche Zustimmung zum dritten Hilfspaket unmöglich.“

Tsipras Vorwürfe seien besonders vor dem Hintergrund des maßgeblich von ihm vorgelegten Programmes „unerhört und vollkommen haltlos“, sagte der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), dem Handelsblatt. So gehe man in Europa nicht miteinander um.

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, bezeichnete die Attacken auf Schäuble als „nicht hinnehmbar“. Der Finanzminister kämpfe seit Jahren mit ganzer Kraft für eine Rettung Griechenlands. Sein Vorschlag für einen Grexit-auf-Zeit habe zur Grundbedingung gehabt, dass dieser Schritt von der griechischen Regierung getragen werde. „Daraus kann ihm keiner einen Vorwurf machen“, sagte Ziemiak dem Handelsblatt. „Die Bundesregierung muss jetzt zusammen stehen und darf sich nicht von äußerem Druck auseinander dividieren lassen. Die aktuellen Reformen sind Griechenlands letzte Chance.“

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20 Kommentare zu "Unmut über Tsipras & Co.: „Griechische Regierung ist nicht Opfer, sondern Täter“"

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  • Herr Tsipras hat völlig recht! Europa gehört nicht Schäuble. Es gehört den Griechen! Und die anderen Europäer haben diesem Volk pflichtschuldigst Tribut zu leisten. In Form von periodisch wiederkehrenden "Bailouts". Wer das nicht einsehen will, sollte sich schämen. (Ich gehe beim schämen voran, denn ich gestehe, ich sehe es auch nicht ein.)

  • Alexander war nicht Grieche und ich glaube kaum, dass Herr Zipras (egal ob er später mal der Große wird) Deutschland angreifen wird. Also muß der BT nicht die Mobilmachung beschließen, sondern nur ein weiteres "Hilfspaket" ablehen.

  • Zipras hat also die Vereinbarung unterschrieben, steht aber nicht dazu. Da kann man sich ja vorstellen, wie er die Reformen kraftvoll umsetzen wird. Der Streit wird also in den nächsten 3 Jahren so weitergehen, wie in den letzten 5 Jahren. Danach wird Griechenland wieder von den anderen EU-Ländern, insbesondere Deutschland, erpresst weitere 100 - 200 Mrd. € zu nehmen.

  • "Glauben Sie nicht gleich alles, was von offizieller Seite so behauptet wird! "

    und erst recht nicht, was hier so alles geschrieben wird.

  • MITMACHEN!

    Online-Petition an den Bundestag

    "Das dritte Griechenlandpaket und etwaige weitere Euro-Rettungsmaßnahmen für andere Länder lehne ich ab."

    http://www.ja-zur-alternative.de



  • Laut Tsipras:"Er sei von den Gläubigern erpresst worden(...).Wir werden nicht von unserem Versprechen abrücken, bis zum Ende für die Rechte der arbeitenden Menschen zu kämpfen". Das heißt übersetzt: "Wir werden so tun als ob wir die Bedingungen erfüllen, dann werden wir sie verschleppen und am Ende werden wir uns weigern, die Hilfen zurück zu zahlen, weil wir ja erpresst wurden." Dieser Politiker ist ernsthaft davon überzeugt, dass nur die in Griechenland arbeitenden Menschen Rechte haben. Die Menschen in den Geberländern werden von den realitätsfernen Ideologen gezwungen von ihrem hart verdienten Geld Griechenland dauerhaft zu subventionieren. Wessen Würde wird hier eigentlich mit Füßen getreten? Die Parlamentarier, die über das 3.Hilfspaket abstimmen, sollten vor der Stimmabgabe genau hinhören.

  • Liebe Griechen, tut mir leid ,dass ihr euch erpresst fühlt. Nach meiner Meinung bin ich allerdings nicht dafür verantwortlich, dass vielleicht Renten von beispielsweise 1200€ auf 900€ reduziert werden ,dass nur noch 60€ am Tag von Banken abgehoben werden können usw. Stattdessen werde ich wohl für viele Jahre dafür zahlen, dass überhaupt noch 900€ Rente gezahlt werden kann, dass eure Banken überhaupt noch Geld ausgeben könne,dass 130 Milliarden von Griechen von den Banken in den letzen Monaten abgehoben werden konnten usw.

  • Täter sind alle Verantwortlichen in den Regierungen und Institutionen Europas seit 1990 und die maßlosen Zocker dieser Welt die ihre eigene Oma für ein paar Kröten verkaufen würden. Die USA spielen da auch eine Rolle auf dem großen Schachbrett!!

    Opfer sind alle rechtschaffenden Menschen in Europas die wieder kurz davor stehen sich die Köpfe einzuschlagen!!!

    Wenn ich in den Foren schon lese, dass man nun den Griechen um die Ecke boykkotieren möchte erinnert mich das stark an "kauft nicht bei Juden". Ich befürchte es dauert nicht mehr lange und Europa endet wie der nahe Osten im Chaos!

  • Eine groteskere Situation ist kaum vorstellbar : Griechenland braucht Milliarden, damit das Land nicht vollends zusammenbricht. Eigene Vorstellungen zur wirtschaftlichen Gesundung des Landes - etwa in Form eines abgewandelten Marshallplans - vermochte die Regierung Tsipras nicht zu entwickeln. Der Ex - Finanzminister hat sich nach dem von ihm und Tsipras gewünschten Ausgang des Referendums verabschiedet und gibt nun sauertöpfische Kommentare vom Spielfeldrand - natürlich gegen Deutschland.
    Von Deutschland wird europäische Solidarität eingefordert für ein Program, das von den Griechen als Diktat empfunden und abgelehnt wird. Jeder weiß zudem, daß selbst wenn das griechische Parlament dem Paket zustimmen sollte, dessen Umsetzung mit der Regelmäßigkeit einer unangenehmen Jahreszeit torpediert wird und sich deshalb - wie alle zuvor - als völlig wirkungslos erweist.
    Es geht eben nichts über einen guten Kompromiss !

  • In Spanien kippt die Stimmung, auch der Konservative Rajoy, ein übelster und korrupter Geselle der spanischen Elite, wird dem ClubMed nicht die Stirn bieten.
    Es wird immer klarer, dass die AfD Recht hatte, als sie vorhersagte, dass der Süden am Ende den soliden Norden ausnehmen würde wie eine Weihnachtsgans.
    Man könnte fast meinen, dass wäre von Anfang an der Plan des EUR gewesen, jetzt in der Rückbetrachtung der Entwicklungen.

    Merkel & ihre weichgewaschene CD zusammen mit den Linken von SPDGrüne hat den deutschen Steuerzahler, Sparer und Rentner verkauft, sie hat mE ihren Amtseid offensichtlich gebrochen.

    Es wird bald richtig dicke kommen in EUR-Land. Der Meltdow hat schon längst begonnen.

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